Brand im Gotthard (alt)
Bei einem Unfall im Gotthard-Tunnel wurden mindestens zehn Menschen getötet. Starke Rauchentwicklung behindert die Rettungsarbeiten. Der Tunnel dürfte mehrere Tage lang gesperrt bleiben.
Am Mittwochmorgen gegen zehn Uhr sind einen Kilometer vor dem Tessiner Südportal des Gotthard-Tunnels zwei Sattelschlepper frontal aufeinander geprallt. Der eine hatte alte Pneus geladen, der andere Isoliermaterial.
Feuer und starke Rauchentwicklung hinderten die Rettungskräfte mehrere Stunden lang, zum Unfallort vorzustossen. Die Bevölkerung von Airolo wurde aufgefordert, in den Häusern zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten.
Feuer bis am Abend nicht gelöscht
Das Feuer im Tunnel noch konnte laut Angaben der Polizei bis am frühen Abend nicht gelöscht werden. Man habe wegen der Hitze und der starken Rauchentwicklung grosse Probleme, sich den brennenden Autos zu nähern. Nach dem Unfall ereignete sich im Tunnel zudem eine starke Explosion. Das Feuer habe auf einer Länge von bis zu 300 Metern gewütet. Die Decke im Tunnel stürzte auf einer Länge von 100 Metern ein.
Überlebender Chauffeur gerammt
Der Chauffeur eines der beiden Lastwagen, die in den Unfall verwickelt waren, überlebte. Er gab an, ein entgegenkommender Lastwagen habe ihn gerammt. Dieser sei darauf gegen die Tunnelwand geprallt und der Lenker in der Kabine eingeklemmt worden.
Zur Zeit des Unfall befanden sich laut Polizei rund 200 Fahrzeuge im Tunnel. Ein Grossteil der Autos konnte wenden und nordwärts ins Freie fahren. In südlicher Richtung mussten die Autolenker über den Rettungs-Stollen zu Fuss flüchten.
Die Behörden gaben bekannt, dass es auf der Südseite 28 Autofahrern im Fahrzeug und 24 zu Fuss gelungen sei, den Tunnel nach dem Unfall zu verlassen.
Weiter wurde erklärt, dass bisher acht Personen,
darunter ein Feuerwehrmann, mit starken Rauchvergiftungen ins Spital gebracht worden seien.
Verkehrschaos am San Bernardino
Laut ersten Schätzungen der Polizei bleibt der Gotthard-Tunnel während mehrerer Tage gesperrt. Weiter wurde die Autobahn A2 bei Bellinzona gesperrt. Der Personenverkehr wird ab Göschenen über den Gotthardpass umgeleitet. Der Schwerverkehr wird grossräumig auf die die San-Bernardino-Route umgeleitet.
Dies führte bereits am frühen Nachmittag zu Auswirkungen am San-Bernardino: Auf der Südrampe herrschte stockender Kolonnenverkehr Richtung Norden.
Militär in den Tunnel?
VBS-Chef Samuel Schmid ist bereit, Einheiten der Armee an die Unglücksstelle am Gotthardtunnel zu entsenden. Eine solche Anfrage sei jedoch bis am Nachmittag nicht eingetroffen, liess das VBS verlauten.
Verkehrs-Minister geschockt
Bundespräsident Moritz Leuenberger hat den Unfall im Gotthard-Tunnel als sehr tragisch bezeichnet. Mit Bestürzung habe er davon erfahren müssen, sagte der Verkehrs-Minister. Er lasse sich laufend über die Rettungsarbeiten informieren.
Leuenberger betonte, dass dank der Sicherheitsröhre der Tunnel nicht zu einer Feuerfalle geworden sei wie beim Unfall im Mont Blanc-Tunnel. Viele Menschen hätten den Tunnel über den Stollen verlassen können. Auch sei der Rauch durch die Lüftung abgesogen worden.
Im März 1999 waren 39 Menschen im Mont Blanc Tunnel in einem Feuer ums Leben gekommen. Der Tunnel soll in Kürze wieder geöffnet werden – dies nach breiten Diskussionen über die Sicherheit der Strassentunnels.
swissinfo und Agenturen
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