Ein interdisziplinäres Laboratorium
Für die Ingenieurschule in Biel ist der "Spirit of Bike" ein wichtiges Projekt, das Technik, Innovation, Interdisziplinarität und externe Kommunikation verbindet.
«Spirit of Bike» ist nicht einfach ein experimentelles Fahrzeug, sondern eine Promotionsplattform für eine innovative Mobilitätstechnologie», erklärt der Kommunikationsexperte und Projektleiter August Pfluger.
«Mit dem intelligenten Velo wollen wir die technologische Forschung mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung fördern.» Das heisst konkret: Es geht um eine umweltverträgliche Mobilität, die zugleich Leistung bringt, Trendsetter ist und das Interesse an «sauberer» Technologie wach hält.
«Spirit of Bike» verknüpfe all diese Elemente auf spektakuläre Art und Weise, fügt Pfluger an. Seine Aussage ist wohl nicht übertrieben, denn wer mehr als 3’000 Kilometer in Australien auf einem supertechnologischen Zweirad zurücklegt, das bis zu 70 km/h erreicht, zeigt eindeutig Innovationswillen.
Technische Herausforderungen
Um dieses Projekt zu verwirklichen, war die Verknüpfung an Know-how aus vier Fakultäten notwendig: Ingenieurwesen, Elektrotechnik und Informatik waren direkt beteiligt. Dazu kamen wertvolle Informationen aus der Fakultät für Automobilbau, insbesondere bezüglich Aerodynamik und Materialkunde.
Für Professor Vezzini, Dozent für Mechanik, ist diese Erfahrung fundamental: «Es ist undenkbar, dass jeder nur seinen eigenen Garten beackert. Die Ressourcen und Fähigkeiten müssen zusammenfliessen. Das Projekt Spirit of Bike hat eine einmalige Gelegenheit dazu geboten.»
«Mini-Revolution»- auch bezüglich Zusammenarbeit
Auch wenn Intellibike sicherlich unverkäuflich sei, könne die Technologie in anderen Bereichen eingesetzt werden, betont Vezzini: «Der magnetische Motor mit Hinterrad-Antrieb oder die superleichte, aber effiziente Batterie können für andere industrielle Anwendungen genutzt werden. Und die elektronischen Komponenten, die wir ‚Intelligenz‘ nennen, stellen eine Mini-Revolution dar.»
Die Erfahrung der gemeinsamen Arbeit am Projekt war auch auf menschlicher Ebene ein voller Erfolg, wie alle Beteiligten in Biel bestätigen. Simon, ein junger Elektrotechniker: «Es war sehr schön, ein ambitiöses Projekt zu verwirklichen. Der Erfahrungsaustausch war optimal und es gab auch privat ein hervorragendes Klima.»
«Unser erklärtes Ziel ist es, dass die Ingenieurschule von Biel als eine der besten unter ihresgleichen bekannt wird», sagt Professor Vezzini. «Anlässe wie der World Solar Challenge bieten eine doppelte Chance. Erstens trifft man Techniker aus der ganzen Welt, um Erfahrungen und Forschungsergebnisse auszutauschen. Zweitens gibt es durch die spektakuläre Aktion mit der Fahrt quer durch die australische Wüste eine Annäherung an die Öffentlichkeit.» Das riesige Medienecho auf das Abenteuer bestätigt seine Meinung.
Anstoss von aussen
Der Anstoss zum ganzen Projekt kam von aussen. «Das PR-Büro Salis Communication hatte die Idee, ein Solarmobil zu entwickeln, das näher an den Bedürfnissen der Leute ist», erläutert Koordinator Henry Schwarzenbach. Dies führte dazu, dass die Forschung nach Solar-Rennwagen ganz aufgegeben wurde.
Die Schule hat die Herausforderung angenommen und das technologische Wissen bereit gestellt, das man in den Jahren der Forschung an Solarmobilen Spirit of Biel erworben hat. Die Suche nach Sponsoren und die externe Kommunikation blieb in den Händen von August Pfluger und seinem Team.
Finanzierung des Vorhabens
Trotz enormer Kosten konnten einige Sponsoren für das Projekt gefunden werden. Siemens, Toyota, Ecomotion und die Elektrizitätsgesellschaft EWZ der Stadt Zürich sind einige Geldgeber, die ihre Mittel aber nicht nur aus Solidarität für ein sympathisches Projekt fliessen lassen. Alle erwarten, dass sie aus den Erfahrungen etwas lernen können.
Auch das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) unterstützt das Vorhaben. «Wir sind der Ansicht, dass ein Elektro-Velo in Zukunft eine echte Alternative zu den Scootern darstellen kann und einen positiven Beitrag zur Lösung der städtischen Verkehrsprobleme leisten wird», sagt Buwal-Sprecher Felix Reutimann. «Sicher wird nicht dieses Versuchs-Modell unsere Mobilität revolutionieren, aber wir setzen auf künftige Anwendungen.»
International mit dabei
Das Abenteuer ist mehr als ein Wettrennen durch die endlose australische Wüste. Mit dem Beginn des Rennens geht eine erste Forschungsphase zu Ende; das Projekt geht natürlich weiter.
«Jetzt braucht es keine Geheimniskrämerei mehr», erklärt Vezzini aus dem fernen Australien. «Die Fahrzeuge sind für das Rennen bereit; es lässt sich nichts mehr ändern.» Es gebe nun die Gelegenheit, die Ideen der anderen unter die Lupe zu nehmen und sich über die Wahl von Materialien und Technologien auszutauschen.
Erste in Australien eingeholte Informationen bestätigen die Hoffnungen des Teams aus Biel. Die am Fusse des Jura entwickelte technologische Lösung entspricht durchaus internationalen Standards.
Daniele Papacella
Übersetzung: Gerhard Lob
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