Todesstoss für swissinfo

SRG-Generaldirektor Armin Walpen und SRG-Präsident Jean Bernard Münch erklären ihre Abbaupläne. swissinfo.ch

swissinfo/SRI, die neunsprachige Multimedia-Plattform der SRG SSR idée suisse, reduziert ihr Angebot massiv. Bis zu 80 Stellen werden gestrichen.

Dieser Inhalt wurde am 22. März 2005 - 16:46 publiziert

Weitergeführt werden nur die englischsprachige Website und spezifische Informationen für Auslandschweizer.

Die SRG will die Internet-Plattform von swissinfo künftig auf einen englischsprachigen Dienst beschränken. Die Swiss TXT, die den Teletext produziert, wird regionalisiert; der Standort Biel wird aufgelöst. Bis zu 80 Stellen werden gestrichen, vorwiegend bei swissinfo. Die Gewerkschaften kritisierten den Kahlschlag scharf.

Gemäss dem vom Verwaltungsrat am Montag gefällten Entscheid soll sich swissinfo künftig auf die Erfüllung des Kernauftrags konzentrieren. swissinfo/SRI biete in Zukunft nur noch eine englischsprachige Site an sowie spezifische Inhalte für Auslandschweizerinnen und -schweizer.

"Wir gehen davon aus, dass die Situation für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer eine andere ist als noch vor 20 Jahren: Der Zugang zu allen möglichen Informationen ist heute ein anderer", begründete SRG-Generaldirektor Armin Walpen den Abbau gegenüber swissinfo.

Aufsichtsbehörden müssen zustimmen

Auslöser des Abbaus seien wegfallende Subventionen des Bundes im Umfang von 15 Mio. Franken, ein zeitgemässes Multimedia-Angebot und der Abbau von Doppelspurigkeiten, wie die SRG SSR idée suisse am Dienstag in Bern mitteilte. Mit den vorgeschlagenen Massnahmen könnten im Jahr 16 Mio. Franken gespart werden.

Wann die Neuerungen umgesetzt werden, ist noch nicht bekannt. Der Verwaltungsrat der SRG SSR idée suisse habe am Montag einen Grundsatzentscheid zur künftigen Strategie gefällt, hiess es in der Mitteilung weiter. Vorbehalten bleibe die Zustimmung der Aufsichtsbehörden des Bundes.

Die SRG bemühe sich, für alle Betroffenen gute Lösungen zu finden mit Jobangeboten innerhalb der Gruppe oder mit guten Sozialplänen.

"Völlig unverständlicher Kahlschlag"

Die Gewerkschaften kritisierten die Pläne der SRG scharf. Comedia sprach von einem völlig unverständlichen Kahlschlag des Service public und des Auslandauftrags durch die angekündigte Einstellung von acht Sprachdiensten bei der SRG-Multimedia-Plattform Swissinfo.

Der angedrohte Verzicht auf einen solchen Programmdienst sei im Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ein ziemlich einmaliger und skandalöser Vorgang. Die Streichung des Bundeszuschusses werde jetzt zum Kahlschlag missbraucht.

Comedia appelliert an den Bundesrat, die verhängnisvolle Entwicklung zu überdenken und seiner staats- wie aussenpolitischen Verantwortung nachzukommen.

Für das Schweizerische Syndikat Medienschaffender (SSM) bedeutet dies das Ende des ehemaligen Schweizer Radio International (SRI), wenn die Pläne Realität werden sollten.

Verwaltungsrat soll Projekt stoppen

Die Bekenntnisse von Politik und SRG zur "Schweizer Stimme im Ausland" seien zwar vorhanden, nur bezahlen wolle diesen Service public niemand. Der eigentliche Skandal liege in den Plänen der SRG, swissinfo auszuhöhlen und auf ein politisch und gesetzlich kaum noch vertretbares Minimum herunterzufahren.

Wer behaupte, der Dienst sei finanziell nicht verkraftbar, spiele ein doppeltes Spiel. Das SSM fordert die Generaldirektion und den SRG-Verwaltungrat auf, das Projekt sofort zu stoppen und die Finanzierung von swissinfo bis zum Inkrafttreten des neuen RTVG im bisherigen Umfang zu garantieren.

Die Aufsichtsbehörden sollten laut SSM die für die Abbaupläne notwendigen Bewilligungen verweigern und keine Veränderungen am heutigen, ohnehin schon reduzierten Versorgungskonzept bewilligen.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die SRG SSR idee suisse will swissinfo/SRI sowie den Teletext restrukturieren.

Swissinfo/SRI wird künftig nur noch eine englisch-sprachige Site anbieten sowie spezifische Inhalte für Ausland-Schweizerinnen und -schweizer.

Swiss TXT, die den Teletext produziert, wird regionalisiert. Der Standort Biel wird aufgelöst.

Insgesamt sollen 70 bis 80 Stellen abgebaut werden, vorwiegend bei Swissinfo/SRI.

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