Bildung ist Gold wert
Elf NGOs aus Umwelt, Jugend und Entwicklung wollen einen Teil der Goldreserven der Nationalbank in den Bildungsplatz Schweiz investieren.
Sie überreichten den betroffenen Bundesämtern sowie der EDK eine «Bildungs-Charta der nachhaltigen Entwicklung»
Die Gesellschaft müsse mehr in die Bildung investieren, fordern die Umwelt- und Jugendverbände. Sie sind der Ansicht, dass Menschen, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge verstünden, seien eher fähig, sozial und umweltverantwortlich zu handeln.
«Nachhaltige Bildung ist ein Grundpfeiler für nachhaltige Entwicklung», sagte Greenpeace-Geschäftsleiter Kaspar Schuler. Zusammen mit 10 anderen Nichtregierungs-Organisationen aus Umwelt, Jugend und Entwicklung formulierte Greenpeace in einer Bildungs-Charta neue Ideen für den Bildungsplatz Schweiz.
Reaktion auf PISA
Die PISA Studie hat die Schweiz, die sich für eines der besten Bildungssysteme der Welt rühmt, aufgeschreckt. Mit PISA wurden im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) die unmittelbaren Ergebnisse der Bildungssysteme international verglichen.
Das Ergebnis für die Schweiz: Gut in Mathematik, mittelmässig im Lesen und in den Naturwissenschaften. In diesen drei geprüften Bereichen sind demanch nicht Schweizer Jugendliche mit an der Weltspitze, sondern ihre Kolleginnen und Kollegen aus Finnland, Japan und Südkorea.
Es sei deshalb sinnvoll und notwendig, die Bildung in der Schweiz zu fördern, sagen die Initianten der Charta. Das Geld dazu sollen ein Teil der Milliarden der Nationalbank-Gold-Verkäufe liefern. Diese erwarteten Milliarden aber sollen, so die Bestrebungen der Politik, vollumfänglich in der Altersversicherung AHV zugute kommen. Dagegen wehren sich die Hilfswerke und Umweltorganisationen.
Mittelalterliche zerstören die AHV
«Die Charta ist ein neues Alterswerk für die Jugend von heute», sagte Schuler. Dies sei nötig, weil die AHV im Moment von den Mittelalterlichen zerstört werde. Mit der Charta fordern die NGO’s, dass ökologische und soziale Lernziele zum Kernauftrag der Schulen auf allen Stufen gehören sollen.
Es brauche eine ökologische Bildungsoffensive, betonte Schuler. Die Umweltbildung müsse in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung verankert werden, zudem würden ökologische Ausbildungsziele in sämtliche Bildungsreformen gehören. «Bildung ist eine kluge Langzeitinvestition.»
«Bildung ist Gold wert», sagte Stéphane Montangero, Präsident der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV). Nach dem Nein zur Solidaritätsstiftung fordern diese, einen Teil des Golderlöses in die Bildung zu investieren. Der «Jugendurlaub» müsse bezahlt werden, und Jugendliche sollten die Möglichkeit für ein «Freiwilliges Soziales Jahr» erhalten.
Gemischte Reaktionen
«Es stimmt, dass die Generation der unter 30-jährigen eine sehr niedrige Stimmbeteiligung aufweist», sagt der Berner Politologe Dr. Hans Hirter, Politologe an der Uni Bern, gegenüber swissinfo. «Für die Parteien kann deshalb dieser Vorschlag der Verteilung des Nationalbankgoldes, wie ihn die NGOs fordern, nicht im Vordergrund als Wahlkampfargument stehen. Der Vorschlag der NGOs passt eher in die generellen bildungspolitischen Vorschläge des Freisinns und der SP.»
Der Sprecher der SVP, Ives Bichsel, bezweifelt den Erfolg der Aktion der NGO. «Man versucht hier eine Neuauflage der Solidaritätsfonds, obwohl das Volk klar nein gesagt hat.»
Ives Bichsel meint weiter: «Es ist legitim, dass die NGOs versuchen, mehr Mittel für die Erziehung aufzutreiben. Aber in keinem anderen Sektor steigen die Ausgaben so stark an. Obwohl man nicht weiss, wohin die Gelder fliessen. Wir glauben nicht, dass man die Nationalbank-Gelder so verwenden soll.»
Bei «Pro Senectute», der Fachstelle für Fachstelle für angewandte Altersfragen, allerdings ist es denkbar, dass auch Gelder der Goldverkäufe für die Bildung verwendet werden. Pro-Senectute-Direktor Martin Mezger sagte gegenüber swissinfo: «Wir denken, ein Teil der Gelder soll den Alten zugute kommen und der andere Teil für die Ausbildung der Jugend und den den Schutz der Umwelt.»
Die Initianten wollten die Bildungs-Charta im Anschluss an die Medienorientierung den Bundesämtern für Bildung und Wissenschaft (BBW) sowie für Berufsbildung und Technologie (BBT) vor dem Bundeshaus überreichen. Diese liessen sich aber entschuldigen, so dass die Charta von Velokurieren an die entsprechenden Orte gebracht werden musste.
swissinfo, Urs Maurer und Agenturen
Die Schweizer Nationalbank hat Goldvorräte, welche die heute benötigten Währungsreserven übersteigen. Die SNB verkauft 1300 Tonnen Gold.
2 Volksinitiativen, welche die Verwendung der Goldgelder per Gesetz regeln wollten, wurden abgelehnt. Die SVP-Initiative wollte alles Geld der AHV zukommen lassen. Der Gegenvorschlag des Bundes wollte die Erträge des Milliardenvermögens während 30 Jahren zu gleichen Teilen der Solidaritäts-Stiftung, der AHV und den Kantonen zukommen lassen.
Nach dem doppelten Nein ist die Ausgangslage wieder offen. Die Verfassung sieht bei SNB-Gewinnen eine Verteilung der Gelder zu zwei Dritteln an die Kantone und einem Drittel an den Bund vor. FDP und CVP akzeptieren das. SVP und SP brachten Alternativen ein.
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