Zürcher Flughafen - grösser und leerer

Der neue Terminal könnte auch in den nächsten Monaten wenig bevölkert sein. Keystone

Das teuerste Gebäude der Schweiz wurde am Montag in Betrieb genommen: Der neue Terminal des Zürcher Flughafens empfängt seine ersten Passagiere.

Dieser Inhalt wurde am 01. September 2003 - 07:57 publiziert

Das alles in einem ungemütlichen Moment.

Angesichts der schwierigen Situation im Luftverkehr geben die Flughafen-Verantwortlichen unumwunden zu, dass ihre Ausbaupläne möglicherweise ein bisschen gar ambitiös sind.

Der E-Dock Terminal - Baukosten 332 Mio. Franken - ist Teil eines gross angelegten Ausbauprojekts, das auf insgesamt 2,2 Mrd. Franken veranschlagt ist.

Der Ausbau, der neben einer unterirdischen Bahnverbindung zum neuen Terminal einen neuen zentralen Hub und ein neues Gepäckabfertigungs-System umfasst, war von den Zürcher Stimmberechtigten 1995 auf dem Höhepunkt des Luftverkehrsbooms gutgeheissen worden.

Inzwischen haben jedoch der weltweite Rückgang des Flugverkehrs und die drohenden Beschränkungen für Anflüge über den süddeutschen Raum dafür gesorgt, dass der Zürcher Flughafen auf Monate, wenn nicht gar Jahre hinaus nicht bloss grösser, sondern vor allem leerer erscheinen wird.

Die Eröffnung des neuen Terminals wurde aus Konjunkturgründen bereits um mehr als ein Jahr verzögert.

Gemischte Gefühle

"Zweifellos schauen wir der Eröffnung des E-Docks mit gemischten Gefühlen entgegen", sagt Josef Felder, der Chef des Zürcher Flughafenunternehmens Unique Airport, im Gespräch mit swissinfo anlässlich eines Testlaufs für den neuen Terminal.

"Einerseits freut es uns, unseren Gästen eine brandneue Infrastruktur, die weltweit Massstäbe setzt, zur Verfügung stellen zu können. Gleichzeitig macht uns natürlich der Passagierrückgang zu schaffen."

Der futuristisch anmutende Terminal aus Glas und Beton weist auch einige umwelfreundliche Neuerungen auf. Geheizt wird er mit natürlicher Erdwärme, und die Toiletten werden mit Regenwasser aus Kollektoren gespült.

Solche Einrichtungen sind jedoch finanziell nicht unbedingt leicht verdaulich. Die jährlichen Betriebskosten des neuen Terminals werden auf 62 Mio. Franken veranschlagt. Der zusätzliche Raum für potentielle Passagiere dürfte jedoch in absehbarer Zeit kaum beansprucht werden.

Überkapazität

Mit der Fertigstellung des E-Docks könnte der Zürcher Flughafen nun jährlich 30-40 Mio. Passagiere abfertigen. Allerdings wurden letztes Jahr bloss 18 Mio. Fluggäste gezählt, und heuer dürften es gar nur 17 Mio. sein.

Solche Überkapazitäten haben zur Folge, dass die Gates in Terminal B einstweilig geschlossen werden. Bei einer allfälligen dramatischen Zunahme der Passagierzahlen könnten sie jederzeit wieder in Betrieb genommen werden. Doch bis es soweit ist, wird das gewaltige Projekt eher den Charakter einer Sanierung als den eines Ausbaus haben.

Felder betont jedoch, der Flughafen werde das Bauvorhaben verkraften können, in erster Linie dank einem langfristigen Finanzierungsplan.

"Die Tatsache, dass wir bei der Finanzierung des Ausbaus auf lange Sicht geplant haben, lässt uns zweifellos ruhiger schlafen", insistiert der Flughafen-Chef. "Für uns ist im gegenwärtigen Zeitpunkt entscheidend, dass wir keinen grossen Schuldenberg aufgehäuft haben."

Felder glaubt auch nicht, dass die Abzahlung langfristig Schwierigkeiten bereiten wird, da er fest damit rechnet, dass sich der Luftverkehr früher oder später erholen wird.

"Für viele Leute auf der ganzen Welt hat Mobilität einen hohen Stellenwert, und gerade die Schweizer sind in höchstem Mass auf Aktivitäten in und mit dem Ausland angewiesen. Darum bin ich fest überzeugt, dass sich die Lage längerfristig verbessern wird und wir dereinst wieder steigende Passagierzahlen verbuchen können."

Um diese Entwicklung zu beschleunigen, hat der Flughafen denn auch besondere Anstrengungen unternommen, um neue Fluglinien anzuziehen und gegenwärtige Kunden zum häufigeren Fliegen zu animieren.

Air Berlin, die griechische Fluggesellschaft Hellas Jet und die Styrian Spirit aus Österreich haben alle Zürich neu in ihren Flugplan aufgenommen, während die skandinavische Fluggesellschaft SAS wiederum eine direkte Verbindung zwischen Oslo und Zürich anbietet.

Umgekehrt ist der Juli-Entscheid der nationalen Fluggesellschaft Swiss, 22 Destinationen aus ihrem Zürcher Flugplan zu streichen, kaum dazu angetan, die Situation zu verbessern. Unter dem Strich erwarten die Flughafen-Verantwortlichen einen Verlust von 5–12% der Destinationen, sobald die Abbaupläne der Swiss im Oktober in Kraft treten.

Höhere Gebühren

Und während die Flughafenbetreiber hoffen, die erhöhte Attraktivität des neuen Flughafens werde mehr Passagiere nach Zürich bringen, steht umgekehrt schon jetzt fest, dass die baulichen Verbesserungen die Flüge ab Zürich verteuern werden.

Zur Deckung eines Teils der Baukosten wurde dem Flughafen eine saftige Erhöhung der Startgebühren bewilligt. Nach der Eröffnung des E-Docks werden Fluggäste ab Zürich eine Flughafentaxe von 36 Franken zu entrichten haben (fast 50% mehr als die bisherigen Gebühren von 24.50).

Obwohl sie dem Flughafen dringend benötigte Mehrreinnahmen verschafft, ist diese Gebührenerhöhung kaum dazu angetan, neue Fluggesellschaften zur Landung in Zürich zu bewegen, schon gar nicht solche aus dem florierenden Billigflugsektor.

Da der neue Terminal wohl ebenso viele potenzielle Kunden abschreckt wie anzieht, überrascht es kaum, dass für die offizielle Eröffnung am 1. September keine Festivitäten geplant sind.

Die Boomjahre des Luftverkehrs haben die Zürcher Flughafenbauer verpasst. Jetzt können sie nur hoffen, dass sich ihre Aufschwungs-Erwartungen nicht als verfrüht herausstellen.

swissinfo, Mark Ledsom, Zürich
(Übertragung aus dem Englischen: Dieter Kuhn)

Fakten

Zürcher Flughafen: Eröffnung 1948, heute eine AG

Unter den zehn meistfrequentierten Flughäfen Europas.

Passagieraufkommen ist in den letzten 3 Jahren um 25% gesunken.

Kosten des gegenwärtigen Gesamtausbaus: insgesamt 2,2 Mrd. Franken

2004: Abschluss des Ausbauprogramms mit dem Bau des neuen "Airside Center"

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen