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Swisscontrol braucht dringend mehr Fluglotsen

Die Fluglotsen der Swisscontrol sind überlastet. Keystone

Swisscontrol leidet unter einem chronischen Mangel an Fluglotsen. Mindestens 40 zusätzliche Stellen sollten besetzt werden. Mit Mühe rekrutiert das Unternehmen jetzt auch im Ausland.

Dieser Inhalt wurde am 28. August 2000 - 12:38 publiziert

"Beim gegenwärtigen Personalbestand von etwa 330 Angestellten muss Swisscontrol mindestens 40 zusätzliche Stellen besetzen", erklärte Carlo Bernasconi, operationeller Chef von Swisscontrol- Genf, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Derweil findet das Personal, man müsse auf dem "letzten Zacken schuften."

Das heisst, die technischen Kapazitäten werden nicht voll ausgenützt, und Swisscontrol kann die Nachfrage nicht vollständig befriedigen. Das Risiko: grössere Verspätungen bei Starts und Landungen.

Rekrutierung vernachlässigt

Der Personalmangel bei Swisscontrol ist keineswegs neu. Mit der explosionsartigen Zunahme des Flugverkehrs - plus 10 Prozent allein in den ersten sechs Monaten 2000 - ist er aber zu einem ernsthaften Problem geworden. Nach dem Golf-Krieg im Jahr 1992, der den Flugverkehr stark reduziert hatte, habe Swisscontrol die Personalrekrutierung vernachlässigt, räumt Bernasconi ein.

Das rächt sich heute. Dazu kommt, dass die Stressresistenz bei den Kandidaten so hoch sein muss, dass in der Regel nur einer von zehn Kandidaten den Zugang zur Swisscontrol-Ausbildung in Zürich überhaupt schafft. Laut den Erfahrungswerten wirft ferner jeder dritte Anwärter noch während der Ausbildung das Handtuch oder schafft die Abschlussprüfung nicht. Beim Abschluss des letzten Ausbildungsganges im vergangenen Junirhielten nur gerade sechs künftige Fluglotsen ihr Abschlussdiplom. Die Schule könnte 42 Personen ausbilden.

Hoher Lohn lockt

Um die grössten Löcher zu stopfen, hat Swisscontrol im laufenden Jahr 28 Fluglotsen im Ausland rekrutiert. Dies gelang nur, weil vergleichsweise hohe Löhne (105'000 Franken für einen bestandenen Fluglotsen) gezahlt werden. Trotzdem erweise sich die Personalrekrutierung im Ausland als schwierig, fährt Bernasconi fort. So sehe es vor allem Eurocontrol in Brüssel nicht gerne, wenn sich Swisscontrol auf dem Abwerbungstrip befinde. Auch Eurocontrol habe mit Personalknappheit zu kämpfen.

Kein Manövrierspielraum

Die in der Gewerkschaft Aerocontrol organisierten Schweizer Fluglotsen halten mit ihrem Unmut über die gegenwärtige Situation nicht hinter dem Berg: "Wir sind am Ende", beschreibt Heinrich Baumgartner, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft, die Situation. "Wenn in Zürich nur zwei Leute ausfallen, sind wir bereits gezwungen, unsere Dienstleistungen gegenüber dem Flughafen oder Eurocontrol einzuschränken.

Um die schlimmsten Engpässe zu überbrücken, haben sich die Fluglotsen bereit erklärt, gegen finanzielle Entschädigung die Zahl ihrer jährlichen Freitage von 117 auf 112 zu reduzieren. Doch wird diese Massnahme mittelfristig nicht ausreichen, weil die Schweiz im Kreuzpunkt der europäischen Luftverkehrsstrecken, vom Boom des Flugverkehrs sehr stark betroffen ist.

Und die Sicherheit?

Swisscontrol versichert, dass die Flugsicherheit durch den Personalmangel nicht gefährdet sei: "Wir spielen nicht mit der Sicherheit. Im schlimmsten Fall ziehen wir es vor, Flugbewegungen an andere Zentren umzuleiten und so Verspätungen in Kauf zu nehmen",wird erklärt.

Etwas anders tönt es bei der Gewerkschaft Aerocontrol: "Die Abteilungsleiter in Zürich haben nicht immer den Mut, Stop zu sagen, einen Sektor zu schliessen oder die Betreuung bestimmter Flüge zu verweigern".

Swissinfo und Agenturen

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