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Boliviens Kleinbauern werben in der Schweiz für Stevia



Der Stevia-Anbau - eine Alternative zum Coca-Anbau.

Der Stevia-Anbau - eine Alternative zum Coca-Anbau.

(Keystone)

Der bolivianische Kleinbauer German Amba macht im Rahmen der Kampagne "Stoppt den unfairen Handel" auf Stevia aufmerksam. Seine Genossenschaft baut das Süsskraut als Alternative zu Coca an und sucht nun Fair-Trade-Vertriebskanäle in der Schweiz.

Der 52-jährige bolivianische Kleinbauer German Amba Tancara reist derzeit auf Einladung von Brot für alle, Fastenopfer und Mission 21 durch die Schweiz. In kirchlichen Kreisen und Schulen berichtet er über Erfahrungen mit dem Anbau von Stevia, das er in der Genossenschaft Meprosor im bolivianischen Dorf Santa Fé anbaut.

Das Basler Hilfswerk Mission 21 unterstützt die Landwirte bei der biologischen Produktion des Süsskrauts. Seit zehn Jahren fördert es über die Stiftung Uñatatawi auch den biologischen Anbau von Gewürz- und Heilkräutern und eröffnet so alternative Einkommen zur Coca-Produktion.

Zertifizierung als Ziel

Die Kleinbauern von Santa Fé verdienten mit Stevia fast soviel wie mit Coca, sagt German Amba in Bern. Stevia sei bereits als biologisches Produkt zertifiziert. Nun strebt die Genossenschaft auch eine Zertifizierung durch die internationalen Fairtrade Labelling Organizations (FLO) an.

German Amba sondiert deshalb in der Schweiz nach alternativen Vertriebskanälen. In Gespräch ist er mit Kalebasse, dem Fair-Trade-Shop von Mission 21, wie auch mit der Max Havelaar-Stiftung Schweiz, die Gütesiegel für fair gehandelte Produkte vergibt.

Nachfrage noch gering

Um das Max-Havelaar-Label zu erhalten, müssen würdige Arbeitsbedingungen und gerechte Preise garantiert sein – aber auch Angebot und Nachfrage stimmen. "Stevia ist in der Schweiz noch wenig bekannt und die Nachfrage wohl gering", erklärt Vesna Stimac, Mediensprecherin bei Max Havelaar.

Zudem gebe es für Stevia bislang noch keinen internationalern Fair Trade Standard. Eine Zertifizierung für den Schweizer Markt allein wäre zu aufwändig.

Dennoch wertet die Max Havelaar-Sprecherin das Süsskraut als spannendes Produkt, "vor allem aus entwicklungspolitischer Sicht". Für die Kleinbauern von Santa Fé stelle die Pflanze eine wichtige Alternative zum Coca-Anbau dar.

Verträge mit Firmen

"Wir haben noch keinen bedeutenden Markt für Stevia", räumt Amba ein. Die wichtigsten Abnehmer seien die lokalen Märkte in Bolivien und auch die Nachbarländer Peru und Chile. Mit einigen Firmen, die Stevia als Süssstoff für ihre Produkte verwenden, habe die Genossenschaft bereits Verträge. Amba und Meprosor möchten die Pflanze auch in Europa vermarkten.

Die Schweiz ist als Abnehmerin besonders interessant: In Europa ist sie das einzige Land, das Stevia-Extrakte zulässt. Allerdings muss für jedes neue Produkt, das mit Stevia gesüsst ist, beim Bundesamt für Gesundheit eine Einzelbewilligung angefordert werden. Vom naturbelassenen Kraut selbst dürfen jedoch in Teemischungen höchstens zwei Prozent vorhanden sein.

Solange nur Stevia-Extrake und nicht die Blätter vertrieben werden können, müssen sich Amba und die Genossenschaft Meprosor gedulden. Sie verkaufen die Pflanze kiloweise und in getrockneter Form auf heimischen Märkten.

Bolivianische Produkte für die Schweiz

Für Heinz Bichsel, Programmverantwortlicher Bolivien bei Mission 21, hat die Produktion für den nationalen und lateinamerikanischen Markt klar Vorrang. Das Hilfswerk unterstütze Meprosor jedoch weiterhin bei der Suche nach internationalen Kontakten und Absatzkanälen.

Im Mai sollen Interessierten in der Schweiz Produkte aus Bolivien vorgestellt werden, darunter auch Stevia. Dabei müssen die Bäuerinnen und Bauern aus Bolivien überzeugen, dass sie die Erzeugnisse mit gleichbleibender zertifizierter biologischer Qualität und in den erforderlichen Mengen liefern können.

Laut Bichsel erhoffen sich die Genossenschaften von den europäischen Fair Trade Kanälen einen relativ gesicherten Absatz und faire Preise.

Franziska Herren, swissinfo.ch und InfoSüd

Süsskraut Stevia

Stevia Rebaudiana ist eine aus Südamerika stammende Staudenpflanze. Ihre Blätter enthaltenen Stevioside, schmecken süss und werden von der Urbevölkerung seit langer Zeit als Süssungsmittel oder Medizin verwendet.

Stevia ist rund 300 Mal süsser als Zucker, praktisch kalorienfrei und schont die Zähne. Deshalb gilt sie gar als Wunderkraut.

Der Wissenschaftliche Lebensmittel-Ausschuss der Europäischen Kommission (SCF) kam zum Schluss, "dass die vorliegenden Daten für eine Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit für deren Verwendung nicht ausreichen".

Daher wird Stevia in der Schweiz einzig als Zutat in Kräutertee in sehr kleinen Mengen zugelassen (1-2%). Alle anderen Anwendungen des Krauts und der Blätter sind auf Grund des Gesundheitsschutzes nicht zulässig.

Extrakte von Stevia rebaudiana (Steviol-Glycoside) fallen wegen ihrer technologischen Verwendung unter Süssungsmittel/Süssstoffe. Da sie nicht in der Zusatzstoffverordnung (ZuV) figurieren, muss jede Verwendung einzeln bewilligt werden.

Bis jetzt sind in der Schweiz 36 Produkte mit Stevia-Extrakten auf dem Markt. Dabei handelt es sich um Getränke, Süssungsmittel, Tomaten-Ketchup, Schokolade, Bonbons, Eiscreme, Gebäck und Getreidestängel.

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