Schlammlawinen, Erdrutsche, Überschwemmungen
Die anhaltenden Niederschläge haben am Samstag in verschiedenen Gebieten der Schweiz Überschwemmungen ausgelöst und Erdmassen in Bewegung gesetzt.
Vor allem im Bündner Oberland herrschten chaotische Zustände. Mehrere Menschen wurden verletzt.
Die Regenfälle setzten in der ganzen Schweiz Rüfen in Bewegung. Dabei wurden Häuser, Fahrzeuge und Verkehrswege verschüttet. Zeitweise waren wegen Erdrutschen und Überschwemmungen auch die Gotthard- und die Simplonbahnlinie gänzlich unterbrochen. In verschiedenen Regionen mussten Dutzende Menschen ihre Häuser vorübergehend verlassen.
Mitten durchs Dorf
In Schlans GR auf der linken Seite des Vorderrheintales ging eine Rüfe mitten durch das Dorf und beschädigte Häuser. Einem einheimischen Helikopterpilot gelang es unter schwierigsten Wetterbedingungen, nach Schlans zu fliegen und dort zu landen.
Mit diesem Helikopter konnten gefährdete Personen evakuiert werden. Andere brachten sich zu Fuss in Sicherheit. Einige Personen erlitten beim Rüfenniedergang Verletzungen.
In Rueun waren Helfer damit beschäftigt die Kantonsstrasse wieder freizumachen, als eine Nachrüfe kam. Diese hat vier Personen erfasst und verletzt. In Mastrils musste ebenfalls Leute evakuiert werden.
In letzter Sekunde
Disentis war schon am Samstagmittag nicht mehr erreichbar, weder auf der Schiene noch auf der Strasse. Die Polizei sperrte weite Gebiete des Bündner Oberlandes, darunter alle Seitentäler.
Die Kantonsstrasse zwischen Ilanz und Disentis wurde an mehreren Stellen überschwemmt. Zwischen Sumvitg und Disentis verschüttete eine Schlammlawine ein Fahrzeug. Die Insassen konnten sich in letzter Sekunde selber retten. Auch in Disentis hatte ein Erdrutsch ein Auto verschüttet und zahlreiche Häuser beschädigt.
Wegen einer schneebedingten Fahrleitungs-Störung war am Samstagvormittag zudem die Berninalinie vorübergehend unterbrochen.
Zahlreiche Häuser evakuiert
Insgesamt wurden in Disentis rund 50 Personen evakuiert. Evakuationen gab es weiter in Curaglia und Surrein im Bündner Oberland.
In der Westschweiz war vor allem die Region Genf betroffen. In Lully GE mussten rund 100 Leute ihre Wohnungen vorübergehend verlassen. Hier kam es zu Überschwemmungen, weil der wassergesättigte Boden kein weiteres Wasser aufzunehmen vermochte.
Prekäre Lage auch im Tessin
Im Tessin, wo die Magadino-Ebene bereits seit Freitag teilweise überschwemmt ist, trat am Samstag auch der Lago Maggiore stellenweise über die Ufer. Am Nachmittag war der Pegel um rund 7 Zentimeter pro Stunde gestiegen. Am Abend trat eine leichte Wetterbesserung ein.
Auch im Tessin kam es zu zahlreichen Erdrutschen. Etliche Verkehrswege waren behindert. In Bellinzona wurden drei Häuser vorbeugend evakuiert. Wegen Lawinen-und Erdrutschgefahr wurde zudem das Eishockeyspiel Ambri-Piotta – ZSC abgesagt.
Erdrutsche, Hochwasser und Überschwemmungen wurden auch aus anderen Landesteilen gemeldet, so aus der Zentralschweiz und dem Kanton Bern.
Im Kanton Uri mussten mehrere Verkehrswege vorübergehend gesperrt werden, und im Kanton Obwalden traten mehrere Bäche über die Ufer. Im Kanton Schwyz führten mehrere Gewässer Hochwasser.
swissinfo und Agenturen
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