Börse: Berg- und Talfahrt
Die Talfahrt an den Börsen hat sich am Dienstag trotz einem gelungenen Start fortgesetzt. Es besteht zurzeit wenig Hoffnung auf Kurserholung.
Das Vertrauen an den Märkten ist wegen der Pleite des US-Telekom-Giganten WorldCom nach wie vor erschüttert. Nach hoffnungsvollem Anfang mit teils deutlichen Kursanstiegen kippten die Märkte wieder deutlich ins Minus.
Die Schweizer Börse sank nach den dramatischen Verlusten des Vortages erneut auf ein Fünfjahrestief. Das Börsenbarometer SMI verlor bis zum Handelsschluss 1,51% und fiel auf 4628,6 Punkte. Der breiter gefasste SPI liess 1,58% auf 3262,26 Punkte nach.
In der ersten Tageshälfte hatte der SMI an Kraft gewonnen und sich auf über 4800 Punkte gesteigert. Danach lösten sich die Gewinne jedoch in Luft auf.
Händler: Es ist enttäuschend
«Es ist enttäuschend», sagte ein Händler. Gehofft hatte der Markt auf eine nachhaltig positive Entwicklung der Aktienmärkte in den USA. Diese signalisierte jedoch keine Entspannung. Nach anfänglichen Gewinnen lahmte die New Yorker Börse wieder wie am Vortag.
An der Wall Street brach der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte um weitere 82,24 Punkte ein und wurde bei Börsenschluss nur noch mit 7.702,34 Punkten notiert. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 53,67 Zähler und sank auf 1.228,98.
Die Erschütterung ist nach der Pleite des US-Telekomkonzerns WorldCom gross. Der zweitgrösste US-Anbieter von Ferngesprächen hatte am Sonntag unter der Last von 41 Mrd. Dollar Schulden einen Insolvenzantrag gestellt. Daraufhin brachen die Aktienmärkte in den USA und Europa ein.
Versicherungen und Banken unter Druck
Erneut standen am Dienstag Versicherungen und Banken unter Druck. Bereits am Vortag waren die Versicherungstitel nach einer Gewinnwarnung des niederländischen Versicherers Aegon nach unten geprügelt worden und um bis zu 17% eingebrochen.
Analysten hatten darauf verwiesen, dass die Schweizer Versicherer im Branchen-Vergleich zum Teil deutlich höhere Aktienbestände hätten und nun bei fallenden Kursen entsprechend stark betroffen seien. Dazu kämen die immer wieder auftauchenden unternehmensspezifischen Probleme.
Die Bâloise verlor 3,7% auf 78 Franken, die Rentenanstalt büsste 8,52% auf 209,5 Franken ein, und Zurich Financial Services lag bei 156,5 Franken 5,72% unter dem Vortageswert. Die Swiss Re verlor 3,79% auf 108 Franken.
Die UBS gab 2,91% auf 56,8 Franken nach und die Credit Suisse Group büsste 4,5% auf 30,8 Franken ein.
Europaweites Klagelied
Europaweit drehten die Börsen nach anfänglichen Gewinnen ins Minus. Der Eurostoxx 50 vermochte in den ersten Handels-Stunden einen Zuwachs von 3,3% zu verbuchen, fiel aber im weiteren Handelsverlauf wieder ins Minus.
Die Erholung am Vormittag sei eben ein Strohfeuer gewesen, sagten Händler. Die Stimmung am Markt sei weiterhin von Ängsten vor weiteren Bilanzierungs-Skandalen, Pleiten und Gewinnwarnungen geprägt.
Laut Marktkennern wird die WorldCom-Pleite die Börsianer in den nächsten Tagen weiter beschäftigen. Zwar seien die Märkte bereits unterbewertet, doch heisse dies nicht, dass das Ende der Talfahrt bereits erreicht sei.
Einzig die asiatischen Börsen haben sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. In Tokio hatte die Börse ungeachtet der schwachen Vorgaben aus den USA leicht im Plus geschlossen. Der Nikkei-Index gewann 0,3%. Hongkong legte um 2% zu.
swissinfo und Agenturen
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