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Serie: Soziale Ungleichheit Ist die Schere zwischen Reich und Arm ein Problem?

Demonstranten

Gelbwesten protestieren unter anderem gegen die wachsende soziale Ungleichheit in Frankreich. Auf diesem Transparent steht: "Die Hölle der Armen macht das Paradies der Reichen."

(Keystone / Guillaume Horcajuelo)

Seit einigen Jahren steht die Zunahme sozialer Ungleichheit im Interesse von Forschung, Medien und Politik. Auch wir widmen dem Thema eine Serie. Da stellt sich zunächst die Frage: Warum sind wirtschaftliche Ungleichheiten in einer Gesellschaft überhaupt ein Problem?

Serie: Soziale Ungleichheit in der Schweiz

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Wenn es vielen Menschen wirtschaftlich schlecht geht, ist das gefährlich, wie der Aufstieg der Nationalsozialisten während der Weltwirtschaftskrise und weitere Beispiele aus der Geschichte zeigen.

Aber ist auch soziale Ungleichheit an und für sich gefährlich? Theoretisch ist nämlich eine Gesellschaft ohne absolute Armut denkbar, in der es dennoch soziale Unterschiede gibt. Dieses Bewusstsein drückt sich auch im Konzept der "relativen Armutexterner Link" aus: Nicht nur, wer materielle Entbehrungen erleidet, gilt dabei als arm, sondern auch, wer im Vergleich zum landesspezifischen Wohlstandsniveau wenig hat.

Reto Föllmiexterner Link, Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen, sagt: "Wenn Sie das Gefühl haben, dass das, was Sie mit Ihrer Arbeit an die Gesellschaft beitragen, nicht im Einklang steht mit dem, was Sie bekommen, dann wird es gefährlich." Sprich: Es kann zu sozialen Spannungen kommen.

Auch laut Professor Robert Fluderexterner Link von der Fachhochschule Bern kann materielle Ungleichheit eine Gefahr für den sozialen Friedenexterner Link sein: "Wenn die Entwicklung so weitergeht, kann es zu Konflikten kommen, in Ländern mit einer extremen Ungleichheit zeigt sich das ja bereits deutlich", so die Einschätzung Fluders.

Die zunehmende Ungleichheit bietet einem kleinen Kreis von Personen immer mehr politische Einflussmöglichkeitenexterner Link. Der Aufschwung von Populisten in Europa (und den USA) wird unter anderem auf Arbeitslosigkeit sowie Armut trotz Arbeitexterner Link zurückgeführt. Soziale Ungleichheit ist also auch eine Gefahr für die Demokratie.  Diesem Thema widmen wir einen eigenen Beitrag.

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Soziale Ungleichheit bremst Wirtschaftswachstum

Nicht nur die politische Stabilität kann durch soziale Ungleichheit gefährdet werden, sondern auch das Wirtschaftswachstum. Laut Föllmi ist zu hohe soziale Ungleichheit schlecht für den Leistungswillen des Einzelnen und die Risikobereitschaft. Wer im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sehr arm ist, dem fehlen die finanziellen Mittel und wird kaum den Mut haben, eine Firma zu gründen. 

Auch sinkt der Gesamt-Konsum, wenn materielle Güter sich auf wenige konzentrieren. Das zeigt sich auch am Beispiel der Erbschaften: Diese konzentrieren sich laut Fluder häufig auf reiche Betagte. "Für den Konsum wäre es besser, wenn junge Familien Geld bekämen, die es auch wirklich brauchen." Volkswirtschaftlich sei es sinnvoller, wenn das Geld so direkt in den wirtschaftlichen Kreislauf käme, als wenn es bei bereits vermögenden Betagten auf dem Konto liege.

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Ungleichheit hemmt gemäss einiger (umstrittener) Studien das Wirtschaftswachstumexterner Link. Wenn die Reichen noch reicher werden, wirkt sich das gemäss einer Untersuchung des Internationalen Währungsfonds (IWF)externer Link negativ auf das BIP aus. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warntexterner Link, Ungleichheit sei schlecht für das gesamtwirtschaftliche Wachstumspotenzial.

Zu viel Reichtum ist schlecht für die Umwelt

Laut WWF Schweiz verbraucht die Schweiz so viele Ressourcen und belastet die Umwelt, weil wir global gesehen extrem reich sind und deshalb viel konsumierenexterner Link. Andererseits sind viele umweltschonende Alternativen im Bereich Ernährung, Mobilität und Energie teurer, so dass es einen gewissen Wohlstand braucht, um sich diese überhaupt leisten zu können. Dennoch lässt sich im globalen Vergleich feststellen: Zu viel Reichtum ist schlecht für die Umwelt. Ein Forscher der Universität Bernexterner Link kommt in einer Untersuchung über Lateinamerika zum Schluss: "Eine gleichmässigere Verteilung von Einkommen, Vermögen und Land wäre nicht nur gerechter, sondern auch ein wirksames Mittel für einen besseren Schutz der Umwelt."

Gibt es nach dem Gesagten nicht auch etwas Positives zu vermelden? Durchaus: Manche Wirtschaftswissenschaftler sind der Meinungexterner Link, dass wirtschaftliche Ungleichheit zu einer grösseren Produktivität führt, sofern es Aufstiegschancen gibt. Der Reichtum der einen, sporne die Ärmeren nämlich zu mehr Leistung anexterner Link, weil sie ebenfalls reich werden wollen. Oder umgekehrt ausgedrückt: Wenn alle gleich viel hätten, unabhängig von Leistung und Arbeit, dann sinken die Anreize, produktiv zu seinexterner Link. Und das bremst das Wachstum.

+ Allerdings steht es um die Aufstiegschancen in der Schweiz nicht zum Besten, wie Sie in diesem Artikel lesen können.

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