Schweizer kehren Skipisten den Rücken

Kinder im Zentrum: Touristiker denken darüber nach, wie sie die Abkehr der Schweiz vom Skifahren stoppen wollen. Schweiz Tourismus By-Line/swiss-image.ch

Immer weniger Schweizerinnen und Schweizer fahren Ski. Das Land schlittert in ein Wellental – wie die heimischen Ski-Rennfahrer.

Dieser Inhalt wurde am 10. Februar 2005 - 17:11 publiziert

An Ideen, wie die rasante Talfahrt zu stoppen sei, mangelt es nicht. Eine Einigung auf eine Strategie ist aber nicht in Sicht.

Es war Peter Bodenmann, seines Zeichens ehemaliger Präsident der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP) und jetzt Hotelier in Brig im Wallis, der im Januar die Lunte zündete: Die Skiorte müssten sich einer Radikalkur unterziehen, um den Skisport wieder attraktiver zu machen.

Der Oberwalliser listete zehn Gründe auf, warum die Schweiz als Tourismusdestination zu teuer sei. Gleichzeitig regte er radikale Massnahmen an, um die Kosten massiv zu senken. Dazu müssten sich die Skistationen ein Beispiel an der Billig-Airline easyJet nehmen, so sein umstrittenster Vorschlag.

Bodenmann sprach nicht ins Blaue, sondern nahm Bezug auf ernüchternde Statistiken, die von Anfang des Winters datieren. Damals hatte Schweiz Tourismus vor den Medien herausgestrichen, dass 38% der Bevölkerung in der Schweiz Skiferien eingeplant hätten.

Was die Statistik allerdings nicht sagte: Die Mehrheit zog es vor, zu Hause zu bleiben oder ihre Ferien in wärmeren und südlicheren Gefilden zu verbringen.

Einbruch



An der selben Medienkonferenz erklärte die Branchenorganisation Seilbahnen Schweiz, dass immer weniger Schweizerinnen und Schweizer die Skis anschnallten: In den letzten fünf Jahren sei gar ein Einbruch von fünf Prozent zu verzeichnen gewesen.

Die Skifahrer würden zudem immer älter. Der Schnitt sei auf 38 Jahre gestiegen, während er 1990 noch 30 Jahre betragen habe. Dazu kommt, dass die einst so gloriosen Schweizer Skirennfahrerinnen und –Rennfahrer seit Jahren nur noch Mittelmass darstellen und als zündende Vorbilder ausgedient haben.

Noch vor knapp 20 Jahren hatte es anders ausgesehen: An den Weltmeisterschaften in Crans Montana räumten Primin Zurbriggen und Co. praktisch alle Medaillen ab - der ausländischen Konkurrenz blieben die Brosamen.

Bodenmanns Visionen blieben nicht ungehört: Parlamentskommissionen tagten seither zum Thema, und alle, die sich dazu berufen fühlten, äusserten sich dazu.

Beispiel der Billigflieger folgen

Um die Auslastungsfaktoren zu erhöhen, so der Walliser, müssen die Destinationen die Preise senken. Wie das? Hotels und Ferienhaus-Besitzer sollten demnach gezwungen werden, Ski-Saisonkarten zu kaufen. Die Gäste respektive deren Nachfrage nach diesen Pässen bestimmen schliesslich deren Preise.

Gäste, die ausserhalb der Hochsaison anreisten, kämen so günstiger zu ihrem Skivergnügen als jene, die in der Ferienzeit im Februar oder an einem sonnigen Wochenende die Pisten bevölkerten.

Undurchführbar, zu radikal, sagen Tourismus-Profis zu Bodenmanns Vorschlägen. Sie geben aber zu, dass der Walliser Hotelier eine heisse Debatte ausgelöst habe, wie die Schweizer wieder auf die Bretter zu bewegen sind, welche einst die Tourismus-Welt bedeuteten.

Nachwuchs-Sorgen

Skifahren war lange Zeit quasi externes Schulfach: In den obligatorischen Skilagern lernten die Schüler von Kindsbeinen an die Balance auf den zwei Latten.

Heute gibt es das Skifahr-Obligatorium nicht mehr, was nicht ohne Folgen blieb. Laut Ski- und Snowboard-Schulen sind 80% der Schweizer Jugendlichen aus den Städten noch nie auf Skiern gestanden.

Für Martin Nydegger, Tourismus-Chef im Bündner Ferienort Scuol, ist es deshalb Sache der Gemeinden, solche Schülerlager zu organisieren. Damit würden sich diese ihre künftigen Gäste sichern.

Weitere Idee Nydeggers: Die Tourismus-Industrie soll auf jugendliche Ausländer fokussieren, deren Eltern nie Ski gefahren sind. Der Grund: Diese Familien zählten mehr Kinder als Schweizer Familien.

Gratis Skifahren?

Bodenmann glaubt, mit seinen Vorschlägen den Preis für eine Tageskarte von heute weit über 50 auf 20 Franken zu senken. Urs Kamber, Leiter von Luzern Tourismus, findet es dagegen besser, wenn Kinder bis zum 12. Altersjahr Lifte und Bahnen zum Nulltarif benützen könnten.

Kamber verweist auf Österreich, wo eine Saisonkarte für Kinder bis acht Jahre bloss 10 Euro oder rund 15 Franken kostet. Peter Vollmer, Direktor von Seilbahnen Schweiz und Nationalrat, verneint dagegen, dass die Preise für Tageskarten überteuert seien.

Vollmers Rezept: Preispakete, welche eine vergünstigte Miete der Ausrüstung einschliessen sowie weitere Anstrengungen für Tarifverbünde in den Skiregionen.

Skiorte müssten die Luxus-Kreuzfahrtschiffe der Alpen sein, so die Vision Bodenmanns. "Leider können wir mit den bestehenden Destinationen nicht wieder bei Null beginnen, auch wenn dies wirtschaftlich Sinn machen würde."

swissinfo, Dale Bechtel
(Übersetzung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

Heute fahren fünf Prozent weniger Schweizer Ski als noch vor fünf Jahren.
Skifahrer werden immer älter: 2004 waren sie im Schnitt 38 Jahre alt, 1990 noch 30.
Im Zentrum der Bemühungen der Tourismus-Branche stehen die Jugendlichen.
Wie diese zurück auf die Pisten geholt werden, darüber bestehen aber grosse Differenzen.

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