Gegen Arbeitszeit-Diktat
Die Gegner der 36-Stunden-Woche sehen durch die Gewerkschafts-Initiative Arbeitsplätze und den Wirtschafts-Standort Schweiz in Gefahr.
In den Augen des bürgerlichen Gegen-Komitees ist die Volksinitiative der Gewerkschaften «veraltet, gefährlich für die Arbeits-Plätze, schädlich für den Wirtschafts-Standort Schweiz». Die Vorlage kommt am 3. März vor das Volk.
Arbeitsplätze in Gefahr
Das «gewerkschaftliche Arbeitszeit-Diktat» mache Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Konsumenten zu Verlierern und komme zur denkbar falschen Zeit, sagte der freisinnige Berner Nationalrat Johann Schneider am Montag in Bern. Kürzere Arbeitszeiten trieben die Lohnkosten in die Höhe.
Was den Arbeitnehmern am meisten am Herzen liege, sei die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Diese hänge von der Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen ab. Die Arbeitszeitverkürzung aber treibe die Lohnkosten in die Höhe, gefährde die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Arbeitsplätze.
Sämtliche in- und ausländischen Erfahrungen belegten dies. So gebe SBB-Chef Benedikt Weibel unumwunden zu, dass die Einführung der 39-Stunden-Woche ein Fehlschlag gewesen sei. Sie habe zum Abbau von Dienstleistungen, Unzufriedenheit bei Personal und Kunden sowie steigenden Preisen geführt.
Und in Frankreich, erklärte FDP-Vertreter Schneider weiter, nehme die Zahl der offiziell registrierten Stellensuchenden trotz der 35-Stunden-Woche kontinuierlich zu.
Mehr Schwarzarbeit
Auch für den Genfer CVP-Nationalrat Jean-Philippe Maitre geht die Gleichung «weniger Arbeitsstunden gleich mehr Arbeitsplätze» nicht auf. Weil Löhne unter 7600 Franken nicht gekürzt werden dürften, würden unqualifizierte Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt.
Im Bereich der Stellen mit hoher Wertschöpfung wären dagegen Lohnkürzungen die Folge, weshalb der Arbeitsmarkt für Hochqualifizierte unattraktiver würde. Besonders betroffen von der Initiative wären laut Maitre kleine Unternehmen, die wenig Handlungsspielraum hätten.
Bei andern Stellen müssten die Löhne reduziert werden, sagte der Genfer weiter. «Die Initiative führt zu Schwarzarbeit und zum Verlust an sozialer Sicherheit.»
Keine Vorbilder für die Schweiz
Das Hauptanliegen der Initiative, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, sei ohne staatlichen Interventionismus weitgehend erreicht worden, sagte der Thurgauer SVP-Nationalrat Peter Spuhler.
Von den in Konkurrenz stehenden EU-Ländern hätten nur Belgien und Frankreich Höchstarbeitszeiten von weniger als 35 Stunden. Beide Länder seien von ihrer volkswirtschaflichen Performance kaum Vorbilder für die Schweiz.
Die Schweiz gehöre im OECD-Raum zu den Ländern mit den höchsten Lohnkosten. Dies erfordere eine entsprechend hohe Zahl der Arbeits-Stunden, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Die vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) lancierte Initiative war im November 1999 mit rund 108’000 gültigen Unterschriften eingereicht worden. Sie verlangt die schrittweise Einführung einer maximalen Arbeitszeit von durchschnittlich 36 Stunden pro Woche für alle.
swissinfo und Agenturen
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