Börse: Talfahrt gebremst
Nachdem der WorldCom-Konkurs am Montag auch die Schweizer Börse belastet hatte, wurde die Talfahrt am Dienstag-Vormittag abgebremst. Auch andere europäische Börsen legten zu.
Die Schweizer Börse konnte am Dienstag-Vormittag wieder deutliche Gewinne verzeichnen. Der SMI kletterte nach seinem Fünfjahres-Tief vom Vortag bis am Mittag um 3,75% auf 4867,8 Punkte. Alle SMI-Titel hielten sich im Plus.
Vor allem Versicherungs-Werte konnten zulegen, nachdem sie in den vergangenen Tagen stark unter Druck geraten und am Montag bis zu 17% eingebrochen waren. Die grosse Euphorie herrsche aber am Markt noch nicht, hiess es. «Es ist nun zu hoffen, dass Anschlusskäufe erfolgen und der SMI die Aufwärts-Bewegung nicht verliert», sagte ein Händler.
Fünfjahres-Tief
Am Montag hatte der WorldCom-Konkurs auch die Schweizer Börse belastet, die auf einem Fünjahres-Tief schloss. Dass der Tag nicht noch schwärzer ausgefallen war, war offenbar auf die guten Novartis-Ergebnisse zurückzuführen. Insgesamt gab der SMI am Montag um 5,5% nach.
Der Aktienmarkt stand somit in Anschluss an die vergangene Woche weiterhin im Minus. Der WorldCom-Konkurs und das Gerücht über eine mögliche Leitzins-Senkung des Franken belasteten am Montag den Handel.
Der US-Telekomkonzern WorldCom hatte mit dem grössten Insolvenzantrag in der US-Geschichte die Börsen am Montag ziemlich stark erschüttert. Der Dow-Jones-Index erreichte mit einem Schlussstand von 7784,44 den niedrigsten Stand seit Oktober 1998.
Verlierer: Swiss Life, Zurich
Zu den grossen Verlierern dieses Montags gehören Swiss Life, Zurich Financial Services, Kudelski und Bâloise. Auch Banken, Bau, Auto, Energie und Transporte gaben nach. UBS, Julius Bär und Vontobel verloren Terrain. Versicherungswerte befanden sich international unter starkem Druck.
Der Kursrückgang der Zurich soll gemäss Börsengerüchten neue Käufe der Deutschen Bank zur Folge haben. Möglicherweise baut sich die Deutsche Bank still eine Beteiligung auf, wie die Beobachter von Rahn & Bodmer vermuten (die Aktie gab um 15.75 auf 183.25 nach).
Die Schweizerische Rück (Swiss Re) will nicht wie andere Versicherer Gewinnwarnungen publizieren. Das Kerngeschäft gebe dazu keinen Anlass, «das Versicherungsgeschäft entwickelt sich gut», so der Konzernsprecher. Die Prämien im Sach- und Schadenbereich seien im Steigen begriffen (-4,75 auf 114.25).
Schon jetzt scheint sicher zu sein, dass der Verlauf der neusten Börsenwoche nicht prognostizierbar ist. Die Volatilität wird wohl anhalten, weil das Vertrauen zerstört ist, egal wie die Resultate ausschauen.
Verflochtene Verwaltungsrats-Kaste
Vor lauter Kurselend schreckt man in den Führungsetagen der Schweizer Grossfirmen auch vor dem Abschlachten heiliger Kühe nicht mehr zurück. Das gegenseitige Einsitznehmen in die Verwaltungsräte der Unternehmen untereinander wird nun plötzlich auch von Firmensprechern mit kritischem Blick bedacht. Denn während Schweizer Aktionäre noch damit leben konnten oder mussten, akzeptieren internationale Anleger diese helvetische Verflechtung der Verwaltungsrats-Kaste viel weniger.
Das Ganze wird vor dem Hintergrund der gerade vorherrschenden «Corporate Governance»- und Transparenz-Diskussion abgehandelt. Und dürfte das schweizerische Pendant zur amerikanischen Unsitte der «Bilanzierungs-Kreativität» abgeben. Beides sollte, falls es je durchgeführt wird, das Preispotenzial positiv beeinflussen.
Dickes Minus in Frankfurt, London und New York
Die Pleite von WorldCom hatte die Aktienmärkte auch weltweit erneut unter Druck gesetzt. Der deutsche Aktienindex DAX verlor am Montag 5,15% oder 200 Punkte auf 3.691 Zähler. Der Nemax50 schloss um 12,26 Punkte oder 2,25% leichter. An der Wall Street fiel der Dow-Jones-Index zum Bösenschluss um 2,93%; auch der Nasdaq gab um 2,77% nach.
Alexander P. Künzle und Agenturen
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