
AKTIENFOKUS/ABB-Aktie nach Ventyx-Übernahme fest in schwachem Markt
Zürich (awp) – Die Aktie der ABB Ltd zeigt sich in einem schwächen Markt fest und hat wieder in die Pluszone gedreht. Nach einer unveränderten Eröffnung und anfänglich höheren Kursen hatten die Notierungen zwischenzeitlich etwas nachgegeben. Marktbeobachter führen die leichten Avancen vor allem auf die heute vorbörslich angekündigte Übernahme des US-Software-Unternehmens Ventyx zurück.
Der Kauf des auf Energiemanagement und Smart Grids spezialisierte Unternehmen für über 1 Mrd USD bei einem Umsatz von 250 Mio USD ergebe Sinn, heisst es unter Marktbeobachtern. Zudem habe ABB-CEO Joe Hogan an einer Telefonkonferenz betont, dass die Ventyx-Zahlen innerhalb der langfristigen Zielsetzungen von ABB lägen und er signifikantes Synergie-Potenzial sehe.
Bis um 10.25 Uhr steigen die ABB-Aktien um 0,9% auf 20,77 CHF. Der SMI gibt hingegen um 0,4% nach.
Die Übernahme von Ventyx wird von Analysten unisono begrüsst. Ventyx passe zur Strategie von ABB und biete beträchtliches Wachstumspotenzial schreibt Roger Steiner von Kepler in einem Kommentar. Allerdings sei der Kaufpreis schwierig einzuschätzen. Beim Potenzial verweist Steiner u.a. darauf, dass Ventyx 49 der grössten 50 Energie-Unternehmen zum Kundenstamm zähle. Mehr als 85% der Versorgungs- und Energie-Unternehmen weltweit würden Ventyx-Produkte einsetzen. Kepler bewertet ABB mit «Buy» (Kursziel: 25 CHF).
Panagiotis Spiliopoulos von der Bank Vontobel begrüsst die Übernahme von Ventyx ebenfalls, da es das Angebot von ABB im Bereich «Smart Grids» verbessere und das Softwaregeschäft stärke. «Auf den ersten Blick scheint der Preis angesichts des starken Wachstumspotenzials angemessen», so sein Kommentar. Er bestätigt das «Hold»-Rating, wird jedoch die Prognosen und das Kursziel von derzeit 25 CHF überprüfen.
Auch für Richard Frei von der ZKB ergibt die Ventyx-Übernahme einen Sinn. «Im Zuge der Modernisierung der Stromnetze in Richtung ‚Smart Grids‘, aber auch in Anbetracht der steigenden Anforderung an die Stromnetze ist die Übernahme von Ventyx ein Schritt in die richtige Richtung, da Software vermehrt eine tragende Rolle beim Netzwerkmanagement spielen wird», so sein Kommentar. ABB könne zudem sowohl den industriellen Kunden wie auch den Versorgern ein umfassenderes Angebot präsentieren. Den Kaufspreis beurteilt Frei als «angebracht», und die Akquisition entspreche den vom Management kommunizierten Kriterien. Die ZKB stuft die Aktie mit «Übergewichten» ein.
Die Experten der St. Galler Privatbank Wegelin bezeichnen die Übernahme als «interessante Ergänzung im grossen Zukunftsmarkt Energie». Der Aus- und Umbau der Energienetze dürfte in den Schwellenländern noch lange nicht beendet sein; in den reifen Märkten bestehe immer noch ein grosser Erneuerungsbedarf und werde die Bedeutung einer höheren Energieeffizienz wohl noch weiter zunehmen. Somit mache die Ventyx-Übernahme auf den ersten Blick durchaus Sinn, so Wegelin.
rt/ra