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1 Euro für Beteiligung an LTU

Das Hickhack zwischen Swissair und UBS geht in die nächste Runde. Keystone Archive

Die Beteiligung der Swissair am deutschen Ferienflieger kann für einen symbolischen Euro verkauft werden. Zugleich machte Swissair erneut die UBS fürs Grounding verantwortlich.

Für rund 1,47 Franken (1 Euro) wird die im November 1998 eingegangene Swissair-Beteiligung an der deutschen LoMa-Beteiligungsgesellschaft mbH in Köln, die 100 Prozent der Düsseldorfer LTU hält, der Kölner Handelsgruppe REWE übertragen. Die teilte der Swissair-Sachwalter Karl Wüthrich mit. Der Preis der Beteiligung war nicht veröffentlicht worden.

Die REWE-Gruppe betonte hingegen, dass das Paket direkt von der Stadtsparkasse Düsseldorf übernommen werde. Das Kreditinstitut will die Anteil treuhänderisch bis zum Einstieg eines langfristigen Investors in den zweitgrössten deutschen Ferienflieger verwalten.

Mit dem Verkauf wird gegenseitig auf sämtliche Forderungen verzichtet. Ausgenommen sind Garantien der SAirGroup, insbesondere gegenüber Leasinggebern für die LTU-Flugzeuge. Gesamthaft verbleiben den Swissair-Gesellschaften Verluste von 500 bis 700 Mio. Franken. Gleichzeitig werden aber Verluste von schätzungsweise 1,285 Mrd. Franken vermieden.

Überdies werden die Swissair-Gesellschaften von der Verpflichtung entbunden, das gesamte finanzielle Risiko der LTU bis Ende 2005 zu tragen.

Sonderprüfung abbrechen?

Karl Wüthrich will den Abbruch der Sonderprüfung der Swissair. Die Aktionäre hätten durch die Eröffnung der Nachlass-Liquidation ohnehin kein Klagerecht mehr, schrieb der Sachwalter an Bundesrat und Parlament. Ein erweiterter Verantwortlichkeits-Bericht solle später erstellt werden.

Swissair-Rückblick: Corti verteidigt sich

Im Internet machte die Swissair die Grossbank UBS für das Grounding der Flotte verantwortlich. Die SAirGroup stellte eine siebenseitige Entgegnung an die Adresse der UBS ins Internet. Darin werden die Argumente zerpflückt, mit denen die Grossbank nach der Stilllegung der Swissair-Flotte vom vergangenen 2. Oktober ihren Image-Schaden zu begrenzen versuchte.

Noch liquide Mittel oder nicht?

Im Zentrum der Kontroverse steht die Frage der liquiden Mittel für den Swissair-Flugbetrieb an jenem Dienstagmorgen. Die UBS hatte am 8. Oktober ebenfalls im Internet die massiven Vorwürfe in aller Schärfe zurückgewiesen, wonach sie für das Grounding verantwortlich sei, weil sie dringende Wünsche der Swissair nach Liquiditätszufuhr abgewiesen habe.

Die Grossbank argumentierte, die Swissair habe an jenem Morgen auf UBS-Konten über substanzielle Mittel verfügt. Der unkoordiniderte Stilllegungs-Entscheid sei nicht nachvollziehbar.

Die SAirGroup bezeichnet dies nun einmal mehr als falsch. Die UBS sei damals in genauer Kenntnis des Umstands gewesen, dass ohne Liquiditätszufuhr im Laufe des 2. Oktobers ein Grounding unvermeidbar gewesen sei. Der enorme Schaden, der dadurch angerichtet worden sei, stehe in gar keinem Verhältnis zu dem finanziellen Effort, der hätte geleistet werden müssen, um ein Grounding zeitgerecht zu vermeiden.

Es entspreche in keiner Art und Weise den Tatsachen, dass die Swissair Group über genügend Liquidität verfügt hätte. Dies könne durch Bankbelege leicht bewiesen werden.

In Interviews des «Tages-Anzeigers» und des «Bunds» brach Corti zugleich sein wochenlanges Schweigen zur Swissair-Krise und sprach von Lügen und menschlicher Niedertracht, mit denen er konfrontiert sei. Er zeigte sich auch enttäuscht und persönlich sehr betroffen über das Verhalten von Crossair-Chef Moritz Suter.

In weiteren Interviews bezeichnete SAirGroup-Verwaltungsrat Benedecit Hentsch den von den beiden Grossbanken bezahlten Preis für die Übernahme der Crossair als lächerlich tief. Der SAirGroup-VR habe sich bei der Unterzeichnung unter Zwang gefühlt.

Insiderwissen ausgenutzt?

Zudem sei die UBS von einem Juristen beraten worden, der erst im April 2001 von der Swissair zur Grossbank gewechselt habe und wegen Insiderwissens und eines erheblichen Interessenkonflikts mit Sicherheit nicht an den Verhandlungen hätte teilnehmen dürfen. Eine Preisanpassungsklausel beziehungsweise eine Preiserhöhung sei mehrmals explizit abgelehnt worden, heisst es in der Stellungnahme der SAirGroup.

swissinfo und Agenturen

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