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TAGESÜBERBLICK WIRTSCHAFT

Dieser Inhalt wurde am 28. Mai 2010 - 17:23 publiziert

Freitag, 28. Mai - Bern (awp/sda)
WENIGER STEIL: Der Aufschwung bei den Exporten der Schweizer Wirtschaft hat im April nachgelassen. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen sie um 1,9 Prozent auf 15,8 Mrd. Franken. Teuerungsbereinigt beträgt die Zunahme 3,2 Prozent, wie die Zollverwaltung mitteilte. Im März waren die Ausfuhren nominal um 15,7 Prozent nach oben geschossen, für das gesamte erste Quartal war ein Plus von 6,9 Prozent ausgewiesen worden. Saisonbereinigt resultierte nun im vierten aufeinander folgenden Monat eine Zunahme. Die Exportindustrie profitierte im April allerdings noch von einem stabilen Euro-Kurs von stets gut 1.43 Franken.
WENIGER DRUCK: Der Druck der OECD-Länder auf die Schweiz in den internationalen Steuer-Fragen hat aus Sicht von Bundespräsidentin Doris Leuthard nachgelassen. Die Volkswirtschaftsministerin rechnet dafür mit neuen Spannungen vor dem Hintergrund der aktuellen Eurokrise. "Man darf nicht naiv sein: Die Schuldenkrise wird einige Staaten zu neuem Eifer in der Steuerfrage antreiben", sagte Leuthard am Rand des zweitägigen Ministertreffens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Den automatischen Informationsaustausch lehnte die Chefin des Volkswirtschaftsdepartements erneut ab.
WIFAG SCHRUMPFT WEITER: Der Berner Traditionsbetrieb Wifag will künftig keine Druckmaschinen mehr produzieren, sondern nur noch die bestehenden Anlagen warten. Dafür reichen 60 Arbeitsplätze - die übrigen 170 Stellen dürften verschwinden. Die Firma eröffnete am Freitag das Konsultationsverfahren, hielt aber zugleich fest, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei: "Verwaltungsrat und Geschäftsleitung bemühen sich weiterhin intensiv um Lösungen, mit denen weitere Arbeitsplätze in Bern erhalten werden". Nähere Angaben wollte CEO Werner Tschan nicht machen. Er werde aber "um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen", versicherte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.
UNZULÄSSIGE ABSPRACHEN: Im Schweizer Luxus-Parfümerie- und Kosmetikmarkt haben Unternehmen laut einer Untersuchung der Wettbewerbskommission (WEKO) unzulässig Preise und Mengen abgesprochen. Ihnen drohen nun Bussen. Die im Dezember 2008 begonnene Untersuchung richtete sich gegen den Verband der Hersteller, Importeure und Lieferanten von Kosmetik- und Parfümerieprodukten (ASCOPA) und dessen Mitglieder. Dazu zählen etwa Chanel Genève, Clarins, L'Oréal Produits de Luxe Suisse, Parfums Christian Dior sowie YSL Beauté. Die Untersuchung habe Anzeichen erhärtet, dass die Unternehmen durch den Austausch von Marktinformationen in die Lage versetzt wurden, die Preise aneinander anzupassen und ihre Marktanteile einzufrieren, teilte das Sekretariat der WEKO mit.
ZUGESPITZTER KONFLIKT: Der Streit um den Sozialplan für die Belegschaft der stillgelegten Kartonfabrik Deisswil BE verschärft sich: Arbeiter haben Blockaden aufgebaut und verhindern so die Anlieferung von Altpapier. Geschäftsführer Stephan Schneider bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Berner Zeitung". Die Karton-Maschinen in Deisswil stehen zwar schon seit Anfang April still, doch wurden seither die laufenden Abnahmeverträge für Altpapier noch erfüllt. Das ist nun nicht mehr möglich, denn die Blockade verhindert, dass Altpapier angenommen und Material von Deisswil weggeführt werden kann. Etwa 20 Mitarbeiter wollen laut dem Zeitungsbericht dafür sorgen, dass dies so bleibt. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, verzichtet die Geschäftsleitung einstweilen auf juristische Schritte.
