The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Kein Klimafonds für die Schweiz

Die Klimafonds-Initiative scheitert klar – am Ständemehr und mit über 70% aller Stimmen.

Externer Inhalt

Fallen die Umfragen eindeutig aus, gibt es selten Überraschungen. Das ist auch bei der Klimafonds-Initiative der Fall: Mehr als zwei Drittel hatten sich bei der zweiten SRG-Umfrage gegen das Anliegen ausgesprochen. Mit über 70% Nein-Stimmen fällt die Ablehnung deutlich aus; eine umfassende Debatte kam während der Kampagne denn auch nicht zustande.

Nach dem Urnengang wurde im links-grünen Lager selbstkritisch eingeräumt, dass das vorgeschlagene «Instrument» nicht das richtige gewesen sei. Aus bürgerlicher Seite heisst es, das Anliegen sei nicht finanzierbar gewesen. Auffällig ist, dass der zugrundeliegende Gedanke des Klimaschutzes dabei nicht per se kritisiert wird.

Der Bund solle mehr für die Bekämpfung des Klimawandels tun und für dessen Folgen deutlich mehr Mittel einsetzen, forderte die Initiative. Damit sollte das Netto-Null-Ziel bis 2050 unterstützt werden. Wie die zusätzlichen Ausgaben finanziert werden sollten, wurde im Initiativtext nicht geklärt. Die Ausgaben sollten jedoch zumindest vorübergehend von der Schuldenbremse ausgenommen werden – eine Idee, die im Vorfeld zu Diskussionen führte.

Interessant ist, dass die Initiative bei den Auslandschweizer:innen im Vorfeld weniger deutlich durchfiel, nämlich mit 51%. Hier zeigt sich das bekannte Muster, dass die Diaspora tendenziell offener für ökologische Themen ist.

Lesen Sie hier unsere Analyse zum Resultat:

Mehr

Wer war dafür, wer dagegen?

Die InitiativeExterner Link «Für eine gerechte Energie- und Klimapolitik: Investieren für Wohlstand, Arbeit und Umwelt» wurde im September 2022 von der SP und den Grünen lanciert – nach der sogenannten Grünen Welle, die sich bei den eidgenössischen Wahlen 2019 gezeigt und das Parlament geprägt hatte. Seither hat sich der Wind gedreht, nicht zuletzt auch wegen Verteilungskämpfen um die vorhandenen Mittel beim Bund.

Die übrigen Parteien (bis auf die EVP) und der BundesratExterner Link sprachen sich dezidiert gegen das Anliegen aus: Die Initiative sei zu teuer und ineffizient – die Schweiz unternehme bereits genug.

Was waren die Argumente?

Ein neuer Fonds sein unnötig, denn Bund, Kantone und Gemeinden würden bereits daraufhin arbeiten, das Netto-Null-Ziel bis 2050 zu erreichen, so das Nein-Lager. Würde zudem die Verantwortung für das Erreichen der Klimaziele hauptsächlich auf den Staat übertragen, hätten Private und Wirtschaft weniger Anreize.

Wichtiger war jedoch das finanzielle Argument: Die Initiative sah vor, dass jedes Jahr 0,5 bis 1 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung in den Fonds eingezahlt würde. Der Bundeshaushalt würde jährlich um geschätzt zwei bis vier Milliarden Franken belastet werden – in Zeiten von Sparübungen sahen das die meisten als unrealistisch an. Ein grosses Fragezeichen stand hinter dem Punkt, dass damit die Schuldenbremse umgangen würde. Das ist für eine Mehrheit in der Politik ein finanzpolitisches rotes Tuch.

Die Unterstützer:innen argumentierten, dass aufgrund des fortschreitenden Klimawandels eine proaktive Politik langfristig günstiger wäre. Der Fonds würde insbesondere die Verminderung der Treibhausgasemissionen, den sparsamen und effizienten Energieverbrauch sowie den Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützen.

Weiter würden CO2-Entnahme und -Speicherung sowie die Biodiversität gefördert. Und auch auf die Aus- und Weiterbildung von relevanten Fachkräften und die nachhaltige Sanierung von Gebäuden würde angekurbelt.

Lesen Sie hier unsere Übersicht über die Klimafonds-Initiative:

Mehr
Zwei Lehrlinge montieren ein Solarpanel auf einem Holzdach

Mehr

Schweizer Politik

Erklärt: Die Klimafonds-Abstimmung vom 8. März

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht 4 bis über 7 Milliarden Franken pro Jahr für den Klimaschutz: Soll sich die Schweiz das leisten? Zahlen und Fakten zur Klimafonds-Initiative.

Mehr Erklärt: Die Klimafonds-Abstimmung vom 8. März

Warum gibt es diese Diskussion in der Schweiz?

Der Klimawandel ist in der Schweiz besonders deutlich zu beobachten, das Land erwärmt sich fast doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Aufgrund der Gletscherschmelze und den sich ändernden Mustern beim Schneefall wird dies der breiten Bevölkerung, die gerne in die Alpen steigt, zunehmend bewusst. Auch, weil die Erreichung der Klimaziele stockt.

Externer Inhalt

Zudem ist vor allem im linken Spektrum – aber nicht nur – der Klimawandel ein zentrales politisches Element, das weiterhin mobilisiert. Die Klimafonds-Initiative dürfte nicht die letzte dieser Art gewesen sein.

Mehr

Debatte
Gastgeber/Gastgeberin Simon Bradley

Wie wirkt sich der Klimawandel auf den Wintersport in Ihrer Region aus?

Schnee oder grüne Matten? Hat der Klimawandel grosse Auswirkungen auf die Wintersportorte in Ihrem Wohhnland? Teilen Sie es uns mit.

1 Kommentare
Diskussion anzeigen

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft