Die Zeiten ändern sich – die Rekruten auch
Ein Drittel der Rekruten beendet die RS nicht. Militärminister Samuel Schmid macht das veränderte soziale Umfeld für die hohe Ausfallrate verantwortlich.
Die Leistungsfähigkeit der Armee habe nicht gelitten, versicherte Bundesrat Schmid am Dienstag im Ständerat. Die Jungen seien nicht weniger leistungsfähig, kämen aber aus einem ganz anderen sozialen Umfeld, als es früher der Fall gewesen sei, sagte Schmid in Beantwortung einer Interpellation. «Wie können nicht davon ausgehen, dass es noch ist wie früher.»
Stress im Sechser-Zimmer
Für die Mehrzahl der heutigen Rekruten bedeute es schon Stress, in einem Vierer- oder Sechser-Zimmer übernachten zu müssen. Für ihn sei es noch selbstverständlich gewesen, das Schlafzimmer mit seinem Bruder zu teilen und in der RS mit 20 bis 30 Rekruten im gleichen Zimmer zu schlafen. Und über 90 Prozent seien noch nie allein nachts in einem Wald gestanden. «Stellen Sie sich das einmal vor!»
Das führe offensichtlich zu Stress-Situationen. Das Problem sei erkannt, sagte Schmid. Als Sofortmassnahme würden im Frühjahr in fünf ausgewählten Rekrutenschulen entsprechende Daten erhoben, «um den tatsächlichen Ursachen näher zu kommen. Ich hoffe, es wird gelingen, Unterlagen herauszuschälen, um die Problematik konkreter anzugehen.»
Abmelden und aussteigen
Sofern kein gesellschaftlicher Wertewandel stattfinde, werde sich der Trend des Abmeldens vom Dienst an der Gemeinschaft und damit auch der Ausstieg aus der Rekrutenschule nicht markant ändern. Die Armee werde bestrebt sein, dass der allgemeinen Wehrpflicht nicht so leicht entgangen werden könne, versicherte Schmid.
Im übrigen sei der Bundesrat überzeugt, dass das verfeinerte Rekrutierungs-System, wie es für die Armee XXI in Vorbereitung ist, zu deutlich höheren Untauglichkeits-Quoten führen werde. Dadurch werde auch die Zahl der aus der RS entlassenen Rekruten wirksam reduziert.
swissinfo und Agenturen
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