Schweizer Bildung kommt in Bewegung
Der 78. Auslandschweizerkongress in Zug stand unter dem Motto "Bildungsplatz Schweiz". In verschiedenen Referaten wurde zu mehr Mobilität und Risikobereitschaft aufgerufen. Auch Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz plädierte für mehr Öffnung nach aussen.
Nicht auf den Lorbeeren ausruhen
Grundsätzlich habe die Schweiz ein gutes Bildungssystem, hielt der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Charles Kleiber, fest. «Doch die Erfolge der Vergangenheit sind keine Garantie der Zukunft», konterte der freisinnige Nationalrat und Novartis-Geschäftsleitungsmitglied Johannes Randegger. Da heute Wissen ein wichtiger Faktor im globalen Wettbewerb sei, müsse die Schweiz kräftig in Bildung, Forschung und Entwicklung investieren. «Wissen ist eine Exportware», argumentierte Johannes Randegger. Der Bildungsplatz Schweiz müsse dem Rechnung tragen und vermehrt den Forderungen der Wirtschaft Folge leisten.
Veränderung muss sein
Einig war man sich unter den Experten, dass Bewegung in den Bildungsplatz Schweiz kommen müsse. Die Entwicklungen im Bildungsbereich der Europäischen Union bringen die Schweiz in Zugszwang. Zudem werde das Tempo in Wissenschaft und Bildung immer schneller und stelle die Verantwortlichen vor neue Herausforderungen. «Das Schweizer Bildungssystem ist von innen und von aussen bedroht», warnte Staatssekretär Charles Kleiber.
Mut zum Risiko
Den Veränderungen im Schweizerischen Bildungssystem müsste ein Mentalitätswandel vorangehen, war die Erziehungsdirektorin des Kantons Genf, Martine Brunschwig Graf überzeugt: «Wir müssen mehr Mut haben zum Risiko. Irrtümer erlauben neue Entdeckungen.» Nur so könne die Schule der Aufgabe gerecht werden, allumfassend ausgebildete, lebenstüchtige und selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger ins Leben zu entlassen.
Schule ist auch Service publique
Staatssekretär Kleiber sprach in diesem Zusammenhang von einem Service-publique-Auftrag, den die Schule hier zu erfüllen habe. Die Bildung dürfe sich nicht alleine dem Druck der Wirtschaft beugen: «Die Schweiz braucht nicht nur ausgezeichnete Fachleute, sondern auch mündige Bürgerinnen und Bürger.» Zudem sei die Schule ein Integrationsinstrument und vermittle wichtige Grundwerte, meinte auch der Auslandschweizer und Student Michael Müller.
Öffnung nach Aussen
Als Vertreterin der Landesregierung appellierte die Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz ebenfalls für eine tolerante und offene Schweiz. «In einer Welt, die immer mehr zusammenwächst, kann sich ein Land nicht auf sich selbst zurückziehen,» meinte sie und spielte auf die bevorstehende Abstimmung vom 24. September an. Dort wird u. a. über eine Initiative abgestimmt, die den Anteil der in der Schweiz lebenden Ausländer auf 18 Prozent beschränken will.
Per Mausklick abstimmen
Die Demokratie lebe vom Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger, war die Bundeskanzlerin überzeugt. Deshalb sei es wichtig, dass auch die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer ihre politischen Rechte aktiv wahrnehmen könnten. Eine Pionierrolle soll da dem elektronischen Behördenkontakt via Internet zukommen. Die Bundeskanzlei hat die Federführung bei der Entwicklung der elektronischen Stimmabgabe (E-voting) und dem Behördenkontakt via Mausklick (Guichet virtuel).
Gaby Ochsenbein und Ruth Bossart
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