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Eine Frühpensionierung in Würde ermöglichen

Auch Menschen mit niedrigem Einkommen soll die Frühpensionierung ermöglicht werden, fordert Caritas. swissinfo.ch

In der Schweiz sind die Chancen, ein hohes Alter zu erreichen, nicht gleich verteilt: Ein ungelernter Arbeiter stirbt im Durchschnitt 4 bis 5 Jahre früher als ein Akademiker.

Deshalb fordert Caritas eine sozialverträgliche Flexibilisierung des Rentenalters.

Eine am Mittwoch vorgestellte Caritas-Studie mit dem Titel «Arme sterben früher» bestätigt den Zusammenhang zwischen niedrigem sozialen Status und erhöhter Sterblichkeit. «Wer einen tiefen Lohn, eine geringe Schulbildung oder einen niedrigen beruflichen Status aufweist, hat eine tiefere Lebenserwartung», präzisierte Caritas-Direktor Jürg Krummenacher gegenüber swissinfo.

Als bestimmend für die markanten Unterschiede nennt Krummenacher mehrere Faktoren: Lebensverhältnisse, Arbeitsbedingungen, Umweltbelastung, Gesundheitsverhalten und genetische Veranlagung.

Schlechte Wohnlage, schlechte Arbeitsbedingungen

Konkret wirke sich zum Beispiel das Wohnen an einer lärmigen, abgasreichen Strasse auf die Gesundheit ebenso negativ aus wie schlechte Arbeitsbedingungen, ein belastender Beruf oder Schichtarbeit, so die Studie.

Bevölkerungsgruppen aus tiefen sozialen Schichten seien häufiger von Invalidität betroffen. Jeder vierte Bauarbeiter zwischen 45 und 65 ist nach Angaben Krummenachers vollinvalid.

Auch das Einkommen habe Einfluss auf die Lebenserwartung. «Wer wenig Geld zur Verfügung hat, kann sich selten frisches Obst und Gemüse, eine kostspielige Vorsorge oder Zeit für Ruhepausen leisten», so Krummenacher. Dass Rauchen oder Bewegungsmangel auch negative Folgen auf die Gesundheit habe, sei bekannt.

Handlungsbedarf geortet

Die erhöhte Sterblichkeit in unteren sozialen Schichten zeigt nach Ansicht von Caritas Handlungsbedarf – in der öffentlichen Diskussion, in der Forschung, im präventiven Bereich, aber auch bei den Sozialversicherungen.

In der politischen Diskussion sei diese Problematik bisher kaum ein Thema gewesen, so der Caritas-Direktor. «Ausgerechnet diejenigen, die vielleicht länger an die AHV oder die berufliche Vorsorge Beiträge geleistet haben, können sehr oft davon gar nicht profitieren.»

Die Caritas verlangt deshalb, die in der 11. AHV-Revision vorgeschlagene Flexibilisierung des Rentenalters noch gezielter zu Gunsten der Menschen aus unteren sozialen Schichten auszugestalten. Die Rentenalter-Diskussion müsse auch dem Faktor der Frühsterblichkeit Rechnung tragen. «Im Moment ist der vorzeitige Ruhestand vor allem das Privileg von Besserverdienenden», so Krummenacher.

In der Tat liege die Quote der Arbeitskräfte mit Führungs- und Vorgesetztenfunktion, die sich früher pensionieren lassen, fast doppelt so hoch wie die Quote der Arbeitnehmenden ohne Vorgesetztenfunktion.

Neue Wege suchen

Auch François Huber, Leiter der Fachstelle Altersvorsorge im Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) ist der Meinung, dass neue Wege zur Verbesserung der Situation gesucht werden müssten.

«Beispielsweise könnte man 40-Jährigen mit sehr schwierigen Berufen eine Umschulung ermöglichen, so dass sie mit 60 Jahren noch nicht verbraucht sind», schlug Huber vor. Für Menschen, die einer sehr harten Arbeit nachgehen, sei die Pensionierung mit 65 zu spät. «Deshalb muss man erfinderisch sein und neue Wege finden.»

swissinfo, Alina Kunz Popper und Agenturen

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