Schweizer Satellit im All
Beim fünften Mal hat es geklappt: Der schweizerisch-amerikanische Satellit HESSI ist im Weltall und versucht die Geheimnisse der Sonne zu enträtseln.
Nach verschiedenen Fehlschlägen wurde HESSI mit anderthalbjähriger Verspätung am Mittwoch ins All geschossen. Die 85 Mio. Dollar teure Sonde soll während ihrer zweijährigen Mission Eruptionen der Sonne erforschen, wie das Paul Scherrer Institut (PSI) im aargauischen Villigen mitteilt.
Massgebliche Schweizer Beteiligung
Auf eine Erdumlaufbahn geschossen wurde der Forschungssatellit mit einer Pegasus-Rakete von der NASA-Weltraumstation Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus. Ausgewählt wurde HESSI vor fünf Jahren aus über 50 Projekten.
Für die Entwicklung des Satelliten taten sich drei Institute zusammen: das Space Science Laboratory der Universität Berkeley in Kalifornien, die ETH Zürich und das PSI in Villigen, welches die Hochpräzisions-Instrumente baute. Auf HESSI befindet sich also so viel Schweizer Technologie wie nie zuvor auf einem Satelliten.
Rätselhafte «Flares»
Die von der Schweiz beigesteuerten Instrumente dienen der Abbildung von sogenannten «Flares», die auf der Erde als flackernde Nordlichter und als Störungen des Funkverkehrs wahrgenommen werden. Darüber hinaus sollen die Instrumente helfen, die Lage von HESSI im Weltraum zu bestimmen.
Laut PSI ist das Interesse der Wissenschaft an der Mission von HESSI sehr gross. Die Forscher erhoffen sich davon Aufschlüsse über die nach wie vor rätselhaften Strahlungs-Ausbrüche auf der Sonne. Bisher sei nur klar, dass die «Sonnenflares» mit Magnetfeldern zu tun hätten.
Neuartige Messmethode
Da der Satellit auf seinem Flug rotiere, zeige er laut PSI nicht stabil auf das Sonnenzentrum. Wissenschafter des Schweizer Instituts hätten deshalb eine neuartige optische Messmethode entwickelt, die das Zentrum der Sonne 128 Mal pro Sekunde auf genauer als 0,2 Bogensekunden bestimmen könnten.
Eine ebenfalls in der Schweiz gebaute Spezialkamera soll zusätzlich den Sternenhimmel beobachten. Sie peilt einzelne Sterne an und misst so die Richtung des Satelliten im Weltraum. Zudem filtert ein vom PSI gebauter Computer die grossen Datenmengen, bevor sie zur Erde geschickt werden.
Mit HESSI könnten die Röntgen- und Gammastrahlen der Sonne mit einer noch nie dagewesenen Ortsgenauigkeit beobachtet werden, schreibt das PSI. Die Genauigkeit entspreche der scharfen Abbildung eines 5 Millimeter grossen Objektes in einer Distanz von einem Kilometer. Zudem sei die Energiemessung 10 bis 100 Mal genauer als bei bisherigen Weltraum-Missionen.
Monika Lüthi und Agenturen
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