ORANGE VERKLAGT SWISSCOM: Das Telekomunternehmen Orange fordert von der Swisscom über 900'000 Franken zurück. Beim Berner Handelsgericht reichte sie eine Klage ein, wonach Swisscom von ihr in den Jahren 2004 bis 2006 zu hohe Interkonnektionsgebühren verlangt haben soll. Die Klägerin hat geltend gemacht, dass die frühere Monopolistin Swisscom beim Vertragsschluss ihre marktbeherrschende Stellung im Festnetz missbraucht habe. Der Vertrag enthält eine Klausel, worin eine so genannte rückwirkende Drittwirkung ausgeschlossen wurde. Damit wollte Swisscom verhindern, dass sich Orange auf spätere Preissenkungen durch die Eidg. Kommunikations-Kommission (ComCom) berufen kann.
WEITERE ERHOLUNG: Das KOF-Konjunkturbarometer ist im Mai auf 2,16 Punkte gestiegen. Das ist der höchste Wert seit August 2006. Die Konjunkturerholung dürfte damit weiter gehen und das Bruttoinlandprodukt deutlich zunehmen. Seit einem Jahr steigt das Barometer, wie die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich weiter mitteilte. Gegenüber dem Stand von April, der von 1,99 auf 2,05 Punkte revidiert wurde, nahm das Konjunkturbarometer um 0,11 Punkte zu. Auf unvermindert positive Wachstumsraten zeige das Barometer in der Kernwirtschaft. Im Baugewerbe und Kreditgewerbe seien die Anzeichen weniger positiv ausgeprägt.
MEHR VERTRAUEN: Das Konsumklima in den USA hat sich im Mai leicht verbessert. Der entsprechende Index stieg nach endgültigen Berechnungen auf 73,6 Punkte von 72,2 Zählern im Vormonat. Ökonomen hatten im Schnitt mit 73,3 Punkten gerechnet. Der von Anlegern und Ökonomen stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Konsumenten im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.
MEHR LOHN: Die Mitarbeiter des von einer Selbstmordserie erschütterten iPhone-Herstellers Foxconn sollen rund 20 Prozent mehr Gehalt erhalten. Die Lohnerhöhung sei seit längerem geplant, sagte ein Sprecher der taiwanischen Foxconn-Mutter Hon Hai Precision Industry am Freitag. Citigroup-Analysten zufolge könnten Hon Hais Lohnkosten dadurch im Quartal um umgerechnet rund 68 Mio. Euro steigen. Bei einer Belegschaft von etwa 420'000 Menschen in der Fabrik im chinesischen Shenzhen entspricht dies einem monatlichen Mehrverdienst von knapp 54 Euro pro Mitarbeiter. Die Angestellten würden damit auf ein Monatsgehalt von etwa 325 Euro kommen. In diesem Jahr haben sich bei dem Unternehmen bislang zehn Mitarbeiter umgebracht. Kritiker machen schlechte Arbeitsbedingungen dafür verantwortlich.
FORSETZUNG GEFORDERT: Der Generalsekretär der UNO-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD), Supachai Panitchpakdi, forderte eine Wiederaufnahme der blockierten Doha-Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels. Die staatlichen Hilfsmassnahmen helfen alleine nicht aus, um das weltweite Handelsvolumen vor der Krise im 2008 wieder zu erreichen, sagte Panitchpakdi an einer Pressekonferenz. "Wir brauchen eine Stimulierung des Handels," sagte er weiter. Er sei überzeugt, dass die Staaten schliesslich aus eigenem Interesse an den Verhandlungstisch zurückkehren werden. Ein Abkommen zur 2001 lancierten Doha-Verhandlungen würde dem Welthandel einen "Peitschenhieb" verpassen, zeigte sich Panitchpakdi überzeugt.

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