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Wirtschaft läuft gut, doch werden Löhne besser?

Die Perspektiven im Arbeitsmarkt werden besser, doch ernten die Arbeitnehmer auch die Früchte?

(Keystone Archive)

Die neusten Wirtschafts-Prognosen indizieren für die Schweiz ein verstärktes Wachstum des Bruttoinland-Produkts von rund 2%.

Vor dem Hintergrund der florierenden Wirtschaft lancieren die Gewerkschaften eine branchen-übergreifende Lohnkampagne, besonders für Frauensaläre.

Die Schweizer Wirtschaft läuft auf vollen Touren. Darin sind sich die massgebenden Konjunkturauguren der Schweiz einig, wie ein Blick auf die am Donnerstag durch die Zürcher ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF) und BAK Basel Economics vervollständigten Prognosen zeigt.

Erwartet werden mindestens 2% Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP), rückläufige Arbeitslosenquoten und schwach bleibende Teuerung.

Die KOF korrigierte ihre Wachstumserwartung am Donnerstag markant nach oben: Sie erwartet nun eine Zunahme des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2,1% statt wie bisher von 1,5%.

2007 soll das BIP-Wachstum 1,9% betragen. Der neue KOF-Chef Jan-Egbert Sturm sagte vor Journalisten, damit werde das Potenzialwachstum von etwa 1,5% übertroffen.

Privatkonsum und Ausrüstungsinvestitionen als Motoren

Wachstumsmotoren sind laut KOF der Privatkonsum und die Ausrüstungsinvestitionen: 2006 sollen der Privatkonsum um 1,8% und die Ausrüstungs Investitionen um 5,1% wachsen. Der Export dürfte um 5,4% zulegen.

Die Arbeitsmarktlage soll sich etwas entspannen. Die Beschäftigung soll 2006 um 0,4% wachsen, die Arbeitslosenquote auf 3,4% sinken. Die Teuerungsrate bleibt laut KOF mit 0,9% tief.

Auch das BAK erhöhte ihre Schätzung des BIP-Wachstums für 2006, und zwar von 1,8 auf 2,0%. Der Schweizer Aussenhandel dürfte sich weiterhin lebhaft entwickeln. Die Importe sollen mit 5,6% aber deutlich schneller wachsen als die Exporte mit 4,8%.

Das BAK sieht auch die Ausrüstungs-Investitionen mit plus 6,1% als Wachstumstreiber. Die Arbeitslosigkeit sinkt gemäss Prognose dieses Jahr auf 3,5%. Die Teuerung soll 1,1% betragen.

Schätzungen liegen nahe beieinander

Insgesamt liegen die Konjunkturprognosen massgeblicher Schweizer Institutionen - Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), Nationalbank, KOF, BAK, Crea, UBS und Credit Suisse - für 2006 nahe beieinander.

Die Schätzungen des BIP-Wachstums lauten auf 2,0 bis 2,3%, jene für die Arbeitslosenquote auf 3,3 bis 3,5%.

Die grösste Differenz gibt es bei der Inflationsrate: Nationalbank und UBS sind mit 0,8% am optimistischsten, die Credit Suisse mit 1,3% am pessimistischsten.

Gewerkschaften wollen Lohnerhöhungen

Vor dem Hintergrund der florierenden Wirtschaft und hoher Gewinne der Konzerne sieht der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) die Zeit für substanzielle Lohnerhöhungen gekommen.

In Bern soll am 23. September eine gesamtschweizerische Lohndemonstration stattfinden.

Die SGB-Verbände starten eine branchen-übergreifende Lohnkampagne. "Nicht nur die Manager und Shareholder sollen vom Aufschwung profitieren", sagte Renzo Ambrosetti, Co-Präsident der Gewerkschaft Unia, am Donnerstag vor den Medien in Bern.

Bei den Löhnen der einfachen Angestellten und insbesondere der Frauen bestehe ein grosser Nachholbedarf.

Lohnschere schliessen

Mit der Kampagne "Löhne rauf + Lohngleichheit jetzt" wollen die Gewerkschaften einerseits die Lohnschere zwischen Arm und Reich schliessen und andererseits die Lohndiskriminierung der Frauen beenden.

Die realen Löhne hätten zehn Jahre lang nahezu stagniert, sagte SGB-Zentralsekretär Daniel Oesch. Zudem habe sich die Lohnschere gemäss einer Studie der Unia zwischen 2004 und 2005 noch einmal um 12% geöffnet.

Kritik von Arbeitgeberverband

Kein Verständnis für die Forderungen des SGB zeigte der Arbeitgeberverband. Dessen Direktor Peter Hasler bezeichnete es auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA als "unsinnig", eine pauschale, branchen-übergreifende Reallohnerhöhung zu verlangen.

Die Löhne müssten je nach Betrieb und Branche festgelegt werden.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

2005 hat das Schweizer Bruttoinlandprodukt um 2% zugenommen. Laut Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) deutet dies auf eine Konsolidierung des Aufschwungs und auf ein ebenfalls gutes Jahr 2006 hin.

Diese seco-Einschätzung von Anfang März dieses Jahres ist von drei Konjunkturforschungs-Instituten inzwischen bestätigt worden.

Die UBS und Credit Suisse ihrerseits haben ihre BIP-Schätzungen bereits mit 2,3 resp. 2,1% festgelegt.

Die Gewerkschaften finden, die Arbeitnehmer hätten bisher von diesem Wachstum noch nicht profitiert.

Auch öffne sich die Lohnschere zwischen Gut- und Schlechtverdienenden zu stark.

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Fakten

2% beträgt die Wachstums-Schätzung des Instituts BAK Basel Economics und des Lausanner Uni-Instituts Créa.
2,1% lautet die Voraussage der Zürcher ETH-Konjunktur-forschungsstelle (KOF).
Für die Gewerkschaften bedeutet das, dass auch die Arbeitnehmer von diesem Wachstum profitieren sollten.

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