ABB: Gewinn 62% tiefer
Der schweizerisch-schwedische Technologiekonzern hat im ersten Halbjahr 2002 einen massiven Gewinneinbruch erlitten. Auch der Umsatz sank leicht. Die Börse reagierte hart: Der ABB-Aktienkurs fiel rasant.
Der Reingewinn ging im Vergleich zur Vorjahresperiode um 62% auf 101 Mio. Dollar (rund 150 Mio. Franken) zurück. Der Betriebsgewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) sei um 41% auf 368 Mio. Dollar zurückgegangen, teilte der Konzern am Mittwoch mit.
Der Umsatz reduzierte sich um 2% auf 10,9 Mrd. Dollar. Auch der Auftragseingang lag mit 11,9 Mrd. Dollar um 6% unter dem Vorjahresstand.
Analysten hatten einen Reingewinn von 174 bis 227 Mio. Dollar und einen Betriebsgewinn zwischen 419 und 460 Mio. Dollar erwartet. Dagegen übertraf ABB die Umsatzerwartungen von 10,6 bis 10,8 Mrd. Dollar leicht.
Die Börse reagierte in negativem Umfeld sehr schlecht auf die neuen ABB-Zahlen. Der Kurs fiel bisweilen um 40% (siehe Link).
Einmalige Abschreiber
«Die Erholung beim Auftragsvolumen, die wir schon im ersten Quartal beobachtet haben, setzte sich auch im zweiten Quartal fort, und vier Divisionen erzielten höhere Erträge», wird ABB-Chef Jörgen Centerman im Communiqué zitiert. Die Aufträge seien im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal um 10% gestiegen.
Negativ zu Buche schlugen allerdings im ersten Halbjahr Restrukturierungs-Kosten von 106 Mio. Dollar. Ausserdem seien einmalige Abschreibungen von 79 Mio. Dollar beim Geschäftsbereich Building Systems, in der Division Öl, Gas und Petrochemie sowie bei New Ventures angefallen, sagte Centerman an einer Telefonkonferenz.
Nach einem Gewinn von 114 Mio. Dollar im ersten Quartal wies ABB deshalb einen Reinverlust von 13 Mio. Dollar im zweiten Quartal aus.
Von den geplanten 12’000 Stellen seien bislang 10’900 abgebaut worden, sagte ABB-Chef Jürgen Centerman. Der Effekt werde im zweiten Halbjahr spürbar. Insgesamt arbeiten weltweit rund 150’000 Leute bei ABB.
Höhere Schulden
Die Nettoverschuldung sei im ersten Semester von 4,1 Mrd. auf 5,2 Mrd. Dollar gestiegen, teilte ABB mit. Allerdings hält der Konzern gemäss eigenen Angaben am Ziel fest, die Nettoverschuldung im Jahr 2002 gegenüber Ende des letzten Jahres um mindestens 1,5 Mrd. Dollar zu verringern.
Diese will ABB durch verbesserte Cashflow-Erträge, den Verkauf von Vermögen und ein aktives Portfolio-Management erzielen. Der Konzern hat im zweiten Quartal das schwedische Immobilienportfolio für 300 Mio. Dollar verkauft. Der angekündigte Verkauf des Geschäftsbereiches Structured Finance werde für das dritte Quartal erwartet.
20’000 Asbest-Klagen beigelegt
Bei den Asbest-Klagen hat ABB im ersten Halbjahr in 20’300 Fällen eine Einigung erzielt, davon in über 40% ohne eine Entschädigung zu bezahlen. Ende Juni 2002 seien noch 102’700 Klagen hängig gewesen gegenüber 93’500 Ende des letzten Jahres.
In der ersten Jahreshälfte seien 29’500 neue Klagen eingereicht worden gegenüber 29’300 im zweiten Halbjahr 2001. Die Beilegungskosten vor Versicherungs-Rückzahlungen seien auf 107 (69) Mio. Dollar gestiegen.
Öl- und Gas-Auftrag aus Russland
Noch am letzten Montag machte ABB positiv von sich reden: Der Konzern teilte mit, er habe einen Grossauftrag über 987 Mio. Dollar erhalten. ABB soll Verarbeitungsanlagen für die Erdöl- und Erdgasvorkommen sowie Hilfsanlagen auf der russischen Insel Sachalin im Ochotskischen Meer bauen.
Den Hauptteil der Projektarbeiten werde ABB allerdings an russische Unternehmen vergeben und in Zusammenarbeit mit Exxon Neftegas lokale Unterlieferanten bestimmen. Die Ölproduktion soll 2005 beginnen.
Das Projekt Sachalin 1 ist gemäss den Angaben das grösste ausländische Direktinvestitions-Projekt in Russland und hat regenerierbare Ressourcen von rund 2,3 Mrd. Fass Öl und 17 Billionen Kubikfuss Gas.
swissinfo und Agenturen
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