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Wassereinbrüche – grosses Risiko bei Höhlenforschung

Wassereinbrüche in Folge plötzlicher Regenfälle oder Schneeschmelze zählen zu den grössten Risiken bei der Höhlenforschung. Weniger Ertrinken als Unterkühlung infolge der Kälte bedroht die Eingeschlossenen.

Für Marc Lütscher, Geologe im Schweizerischen Instititut für Speläologie und Karstforschung in La Chaux-de-Fonds, ist der jüngste Zwischenfall in der Höhle von Goumois am ehesten vergleichbar mit den Ereignissen Ende November 1999 in der Vitarelles-Grotte bei Gramat in Südwestfrankreich.

Damals konnten sieben Höhlenforscher erst nach zehn Tagen geborgen werden. Nach ihrem Einstieg war es zu starken Regenfällen gekommen, worauf ansteigendes Hochwasser die Rückwege versperrte.

Gefangen im Höllloch.

Einen Monat später, im Dezember 1999, sassen im Höllloch im Muotatal SZ, einem der grössten Höhlensysteme der Welt, fünf Forscher nach einem Wassereinbruch in Folge starker Regenfälle fest. Sie konnten sich nach mehreren Tagen selber befreien.

Bereits im Dezember 1988 waren vier Forscher und 15 Jugendliche im Höllloch während fünf Tagen vom Wasser eingeschlossen, bevor man sie befreien konnte. 1952 war der Luzerner Professor Alfred Bögli mit drei Begleitern wegen eines Wassereinbruchs mehrere Tage im Höllloch eingeschlossen.

Meistens glimpflich

Die meisten Zwischenfälle mit Hochwasser verliefen glimpflich, indem sich die Eingeschlossenen in höher gelegene trockene Gänge retten und dort auf einen Rückgang der Fluten warten konnten.

Der letzte schwerwiegende Unfall mit einem Wassereinbruch trug sich Mitte Juli 1996 in der Berger-Höhle im südwestfranzösischen Vercors-Gebirge zu: Zwei von sechs eingeschlossenen Hobby-Höhlenforschern konnten nur noch tot geborgen werden.

Genaue Information

Die Schweizerische Gesellschaft für Höhlenforschung rät in einer Broschüre, vor jeder Expedition ins Erdinnere genaue Informationen über Wetterverhältnisse, die Niederschläge der letzten Zeit und die Wasserstände sowie über die Höhle und die geologischen Gegebenheiten einzuholen. Es gebe nur sehr wenige Höhlen, die nicht auf starke Niederschläge an der Oberfläche reagierten.

Wassereinbrüche können sich je nach Höhle und ihrer Lage zu jeder Jahreszeit ereignen, hält Lütscher fest. Im Winter und Frühling kann die Tageszeit des Einstieges eine Rolle spielen – nachmittags ist die Gefahr von Wassereinbrüchen infolge Schneeschmelze höher.

Relativ wenig tödliche Unfälle

Die meisten der 10 bis 15 tödlichen Unfälle in Schweizer Höhlen seit 1980 sind laut Lütscher nicht auf plötzliche Wassereinbrüche zurückzuführen, sondern trugen sich beim Höhlentauchen zu.

So starb am 5. Mai ein belgischer Höhlentaucher bei den Beatus-Höhlen am Thunersee. Im Juli 1998 kam ein belgischer Höhlentaucher bei einem Tauchgang in einer Höhle im Bienne-Tal im französischen Jura nahe der Schweizer Grenze und im Dezember 1997 ein 26-jähriger Schweizer in der Höhle von Chaudanne bei Rossinière VD ums Leben.

Der schwerste Höhlen-Unfall der letzten Jahre ereignete sich am 26. Oktober 1998: Eine 27-jährige St. Gallerin und ein 39-jähriger Basler starben im Faustloch bei Habkern BE an Unterkühlung und Erschöpfung. Beim Aufstieg an einem unterirdischen Wasserfall hatte eine Seilklemme blockiert.

Glimpflich liefen die Unfälle von zwei Frauen im Juni 1997 in einer Grotte bei Leysin VD respektive bei Beatenberg BE ab: Sie konnten mit Knochenbrüchen geborgen werden. Im November 1996 holte eine SAC-Rettungskolonne fünf junge unerfahrene Höhlengänger aus dem «Nidlenloch» am Weissenstein bei Solothurn, die eine Steilwand nicht mehr überwinden konnten.

swissinfo und Agenturen

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