Presseschau vom 16.10.2002
Die Schweizer Presse weiss, dass die Wirtschaftslage nicht rosig ist. Trotz oder gerade deswegen gibt es einige, die damit viel Geld verdienen.
Die Angst vor Kriminalität und Terrorismus lähmt die Reiselust von Herrn und Frau Schweizer. Da kommen Tipps für sichere Destinationen und Warnungen, wohin man besser nicht fährt, gerade recht.
Der TAGES ANZEIGER malt ein trübes Bild von Wirtschaft und Konjunktur. Als Rezept dagegen empfiehlt er: «Gegensteuer geben».
Regierung und Parlament sollen daher in die Erneuerung und Erweiterung der Infrastruktur des Landes investieren. Der TAGI weiss: «Auch das kostet Geld, aber dafür entsteht Mehrwert. Es sind Investitionen, die in der Zukunft volkswirtschaftlichen Nutzen bringen, und nicht Konsum, der sogleich wieder verpufft.»
Der TAGI-Kommentator sieht auch Vorteile in der kurzfristigen Realisierbarkeit der Investitionen, die dem allgemeinen Konjunkturtrend entgegen wirken. «Anders als Steuerpakete, die nach einer langen parlamentarischen Ausmarchung in der Regel erst greifen, wenn sich die Konjunktur schon wieder erholt hat.»
Des einen Freud‘ – des andern Leid
Wo es Verlierer hat, gibt es auch Gewinner. Die HANDELSZEITUNG hat die «Guten Geschäfte mit Pleiten» zum Thema ihrer Titelstory erhoben: «‚Des einen Leid ist des anderen Freud‘ gilt auch hier. Mit jedem Konkurs und jedem Nachlassverfahren kommen die Konkurs- und Sachwalter zu neuen Aufträgen, Liquidatoren zu lukrativen Geschäften.»
Als aktuelles Beispiel nennt die HANDELSZEITUNG die Swissair: «Kurt und Jürg Hoss werden die Reste der gegroundeten Airline in den kommenden Tagen unters Bietervolk bringen und dabei selbst tüchtig Kasse machen.»
Anhand von Fallbeispielen wie Biber Papier, SC Bern, Miracle oder der Porzellanfabrik Langenthal werden die Arbeitsweise und die besondere Position der «Profiteure der Bruchlandungen» beleuchtet: «Die Branche der Spezialisten für Konkurse und Nachlässe funktioniert antizyklisch und hat in Krisenzeiten Hochkonjunktur. (…) Erstens ist der Kreis der Spezialisten klein, und zweitens brauchen sie sich kaum vor Konkurrenz zu fürchten, weil anderen die Erfahrung fehlt.»
Gefährliche Reiseziele
Für all jene, die sich von der traurigen Wirtschaftslage nicht davon abhalten lassen, in die Ferien zu verreisen, stellt der BLICK nach den Anschlägen auf Bali die bange Frage: «Wo sind Ferien noch sicher?»
Für Ernüchterung sorgt gleich ein Touristik-Professor: «Nirgends. (…) Reisen birgt immer ein Risikopotenzial.»
Das Boulevardblatt erklärt: «Es muss nicht immer Bombenterror wie auf Bali sein. Auch Länder mit politischen oder religiösen Wirren und Guerillakämpfern im Hinterland sind für Touristen Risikoziele.»
Damit sich die Erholung suchende BLICK-Leserschaft ein Bild von den Gefährdungen in verschiedenen Regionen der Welt machen kann, publiziert die Redaktion eine Weltkarte, worauf die Gefährdungspotentiale in verschiedenen Farben visualisiert werden. Es gibt auch ein positives Fazit: «Als ganz unproblematische Touristenländer werden Australien, Neuseeland und Kanada benotet.»
swissinfo, Etienne Strebel
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