The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter

Walliser Kühe erobern Paris

Sylvain Giroud entlädt in Paris seine Falbella. Keystone

Das Wallis macht Furore an der Pariser Landwirtschaftsmesse: Die organisierten Kuhkämpfe erwiesen sich als Publikums-Magnet.

Die 1200 Sitzplätze der Arena waren hart umkämpft. Sogar der französische Staatspräsident Jacques Chirac war unter den Gästen.

Die acht Eringer-Kühe hätten die Reise gut überstanden, sagte Gérard Rouiller, einer der Initianten des Anlasses. Die Auseinandersetzungen seien sicher nicht so intensiv gewesen wie im Wallis, aber «wir haben einen schönen Kampf erlebt».

Die acht Walliser Kämpferinnen sind mittlerweile die Stars dieser Messe. Bereits im letzten Jahr hatten sie die Neugier des Publikums auf sich gezogen und heuer war der Erfolg noch grösser.

Immer wieder habe man Ausrufe gehört wie «Ah! Da sind die kleinen Schweizer Kühe», erzählt ein Begleiter der Walliser Delegation.

Chirac bei den «kleinen Schweizer Kühen»

Das Interesse der Besucherinnen und Besucher sei riesig gewesen, hiess es bei der Walliser Delegation. Unablässig seien sie zum Schweizer Stand geströmt. Sogar der französische Präsident Jacques Chirac kam zu den «kleinen Schweizer Kühen» auf Besuch.

Auch die grossen französischen Fernsehsender und zahlreiche weitere Medien verfolgten das Ereignis. «Wir wurden vom Ansturm der Presse buchstäblich überrannt», sagte Rouiller.

Die für den «Ausflug» der Walliser Delegation nötigen 80’000 Franken werden vom Kanton Wallis und von verschiedenen Sponsoren bezahlt.

Eringer werden Statussymbole

Die traditionellen Kuhkämpfe im Wallis finden seit 1922 regelmässig statt. Es gibt – zusätzlich zum grossen Finale – rund 12 Kämpfe im Jahr. Im Verlauf der Jahre sind die Kuhkämpfe strikten Regeln unterzogen worden. Aus Gründen der Gerechtigkeit werden die Tiere in 5 verschiedene Kategorien eingeteilt.

Die Leidenschaft für die Kämpfe der Eringer Kühe brennt allerdings nicht nur in den Walliser Bauern. Auch immer mehr Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lassen sich von den Kuhkämpfen begeistern und halten gar selber Tiere. Die Kämpfe der «Königinnen» werden zum gesellschaftlichen Anlass.

Am Final-Kampftag selber sind bis zu 12’000 Zuschauer vor Ort. In der Regel berichtet das Fernsehen im grossen Stil.

Die Begeisterung für die Eringer Kampfkühe, ursprünglich auf den Bauernstand beschränkt, hat mittlerweile eine ungeahnte Dimension erreicht und sich bis in die Städte ausgebreitet.

Zahlreiche Politiker, Unternehmer oder Architekten schwärmen für die gedrungene Kuh mit dem kämpferischen Instinkt und schicken bisweilen gar eigene Tiere in den Ring.

2004 siegte «Saphir»

Die Kuh «Saphir» aus dem Stall von Jean-François Moulin aus Leytron bei Martigny hat 2004 den kantonalen Kuhkampf-Final gewonnen. Das 700 Kilogramm schwere Tier wurde in Aproz zur «Reine des Reines» gekürt.

Der Schweizer Bundespräsident Joseph Deiss überreichte dem Besitzer der Siegerin eine Glocke. Der Kampf sei zum einen sehr wuchtig und kraftvoll, aber trotzdem sehr ruhig, sagte Deiss. Dabei sei auch viel Fairplay im Spiel – nicht nur bei den Kühen – sondern auch bei den Zuschauern.

swissinfo und Agenturen

Die Eringer-Kühe (les vaches d’Hérens) – so wird erzählt – kämpfen im Frühling beim Alpaufzug auf natürliche Weise um die Königin der Herde.
Die organisierten Kämpfe finden im Wallis seit 1922 statt.
Es gibt rund 12 Kämpfe an diversen Orten, dann einen Final-Kampftag.
Die Kühe werden in der Regel in 5 Kategorien eingeteilt. Die 5. Kategorie gehört den Jungtieren.
Sämtliche Kampfkühe werden auf Doping untersucht. Bislang waren alle Kontrollen negativ.
Alle Kuhkämpfe zusammen ziehen im Wallis rund 50’000 Zuschauer pro Jahr an.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft