Börsen weiter auf Tauchgang
Die Talfahrt an der Schweizer Börse hat am Donnerstag unvermindert angehalten. Unter Druck standen vorab Finanzwerte.
Die Stimmung war wegen Bilanz-Manipulationen in den USA auch in London, Paris und Frankfurt miserabel.
«Es ist ein tristes Bild», sagte ein Händler. Die Anleger haben im Zuge der Bilanz-Unregelmässigkeiten in den USA das Vertrauen weitgehend verloren.
Das Börsenbarometer SMI sank bis am Nachmittag um 3,73% auf 5560 Punkte. Dies nachdem er schon am Vortag deutlich nachgelassen hatte. Ein Absacken auf einen neuen Jahrestiefsstand wurde nicht ausgeschlossen.
Ausser dem Biotechunternehmen Serono (+5,19%) und dem Agrochemiekonzern Syngenta (+/- 0) verloren sämtliche SMI-Titel an Wert. Besonders Finanztitel wie die Zurich Financial Services, die Credit Suisse Group (CSG) und die Rentenanstalt standen erneut unter erheblichem Druck.
Versicherer doppelt gebeutelt
Allgemein sehen Anleger die Versicherungen doppelt unter der Börsenschwäche leiden. Die schlechte Stimmung frisst die in Aktien angelegten Reserven der Gesellschaften auf – und das zu einem Zeitpunkt, in dem im Zusammenhang mit den Attentaten in den USA hohe Schadensforderungen anstehen.
Zurich verlor bis am Nachmittag 12,16% auf 227,5 Franken. Händler führten diese Entwicklung vorab auf technische Gründe zurück. Doch es gibt auch andere Signale: Zurich Schweiz habe im Rahmen eines Kostensenkungs-Programms einen Einstellungsstopp verhängt, bestätigte Zurich-Sprecher Peter Sommer Gerüchte im Markt.
Am Donnerstag ist die Zurich auf den tiefsten Stand seit 1994 gesunken. Die Aktien der Zurich Financial Services sind im Vergleich zum Jahresanfang rund 40% weniger wert.
Diskussionen um Senkung des BVG-Satzes
Bei der Rentenanstalt drückten die Diskussionen um den BVG-Mindestsatz die weitere Kursentwicklung. Im Markt kursierten Gerüchte, wonach der Bundesrat die angekündigte Senkung des Mindestsatzes für die berufliche Vorsorge von 4 auf 3% wieder verwerfen könnte.
Die Titel der Rentenanstalt liessen um 9,24% auf 314 Franken nach. Die Bâloise verminderte sich um 2,06% auf 106,75 Franken. Die Credit Suisse Group verlor 6,86% auf 40,05 Franken und die UBS büsste 3,4% auf 69,55 Franken ein.
Auch die Rückversicherungen kamen unter Druck. Die Swiss Re büsste 6,97% auf 126,75 Franken ein. Merrill Lynch stufte die Gesellschaft sowie Branchenführer Münchner Rück zurück. Merrill erklärte, die Titel seien möglicherweise überbewertet und künftige schlechte Nachrichten seien nicht auszuschliessen.
Europäische Börsen unter Druck
Nach den schlechten Vorgaben in den USA litten am Donnerstag auch andere europäische Börsen. Die Plätze in Frankfurt, Paris und London zeichneten die schweren Verluste der New Yorker Börse nach. So liess auch der Eurostoxx-Index der wichtigsten europäischen Standardwerte nach. Die generelle Angst vor weiteren Bilanz-Manipulationen sei in den Köpfen und belaste den Markt, hiess es.
Im Handel sieht es nicht danach aus, als ob die Talfahrt in den USA am Donnerstag gebremst werden könnte. Die neueste Meldung über Bilanz-Unregelmässigkeiten betrifft den US-Pharmakonzern Bristol-Meyers Squibb. Der «Financial Times» zufolge untersucht die US-Börsenaufsicht SEC, ob das Unternehmen seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 1 Mrd. Dollar künstlich aufgebläht hat.
swissinfo und Agenturen
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