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Sri Lanka: Schweizer Experte befürchtet das Schlimmste

Soldaten der Armee in der Stadt Mullaittivu, einer der letzten Bastionen der Tamil Tigers.

(Keystone)

Nach der Niederlage der separatistischen Tamil Tigers droht im Kampfgebiet im Nordosten Sri Lankas eine humanitäre Katastrophe. Ein Schweizer Menschenrechts-Experte, der soeben aus Colombo zurückgekehrt ist, befürchtet nun Massaker.

"Nach einem bald 30 Jahre dauernden Konflikt und Gräueltaten beider Seiten, öffnet die Niederlage der Tamil Tigers nun Rachehandlungen und Massakern die Türen", sagt Adrien-Claude Zoller, Direktor der Genfer Nichtregierungsorganisation für Menschenrechte.

Zoller ist vor wenigen Tagen aus Sri Lanka zurückgekehrt. Dort hat er bei verschiedenen Organisationen der srilankischen Zivilgesellschaft Vorträge über Menschenrechte gehalten.

Die srilankische Armee hat den Sturz der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) angekündigt. "Die Regierung glaubt nur an die Stärke der Waffen. Sie hofft darauf, sie könne mit der Armee die Guerilla ausrotten. Die seit Januar 2008 andauernde Offensive bringt keine politische Lösung. Eine solche wäre nur über Verhandlungen zu haben. "Doch von Verhandlungen ist nicht mehr die Rede", sagt Zoller und präzisiert: "Die Armee kann wohl die Armee der LTTE besiegen, nicht aber die Guerilla-Truppen. Diese können immer noch Attentate verüben."

Zivilgesellschaft unter Druck

Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) warnt vor einer "furchtbaren humanitären Situation" mit zahlreichen Opfern. Nach IKRK-Angaben sind rund 250'000 wehrlose Zivilisten ohne Zufluchtsorte in einem etwa 250 Quadratkilometer grossen Gebiet eingeschlossen, das von der LTTE kontrolliert wird und von der Armee eingekesselt worden ist. Das IKRK appellierte an die Tamilen-Rebellen und an die Armee, den Zivilisten einen sicheren Abzug zu ermöglichen.

Auch in andern Regionen regiert die Gewalt. Viele Opfer seien auch im Osten der Insel zu verzeichnen, sagt Zoller und kritisiert das autoritäre Gehabe der Regierung: "Die Zivilgesellschaft steht im ganzen Land unter Druck. Die Journalisten sind als erste betroffen. Einige sind ermordet worden, viele sind aus dem Land geflüchtet. Die Verteidiger der Menschenrechte werden die nächsten sein."

Zehntausende sind verschwunden

Zoller erinnert auch daran, dass Sri Lanka zusammen mit Irak und Kolumbien das Land mit der grössten Zahl der Verschwundenen ist. Sie werden seit Beginn des Konflikts auf 55'000 geschätzt.

Angesichts dieser Tragödie fordert Zoller die Schweiz zu mehr Unterstützung auf. "Die Schweiz ist in Colombo immer noch aktiv und unterstützt diverse Programme in den Bereichen Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Entwicklungszusammenarbeit. Es wäre an der Zeit, dass sie sich stärker engagieren würde."

Es gehe nicht lediglich darum, Friedensverhandlungen zwischen den kriminellen Elementen beider Seiten zu fördern. "Die Menschenrechte müssen für die ganze Bevölkerung, insbesondere auch für die am meisten exponierten Gruppen gelten: die tamilische Minderheit und die srilankische Zivilgesellschaft."

swissinfo, Frédéric Burnand, Genf
(Übertragung aus dem Französischen: Andreas Keiser)

Tamilen in der Schweiz

In der Schweiz leben rund 43'000 Menschen aus Sri Lanka. Der grösste Teil von ihnen gehört der tamilischen Minderheit an.

10'000 haben inzwischen einen Schweizer Pass.

Über 90% der Nichteingebürgerten haben eine Aufenthalts- oder Niederlassungs-Bewilligung.

Der Zustrom von Tamilen aus dem Bürgerkriegsland begann Mitte der 80er-Jahre.

Die Schweizer Bevölkerung reagierte zu Beginn mit Befremden. Die Tamilen, meist junge Männer, wurden als Dealer und Schmarotzer beschimpft.

Heute geben die Tamilien kaum mehr zu reden. In der Arbeitswelt gelten sie als integriert, kulturell und sozial sind sie jedoch eher isoliert und leben in ihren Kreisen.

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