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Konfliktbewältigung im Kindermuseum

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Die weltpolitische Lage hinterlässt auch bei Kindern Unsicherheit. Eine aktuelle und interaktive Ausstellung im Kindermuseum "Museo in erba" von Bellinzona geht indirekt den Ursachen von Krieg und Terror nach.

Der Fall der Zwillingstürme von New York, die Bomben auf Afghanistan, Flüchtlinge, mysteriöse Briefsendungen mit Bakterien: Bilder und Berichte von Terror, Zerstörung und Angst gehören im Moment zu unserem Alltag.

Ja, das sei schon beunruhigend, nicken die Kinder einer fünften Primarklasse, die das Museo in erba besuchen. Sie hocken im Schneidersitz auf einer Matte und lauschen dem Lied «L’isola che non c’è» des bekannten Liedermachers Edoardo Bennato. Es geht um die Friedensinsel, von der viele träumen, die aber nicht existiert. Manche singen oder summen mit.

Schwieriges Zusammenleben spielen

Mit dem Song leitet Animatorin Loredana Bianchi die Ausstellung «Weltenbürger» ein. «Wir sind alle Teil einer Welt, jeder mit einer eigenen Identität, in einer Gesellschaft, in der wir aufeinander angewiesen sind» lautet die einfache und zugleich schwierige Botschaft an die Kinder. Denn: Zum Zusammenleben braucht es Gesetze. Für Gesetze braucht es Mehrheiten. Und nicht jede Minderheit akzeptiert den Entscheid der Mehrheit. Da kommt es schnell zu Streit.

Die Klasse darf dies in einem Spiel nachstellen. Es wird abgestimmt, ob die Schulwoche auf sechs Tage verlängert wird. Nur Francesco ist für diesen Vorschlag. Er muss sich der Mehrheit beugen, welche die Anzahl der Schultage leicht reduzieren will. Immerhin: Zu Streit kommt es diesmal nicht. In anderen Gruppen fliegen hingegen schon mal die Fetzen, weiss Bianchi zu berichten.

Vielfallt aufzeigen

Toleranz und Akzeptanz für fremde Kulturen sind ein Schwerpunkt der Ausstellung. «Es gibt Kulturen, in denen die Männer mehrere Ehefrauen haben dürfen», erklärt die Animatorin einigen ungläubigen Kids. Auf Tafeln setzen die Kinder individuell verschiedene Familienformen – Grossfamilien, Einelternfamilien, etc.- zusammen. Ein Platz ist frei für die «Traumfamilie»

Um zu vermeiden, dass unter einem multikulturellen Etikett auch Untolerierbares als normal betrachtet wird, muss Bianchi die Menschenrechte erwähnen. Denn diese erlauben beispielsweise die Erniedrigung von Frauen, wie sie in einigen Kulturen praktiziert wird, nicht. Ob die Kinder dies alles verstehen?

Ziel: Kleine Weltenbürger

Gesellschaft, Familie, Solidarität, Verschiedenheit, Gesetze und Gerechtigkeit, Religionen, Menschrechte, Rechte der Kinder, Krieg, Konflikte sowie Natur- und Umweltschutz. Die Themen sind viele, fast zu viele für einen einstündigen Besuch in einer Ausstellung. Doch die Botschaft – übermittelt in einfachen Sätzen und Schautafeln – scheint angekommen zu sein.

«Um in Frieden zu leben, muss man zusammenarbeiten und solidarisch sein», sagt Laura auf die Frage, was sie in der Ausstellung gelernt hat. In der Hand hält sie stolz den «Pass eines kleinen Weltenbürgers», den alle Besucher nach Rundgang und absolvierter Atelierarbeit erhalten.

Gerhard Lob, Bellinzona

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