Allianz mit überraschend hohem Gewinn – Weiter keine Prognose (AF)
MÜNCHEN (awp international) – Europas grösster Versicherer Allianz wagt auch nach einem überraschend hohen Milliardengewinn im dritten Quartal keine Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Angesichts der Rezession und der starken Schwankungen an den Kapitalmärkten seien «zuverlässige Aussagen über das künftige Ertragsniveau nicht möglich», teilte der Dax-Konzern am Montag in seinem Zwischenbericht mit. Allerdings verfüge das Unternehmen über «eine gesunde Ausgangsbasis, um auch in Zeiten einer ’neuen Normalität'» mit niedrigen Renditen «solide Ergebnisse zu liefern», sagte Vorstandsmitglied Oliver Bäte. Im dritten Quartal hatte die Allianz vor allem von der Erholung an den Kapitalmärkten profitiert.
Die Allianz-Aktie reagierte mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Die Aktie legte zum Handelsstart um 3,52 Prozent auf 82,10 Euro zu. Ein Börsianer hob die Schaden-Kostenquote positiv hervor, die besser ausgefallen sei als erwartet. Ein weiterer Marktteilnehmer verwies auf die attraktive Dividendenrendite der Aktien.
ERWARTUNGEN ÜBERTROFFEN
In der Zeit von Juli bis September verdiente die Allianz unter dem Strich 1,3 Milliarden Euro, Analysten hatten lediglich mit 1,2 Milliarden Euro gerechnet, nachdem die Finanzkrise und die Probleme der verstossenen Tochter Dresdner Bank dem Konzern ein Jahr zuvor sogar einen Milliardenverlust eingebrockt hatten. Seit Jahresbeginn hat der Konzern nun bereits 3,2 Milliarden Euro verdient.
Das operative Ergebnis lag im dritten Quartal mit 1,9 Milliarden Euro knapp ein Viertel über dem Vorjahreswert und übertraf die Erwartungen der Branchenexperten. Der Umsatz wuchs um 4,3 Prozent auf 22,0 Milliarden Euro. Dabei konnte die Allianz ihr finanzielles Fundament weiter verbessern. Das Eigenkapital wuchs seit Jahresmitte von 34,5 auf 39,4 Milliarden Euro. Die Solvabilitätsquote verbesserte sich auf 164 Prozent, nachdem sie Ende Juni noch bei 159 Prozent gelegen hatte.
UNWETTER UND KREDITAUSFÄLLE BELASTEN
In ihrer wichtigsten Sparte, der Schaden- und Unfallversicherung litt die Allianz unter der Finanzkrise und einer «ungewöhnlich hohen» Zahl von Unwetterschäden. Im Kreditversicherungsgeschäft bekam der Konzern die hohe Zahl der Unternehmensinsolvenzen zu spüren. Das operative Ergebnis im Schaden- und Unfallgeschäft ging im Vergleich zum Vorjahresquartal um 18 Prozent zurück.
Die Prämieneinnahmen der Sparte sanken von 10,8 auf 10,2 Milliarden Euro. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr von 96,5 auf 96,9 Prozent, sodass die Schäden und Verwaltungskosten immer noch vollständig durch Beitragseinnahmen gedeckt waren. Nun will die Allianz die Produktivität der Sparte weiter erhöhen, was sich in den kommenden drei Jahren nach und nach in den Ergebnissen bemerkbar machen soll.
HÖHERE ERTRÄGE TROTZ NIEDRIGER ZINSEN
Die Lebens- und Krankenversicherung vervierfachte ihren operativen Gewinn auf 859 Millionen Euro, nachdem sie im Vorjahr schwer unter Abschreibungen infolge der Finanzkrise gelitten hatte. «Trotz eines deutlich niedrigeren Zinsniveaus wurden sowohl wachsende Erträge als auch sehr gute Margen erzielt», sagte Vorstandsmitglied Bäte. Die Sparte Financial Services profitierte in erster Linie vom Fondsgeschäft und verdoppelte ihren operativen Gewinn auf 332 Millionen Euro./stw/fn/zb