Zürcher Kantonsrat will mehr Auswahl bei den Lehrmitteln
Lehrpersonen sollen im Kanton Zürich eine Auswahl bei den Lehrmitteln erhalten. Eine Mehrheit des Kantonsrats hat sich am Montag hinter die Forderung gestellt. Mehrere Parteien befürchteten eine Gefährdung des Zürcher Lehrmittelverlags.
(Keystone-SDA) Die Forderung geht auf eine parlamentarische Initiative von FDP, GLP und SVP zurück, mit der eine «geleitete Lehrmittelfreiheit» an den Volksschulen gefordert wurde. Eine knappe Mehrheit der Kommission sah keinen Grund für das Beibehalten obligatorischer Lehrmittel in den Kernfächern.
Andere Kantone könnten sehr gut mit einer geleiteten Wahlfreiheit umgehen. Diese garantiere durch Vielfalt der Lehrmittel einen Qualitätswettbewerb und gestatte den Lehrpersonen, das für ihre spezifische Schulsituation geeignetste zu wählen.
Roger Schmidinger (SVP, Urdorf) fand am Montag, die Vorlage ermögliche mehr Qualität durch Wettbewerb. «Die Anforderungen an moderne Lehrmittel haben sich geändert», sagte er. Lehrpersonen sollten die besten Werkzeuge haben. Initiant Marc Bourgeois (FDP, Zürich) verglich Zürich mit dem Dorf der unbeugsamen Gallier. «Er ist der einzige Deutschschweizer Kanton mit einem Preisdiktat bei den Lehrmitteln», sagte er. Der Lehrmittelverlag Zürich (LMVZ) bestimme den Preis.
Lehrpersonen können schon wählen
Die Minderheit der Kommission (SP, Grüne, Mitte, EVP) beantragte, nicht auf die Vorlage einzutreten. Die Neuregelung bringe keine Vorteile. Die Lehrpersonen hätten heute schon die Freiheit, zusätzliche Lehrmittel zu verwenden. Auch der Regierungsrat lehnte die Initiative ab. Kosteneinsparungen würde diese nicht bringen, argumentierte er. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) fühlte sich am Montag «im falschen Film». Das System bringe Kontrolle und Vergleichbarkeit zwischen den Schulen.
Die Initiative klinge zwar attraktiv, sagte Sibylle Jüttner (SP, Andelfingen). Aber sie bringe mehr Probleme als Verbesserungen. «Das System funktioniert gut», sagte sie. Einheitliche Lehrmittel schafften vergleichbare Voraussetzungen für die Schülerinnen und Schüler. Das helfe bei der Chancengleichheit. Der LMVZ würde einen Viertel seiner Einnahmen verlieren, warnte sie.
Es gehe nicht um höhere Qualität, sagte Wilma Willi (Grüne, Stadel). Die Initiative bringe erheblichen administrativen Mehraufwand. Auch gebe es in der Deutschschweiz nur wenige Verlage, das sei kein freier Markt. Der Antrag auf Nichteintreten scheiterte aber mit 75 zu 98 Stimmen. Die Schlussabstimmung findet in einer der nächsten Sitzungen statt.