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WEF-Gegner: Zwischen radikal und friedensbewegt

Mit welchen Aktionen werden WEF-Gegnerinnen und Gegner dieses Jahr in Davos aufwarten?

(Keystone)

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren sind die Gegner und Gegnerinnen des Davoser Forums 2004 nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen.

Verstummt ist die Kritik an der jährlichen Zusammenkunft der "Global Leaders" gleichwohl nicht.

Es scheint, dass das Weltwirtschaftsforum (WEF) seinen Gegnern heuer eine Armlänge voraus ist. Die jährliche Grossdemonstration im Bündner Kurort scheint dieses Mal nicht stattzufinden. Dem mit der Organisation beauftragten "Bündnis von Olten" ist es offensichtlich nicht gelungen, alle seine Gruppierungen ein weiteres Mal zu vereinen.

Diese zahlreichen Organisationen und Parteien (Die Grünen, die Jungsozialisten, Gewerkschaften, NGOs, die extreme Linke und die Anarchisten) konnten sich zu keinen gemeinsamen Aktionen durchringen. Zu unterschiedlich sind die Ansichten, wie mit dem Gewalt-Potenzial umzugehen sei.

Nein zur Gewalt



Der Misserfolg offenbart in der Tat einen Bruch zwischen der gewaltfreien Mehrheit der Globalisierungsgegner und den Splittergruppen, welche die gewalttätige Auseinandersetzung suchen.

"Trotz ihrer Heterogenität rückt die Bewegung immer mehr in die Nähe von Gewaltfreiheit, hin zu Transparenz und demokratischen Spielregeln", sagt Jean Rossiaud, Soziologe aus Genf.

"Nun ist aber", so der Genfer Soziologe, "die direkte Aktion, welche die extremistischen Splittergruppen propagieren, weder transparent noch demokratisch."

Jürg Bühler, Experte für Analyse und Prävention (DAP) des Bundesamtes für Polizei, bestätigt diese Analyse: "Wir überwachen nur die Splittergruppen und jene Individuen, die innerhalb des Revolutionären Blocks gegen das WEF versammelt sind. Dieser Zusammenschluss versammelt die am meisten zu Gewalt neigenden Elemente."

"Der Rest der Globalisierungsgegner macht uns keinerlei Probleme", präzisiert der Experte.

Unterschiedliche Meinungen



Das Resultat dieser Meinungsverschiedenheiten ist, dass dieses Jahr die Gobalisierungsgegner ihre Proteste eher via Foren und weniger auf der Strasse ausdrücken. Deutlich wird dies an den zahlreichen Konferenzen dieser aufstrebenden sozialen Bewegung.

So setzt das von der Nichtregierungs-Organisation "Brot für Alle" eingesetzte Open Forum Davos auf den Dialog mit den WEF-Initianten.

Das Public Eye on Davos - das Forum, das durch die Erklärung von Bern lanciert wurde – versucht die Thesen des WEFs zu durchkreuzen, indem es sich für die Sache der Entwicklungsländer stark macht.

Neben diesen beiden im Bündner Kurort stattfindenden Veranstaltungen ruft ATTAC die schweizerische Linke zu einem Treffen in Zürich unter dem Titel "Das Andere Davos" auf.

"Die Meinungsverschiedenheiten sind seit allem Anfang an ein Teil der Bewegung, ruft der Pressesprecher von ATTAC Schweiz, Alessandro Pelizarri, in Erinnerung.

Bedrohte Einheit



Offen bleibt, ob diese Meinungsvielfalt nicht einen Bruch zwischen den Reformvertretern und den Radikalen herbeiführen wird.

In Bombay kommen die beiden Denkrichtungen in zwei sich konkurrenzierenden Foren zum Ausdruck: Das eine findet unter dem Banner Weltsozialforum (WSF) statt. Das andere läuft unter der Etikette Mumbai Resistance.

Nach Ansicht des Soziologen Jean Rossiaud ist diese Auseinandersetzung - so alt wie die Geschichte der Arbeiterbewegung – heute überholt.

"Eine dritte Stimme ist im Begriff, sich Gehör zu verschaffen, vor allem dank den Umweltorganisationen", meint Rossiaud, der den Schweizer Grünen angehört.

Eine Zukunft bauen



"Die grosse Mehrheit der Globalisierungsgegner ist der Ansicht, dass die wirtschaftlichen und politischen Strukturen unserer Gesellschaft verändert werden müssen", sagt der Genfer Soziologe weiter. "So gesehen bleibt die Bewegung radikal, lies revolutionär."

"Doch liegt die Methode, um dieses Ziel zu erreichen, nicht mehr darin, ein politisch-ökonomisches System auf brutale Weise durch ein anderes zu ersetzen, sondern das existierende System in Etappen zu verändern", folgert Jean Rossiaud.

Bleibt offen, wie sich ein solcher Prozess konkretisieren wird. Darum dreht sich die ganze Debatte, welche die Anti-Globalisierungs-Bewegung zur Zeit bewegt.

swissinfo, Frédéric Burnand, Genève
(Übertragung aus dem Französischen: Brigitta Javurek und Monika Lüthi)

In Kürze

1999: Erste Anti-WEF-Demonstration in Davos. Teil-Blockade einer WTO-Ministerkonferenz in Seattle.

2000: Lancierung in Genf des Weltsozialforums (WSF), das im folgenden Jahr in Porto Alegre stattfindet.

2001: Monster-Kundgebungen in Genua während des G8-Gipfels und Tod des ersten Globalisierungs-Gegners.

2002: Erstes europäisches Sozialforum in Florenz.

2003: Über 10'000 Personen marschieren gegen den G8-Gipfel in Evian auf. In Genf und Lausanne kommt es zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Polizei und Demonstrierenden.

2004: Die meisten Globalisierungs-Gegner verzichten auf eine Anti-WEF-Kundgebung in Davos.

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