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Tsunami: Landfragen behindern Wiederaufbau

An der verwüsteten Küste nahe Banda Aceh werden Mangroven gepflanzt. Keystone

Schweizer Hilfs-Experten weisen Kritik über den schleppenden Wiederaufbau der vor 6 Monaten vom Tsunami verwüsteten Regionen in Südostasien zurück.

Dieser Inhalt wurde am 27. Juni 2005 - 02:09 publiziert

Der Aufbau erfolge so schnell wie möglich. Einige Projekte verzögerten sich jedoch, bis Eigentumsfragen geklärt seien.

"Die Grundbesitzfragen sind ein grosses Problem", sagt Andreas Stauffer, Sprecher der Direktion für Entwicklungshilfe und Zusammenarbeit (DEZA) im Schweizer Aussenministerium (EDA).

"Wenn Sie irgendwo Häuser errichten, wo die Frage des Grundbesitzes nicht geklärt ist, kann das Projekt gestoppt oder abgebrochen werden. Das ist keine annehmbare Lösung. Wir tun erst etwas, wenn alle Aspekte geklärt sind, auch wenn es mehr Zeit braucht."

Ungefähr 300'000 Menschen verloren das Leben, nachdem am 26. Dezember 2004 zwei Erdbeben vor der Küste Sumatras Riesenflutwellen im Indischen Ozean hervorriefen. Mehr als 125'000 Menschen starben allein in der indonesischen Provinz Aceh.

Auf Nothilfe folgt Wiederaufbau

Nach Abschluss der Nothilfe-Phase hat nun der Wiederaufbau Priorität. Die Schweizer Regierung hat insgesamt 29,5 Mio. Franken zur Unterstützung der betroffenen Region bereitgestellt.

Sie konzentriert ihre Hilfsanstrengungen auf die betroffenen Gebiete in Indonesien, Sri Lanka und Thailand. Vor Ort befinden sich über 20 Experten des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe.

Gerichtsmediziner aus der Schweiz verbleiben im südthailändischen Phuket, wo Experten aus der ganzen Welt die schwierige Aufgabe wahrnehmen, die Toten zu identifizieren.

Krisengebiet

In Indonesien, wo rund 400'000 Menschen ihr Heim verloren haben, erhalten über 7250 obdachlose Familien durch das Cash-for-Shelter-Programm des humanitären Korps finanzielle Hilfe. Es ermöglicht, dank finanzieller Unterstützung eine grosse Zahl von Obdachlosen bei Gastfamilien unterzubringen, ohne dass diese Gastfamilien selbst dadurch in Not geraten.

In einem gemeinsam vom Humanitären Korps, der Glückskette und dem Roten Kreuz getragenen Projekt im Umfang von 6.5 Mio. Franken, wurde die fast total zerstörte Wasserversorgung für die Stadt Banda Aceh wiederhergestellt.

Immense Probleme

"Die Probleme waren immens", sagt Stauffer gegenüber swissinfo. "In Thailand reichten die Zerstörungen ungefähr einen Kilometer ins Landesinnere. Vielerorts in Indonesien aber erstreckten sie sich auf bis zu vier Kilometern."

Als Hauptpriorität soll laut Stauffer Banda Aceh und seine Umgebung wieder hergestellt weren. Wie in anderen Gebieten auch gab es wenig Fortschritte beim Wiederaufbau von Häusern, wenn erst umständlich geklärt werden musste, wem das Landstück wirklich gehört.

"Die Menschen kehrten zurück und setzten Markierungen, um anzuzeigen: 'Das ist mein Platz'. Aber die Zerstörung und das Durcheinander sind einfach zu gross", fügt Stauffer hinzu.

Besitzrechte

Ähnliche Probleme mit Besitzrechten sind verantwortlich für den Verzug bei einem 6,3 Mio.-Franken-Projekt der Schweizer Regierung und der Glückskette zum Wiederaufbau dreier Fischerdörfer auf zwei Inseln vor der Küste Südthailands.

Die Schweiz hat zugesagt, dort zwei Schulen, ein Gesundheitszentrum, 70 Häuser und 100 Fischerboote zu finanzieren. Während die Arbeiten auf der Insel Koh Kho Khao voranschreiten, sind beim Projekt auf der Nachbarinsel Koh Phra Tong Probleme aufgetaucht.

In Sri Lanka, wo ungefähr 70'000 Häuser zerstört und mehr als 40'000 beschädigt wurden, wenden das Rote Kreuz, die Glückskette und die DEZA 12 Mio. Franken für den Wiederaufbau von rund 8000 Häusern auf.

Von den Schweizern werden auch 11 Schulen wieder wiederhergestellt, inklusive 4 auf der politisch unruhigen Halbinsel Jaffna.

Wiederaufbau braucht Zeit

Stauffer versteht die Enttäuschung der Menschen in der Schweiz wenn sie von den harzigen Fortschritten erfahren.

Der Wiederaufbau in zerstörten oder Konfliktzonen brauche halt Zeit, fügt er hinzu. Dies zeigten auch die Erfahrungen im Kosovo, der iranischen Stadt Bam oder im Schweizer Dorf Gondo, das im Jahr 2000 von einem Erdrutsch teilweise zerstört wurde.

"Wir können gute Projekte vorschlagen, aber wir haben keinen Einfluss auf Entscheidungen oder die Zeit, die es braucht, Entscheidungen zu fällen", sagt Stauffer. "Wir sind von den Regierungen in den Ländern, in denen wir Gäste sind, abhängig. Dies wird oft vergessen."

swissinfo, Adam Beaumont
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

Fakten

Die Unterstützung der Schweizer Regierung:
Indonesien 13 Mio. Franken
Sri Lanka: 11 Mio. Franken
Thailand: 4 Mio. Franken
Indien: 1 Mio. Franken
Malediven: 200'000 Franken
Somalia: 400'000 Franken

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In Kürze

Bis Ende Juni wurden 101 Schweizer Todesopfer identifiziert.
11 Personen gelten immer noch als vermisst.
Die Glückskette, die Sammelorganisation der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG, hat bis jetzt einen Drittel der durch private Spenden eingegangenen 224 Mio. Franken verteilt oder zugesprochen.
Die Glückskette arbeitet mit 14 Schweizer Hilfswerken und ihren lokalen Partnern in 6 Ländern zusammen und unterstützt so 69 Projekte.

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