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Schweiz: Spitze und Schlusslicht zugleich

Nur das teuerste ist gut genug, beim IT-Anschaffen. Doch beim kommerziellen Benutzen haperts. (Bild: swissinfo) swissinfo.ch

Die Schweiz nutzt die Informationstechnologie IT nicht richtig, behauptet Xavier Comtesse, Co-Direktor von Avenir Suisse, in seinem neuesten Buch.

Dieser Inhalt wurde am 26. Januar 2005 - 15:03 publiziert

Was das Anschaffen der neuesten Technologien betrifft, gehöre die Schweiz zur Spitze. Bei der Arbeitsproduktivität hingegen bilde sie das Schlusslicht.

Was hat die Frage der Öffnung der letzten Meile durch die Swisscom mit der niedrigen Arbeits-Produktivität der Schweiz zu tun, fragt sich der Autor Xavier Comtesse in seinem Buch "Dartfish, Logitech, Swissquote und Co."

Information Technology (IT) umfasst Informatik und Telekommunikation. "Wenn also die letzte Meile fällt, kommt das einer telekommunikativen Öffnung der Märkte gleich. Dies senkt die Preise", sagt Xavier Comtesse gegenüber swissinfo. "Damit würden Einzelpersonen und Unternehmen produktiver."

Solche Produktivitätsgewinne könnte die Schweiz gut gebrauchen, so Comtesse. Denn diese fehlten dem Land, nicht zuletzt auch weil der Telekom-Markt in der Schweiz immer noch nicht offen sei.

"Die Tarife für Mobiltelefonie sind in der Nachbarregion Lombardei zehnmal günstiger als in der Schweiz."

Widersprüche und helvetische Eigenheiten

In seinem Buch konstatiert Comtesse Widersprüche und helvetische Eigenheiten, die es der Schweiz verunmöglichen, von den neuen IT so zu profitieren, wie das andere Länder tun. Mit den entsprechend negativen Folgen für die Schweizer Wettbewerbsfähigkeit.

So stellt Comtesse fest, dass die Schweiz zwar an vorderster Front figuriert, wenn es um IT-Anschaffungen geht: Nur das Teuerste ist gut genug. Bei der (Arbeits-)Produktivität jedoch, also der Umwandlung der IT-Anwendung in Markterfolge, liege die Schweiz am Schluss.

Spielchen statt Ausbildung

So hängen Produktivitätsgewinne nicht nur von Investitionen in IT ab, schreibt Comtesse, sondern von anderen Faktoren, wie Bildungspolitik, Forschung, Risikokapital und vom Verhalten der öffentlichen Hand.

Mit anderen Worten: Auch PISA-Resultate zählen, wenn IT die Arbeits-Produktivität in der Schweiz erhöhen soll. Schweizer Kinder nutzen das Internet zwar, aber für Computerspiele anstatt für den Schulstoff. "Weniger als einer von fünf Schülern benutzt das Internet für die Ausbildung", lautet die erschreckende Bilanz des Autors.

Sehr beunruhigend wirkt das Buch, weil sämtliche Behauptungen und Kritiken mit vergleichenden Statistiken Schweiz – EU untermauert werden. So steht auch beim Vergleich "IT als Lehrmittel für Schulen" die Schweiz am Schluss.

Produkte-Perfektionismus statt Produktivität

Wie typisch ist es für die Schweiz, zwar finanziell an einer Entwicklung zu partizipieren, aber doch nicht richtig davon zu profitieren?

"Die typisch schweizerische Fixierung auf die Qualität des Produkts, also auf das Angebot, hat zur Folge, dass man sich zuwenig mit der Nachfrage und dem Markt auseinander setzt", bedauert Comtesse gegenüber swissinfo.

Deshalb nützt Innovation allein nicht viel, denn "die Kommerzialisierung dieser Innovationen fand kaum auf Schweizer Boden statt". Damit fällt die Wertschöpfung, wenn überhaupt, im Ausland an.

Föderalismus: Nichts als Gärtchendenken

Ein weiteres schweizerisches Element wirke ebenfalls produktivitätshemmend, nämlich der Föderalismus. "Im internationalen Vergleich überrascht die Langsamkeit, mit der Schweizer Behörden IT-Anwendungen umsetzen", schreibt Comtesse.

Er macht dafür den Föderalismus verantwortlich. Habe sich doch im IT-Bereich des e-Governments gezeigt, dass zahlreiche Gemeinden, Kantone, der Bund und seine Ämter alle dasselbe taten – nur mehrfach und jeder für sich.

Dies sei eine weitere typische Schwäche der Schweiz, so Comtesse: "Das Rad jedes Mal neu erfinden."

Transformer als Schlüsselfiguren

Comtesse stellt mit den "Transformern" eine neue Art von Wirtschaftsakteuren vor. Leute, die in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen die Arbeitsweise umgestalten. Transformer versuchen, Berufe umzugestalten, indem sie die Rollen der Kunden und der Dienstleistungen verändern.

Sie führen sinnvolle Web-Plattformen ein und nutzen den Kunden als intelligenten User. Transformer sind Nicht-Informatiker, die aber die IT-Hilfsmittel nutzen, um kreativ zu werden. Auf ihnen liegen die Hoffnungen, dass die Schweiz zur höherer Produktivität zurückfindet.

swissinfo, Alexander Künzle

In Kürze

"Dartfish, Logitech, Swissquote und Co: IT-Transformer, die neuen Akteure der Veränderung"

Autor: Xavier Comtesse, Directeur romand von Avenir Suisse

Das Buch ist gleichzeitig auf französisch und deutsch erschienen.

Avenir Suisse/Tricorne Genf/Orell Füssli, Zürich, Januar 2005.

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Fakten

Die Schweiz hat im Vergleich zu anderen Industrieländern ein Produktivitätsproblem.
Die behauptet der Technologie-Experte Xavier Comtesse.
Pro Arbeitsstunde seien Schweizer deshalb weniger produktiv.
Comtesse fordert Reformen in den Rahmenbedingungen, um dieses Problem zu bekämpfen.
Ob Bildungssystem, öffentliche Verwaltung oder Unternehmertum, es wird zu wenig in so genannt weiche Bereiche investiert.
Comtesse wirft dem Land vor, dass weder Private noch Unternehmen noch der Staat die Vorteile des Internets richtig ausnutzen.

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