Schweizer Geiseln im Jemen sind frei

Verstärkte Sicherheitskontrollen in Jemen. Keystone

Das Ehepaar, das am Montag in Jemen entführt worden war, ist seit Dienstag frei. Dies bestätigte das Schweizer Aussenministerium (EDA) in Bern.

Dieser Inhalt wurde am 22. November 2005 - 10:29 publiziert

Die beiden sind in Sicherheit und wohlauf, wie sie laut EDA dem Botschafter der Schweiz in Riad, Dominik Alder, am Telefon erklärten.

Das Schweizer Ehepaar ruhe sich nun aus, sagte EDA-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat gegenüber swissinfo. "Ob sie die Reise im Jemen fortsetzen oder nicht, liegt an ihnen."

Der Entführer bestätigte am Dienstag eine entsprechende Darstellung des Aussenministeriums in Bern.

"Wir haben sie freigelassen, sie sind auf dem Weg zurück", sagte der Stammesführer. Zuvor habe er Zusagen der jemenitischen Behörden über das Schicksal seines Bruders erhalten, sagte er gegenüber swissinfo. Dieser soll wegen Autodiebstahls festgenommen worden sein.

Verhandlungen erfolgreich

"Durch Verhandlungen mit den Stammesältesten in Marib konnten wir das Problem lösen", erklärte Hasan Hamad Salem Al Thamen am Dienstag Morgen.

"Sie konnten erreichen, dass wir die Touristen freigeben und versicherten uns, dass sie eine Lösung finden würden", was den Fall seines Bruders betreffe.

"Ich habe die Touristen vor einer Stunde den Verhandlungspartnern übergeben, den Scheichs von Abaid", sagte er im Gespräch um 9:45 Schweizer Zeit. "Diese brachten sie zum Gouverneur der Provinz Marib."

Entführungen sind Tradition

Das Deutschschweizer Ehepaar war nach offiziellen jemenitischen Angaben in der östlich der Hauptstadt Sanaa gelegenen Bergprovinz Marib verschleppt worden.

Die Touristen waren auf einer organisierten Tour mit einem lokalen Führer und einem Fahrer unterwegs. Von einem nicht näher bezeichneten Ort in Marib aus hatte der Mann am Telefon gegenüber swissinfo erklärt: "Wir werden gut behandelt, warten nun auf die Lösung des Problems und geben keine weiteren Kommentare ab, bis wir wieder im Hotel sind."

In der Vergangenheit wurden im Jemen wiederholt Touristen entführt. Die Zentralregierung kämpft bei vielen von Stammesvertretern bestimmten Regionen um ihre Anerkennung. Meist kamen die Ausländer nach Verhandlungen unverletzt wieder frei.

Von Reisen abgeraten

Das EDA rät "wegen der prekären Sicherheitslage" von Reisen namentlich in die Provinz Marib ab.

Auch zwei weitere Provinzen sowie das Grenzgebiet zu Saudi-Arabien sind zu meiden, wie aus den Reisehinweisen auf der EDA-Internetsite hervorgeht.

Allgemein weist das EDA darauf hin, dass Reisen nach Jemen mit "grossen Risiken" verbunden seien. Entführungen könnten grundsätzlich im ganzen Land stattfinden. Von Einzelreisen ohne lokalen Reiseführer wird abgeraten.

Doch auch mit Begleitung wurde das Ehepaar entführt. "Dies zeigt, dass es auch dann noch Risiken gibt, auch wenn man Vorsichtsmassnahmen getroffen hat", sagte Jeannerat. "Das heisst, man muss sich vor Ort informieren und mit grösstmöglicher Vorsicht vorgehen."

swissinfo und Agenturen

Fakten

Das EDA rät aufgrund immer wieder aufflackernder Unruhen von Reisen ins Land ab.
Immer wieder werden Touristen entführt, um inhaftierte Angehörige freizupressen oder Geld zu erhalten.
Der Schweizer Reiseanbieter Holiday Maker, bei dem das entführte Ehepaar die Reise gebucht hatte, schickt jährlich 30 bis 50 Kunden in den Jemen.

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In Kürze

Nordjemen wurde 1918 unabhängig vom Ottomanischen Reich.

Grossbritannien zog sich 1967 aus dem Protektorat um den Hafen Aden zurück.

Drei Jahre später orientierte sich die südliche Regierung am Marxismus.

Nach zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg zwischen Norden und Süden entstand 1990 die heutige Republik Jemen.

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