Schweiz – UNO: Wunsch und Wirklichkeit
Eine Ausstellung über "Die Schweiz und die UNO" wirbt für die Volksabstimmung vom 3. März 2002.
Die UNO als stattlicher Apfelbaum, der reichlich Früchte trägt: Auf diese Weise wird die Organisation der Vereinten Nationen in der Ausstellung im Berner Käfigturm symbolisiert. Als ein kräftiger Baum, dessen starke Wurzeln für die Gründung der UNO nach dem Zweiten Weltkrieg sowie deren Ziele stehen und dessen Früchte die zahlreichen Spezialorganisationen der UNO versinnbildlichen.
Wurzeln, Stamm, Krone und Früchten sollen den Besucherinnen und Besuchern die 1945 gegründete Weltorganisation erklären.
UNO: seit 56 Jahren
Geprägt vom Schrecken des 2. Weltkrieges beschlossen die Regierungen von 51 Staaten, sich gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen, den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu fördern, die Armut zu bekämpfen, sich in Katastrophenfällen gegenseitig zu helfen und Konflikte gütlich beizulegen statt kriegerisch auszutragen. Sie bauten ein System internationaler Zusammenarbeit auf und gründeten 1945 die UNO.
Inzwischen gehören der UNO 189 souveräne Staaten an. Die Schweiz und der Vatikan sind die einzigen Staaten, die noch nicht Mitglied sind.
Die Schweiz ist allerdings Mitglied oder Vertragspartnerin aller Spezialorganisationen der UNO. Zudem unterstützt sie das UNO-System finanziell. Im Jahre 2000 betrug der Schweizer Beitrag 480 Mio. Franken, wobei davon allein 215 Mio. Franken an die Bretton Woods Institutionen gingen.
Plattform für einen UNO-Beitritt
Die Ausstellung im Berner Käfigturm ist mit Blick auf die Volksabstimmung vom 3. März 2002 organisiert worden. Sie will Neugier wecken, zum Nachdenken anregen und zum Dialog einladen. Im Vordergrund steht die Geschichte der UNO. Zahlen, Fakten, Dokumentationen, Fotografien und Videos illustrieren das Entstehen der UNO, deren Entwicklung und deren heutige Rolle.
Thematisiert wird selbstverständlich auch die Diskussion um einen UNO-Beitritt der Schweiz. Hervorgehoben werden die Vorteile einer solchen Mitgliedschaft. Die Aussenpolitik, das internationale Netzwerk, das Image, die Neutralität sowie die Souveränität unseres Landes würden gestärkt, heisst es. Als UNO-Mitglied würde die Schweiz wichtige Mitwirkungsrechte und Zugang zu zentralen globalen Entscheidungs-Rechten erhalten.
Obwohl aus der Inszenierung klar eine Befürwortung eines schweizerischen UNO-Beitrittes hervorgeht, lassen die Ausstellungsmacher auch den gegnerischen Stimmen ein – wenn auch bescheidenes – Forum. Vermisst wird letztlich aber trotz einer Vielfalt an Broschüren der kritische Blick auf die universelle Organisation.
«Schweiz gehört in UNO»
Am 3. März 2002 werden Schweizerinnen und Schweizer über einen UNO-Beitritt der Schweiz abstimmen müssen. Bundesrat Joseph Deiss besprach vor wenigen Tagen an der UNO-Generalversammlung in New York mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan das Schweizer Beitrittsgesuch und bestätigte nach diesem Treffen, dass die Schweiz der UNO angehören könne, ohne ihre Neutralität aufgeben zu müssen.
Zuvor hatte Deiss vor Vertretern der Schweizer Kolonie in New York gesagt: «Die Schweiz hatte an dieser UNO-Generalversammlung die Chance zu zeigen, dass sie nicht nur durchaus fähig ist, UNO-Mitglied zu sein, sondern in die UNO gehört. Dies kann geschehen, ohne dass die Schweiz ihre Herkunft, ihre Werte oder ihre Stellung verleugnen muss».
Carole Gürtler
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