Bundesrat mit Wirtschaft: «Neue Airline möglich»
Bundesrat und Wirtschaft halten den Aufbau einer neuen Schweizer Airline für möglich. Wie die rund vier Mrd. Franken Kapital zusammenkommen, bleibt jedoch unklar.
Während knapp vier Stunden diskutierten am Donnerstag-Nachmittag Bundespräsident Moritz Leuenberger, die Bundesräte Kaspar Villiger und Pascal Couchepin mit Vertretern der Wirtschaft und dem Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ruedi Jeker im bundesrätlichen Landsitz in Lohn bei Kehrsatz. Wer die hochkarätigen Manager waren, welche die Wirtschaft vertraten, blieb geheim.
Das Treffen sei sehr konstruktiv verlaufen, sagte Villigers Mediensprecher Daniel Eckmann. Trotz noch abzuwägender Risiken und offener Finanzierungsfragen liege eine positive Lösung im Bereich des Möglichen, sagte er.
Flag-Carrier mit Übersee-Routen
Die Gruppe aus Politik und Wirtschaft einigte sich darauf, dass sie das Ziel einer neuen nationalen Fluggesellschaft mit Übersee-Flügen gemeinsam erreichen will. Weiter entschieden sie, dass eine Finanzierung durch die öffentliche Hand, die Grossbanken und massgebliche Beiträge aus der Privatwirtschaft zusammen geleistet werden müsse, erklärte Eckmann.
Dass sich eine Lösungs-Möglichkeit abzeichne, bekräftigte die Bundeskanzlei am Abend nochmals im Namen des Gesamtbundesrats. Dieser hatte sich nach dem Wirtschaft-Treffen zu einer Sondersitzung eingefunden.
Kapital ja, aber woher?
Offen blieb jedoch vier Tage vor dem Ablauf der Frist, wer wie viel vom nötigen Kapital von rund vier Mrd. Franken einschiesst.
Auf Bundesseite steht offenbar die Finanzierung der Überbrückung des reduzierten Langstreckenflugbetriebs der Swissair während des Winterflugplans im Vordergrund. Dieser dauert bis Ende März 2002 und kostet nach dem Businessplan von Crossair-Chef Andre Dose bis zu 1,7 Mrd. Franken.
Hinzu kommen fehlende 0,8 bis 1,5 Mrd. Franken für die Rekapitalisierung der neuen Airline. Hier sind die bereits von den Banken zugesagten 350 Mio. Franken nicht eingerechnet.
Ebenfalls nicht berücksichtigt sind bei diesen Zahlen laut EFD-Sprecher Eckmann die Aufbaukosten für die Interkontinental-Flüge der neuen Gesellschaft. Experten rechnen hierbei mit einigen hundert Mio. Franken.
Kantone sollen mitzahlen
Bei der Rekapitalisierung will der Bund auch die Flughafenkantone in die Pflicht nehmen. Aus Zürich kam hier am Donnerstag erstmals ein positives Signal: «Wenn sich alle offen zeigen, ist auch Zürich offen», hiess es im Volkswirtschaftsdepartement.
Die beiden Basler Halbkantone hatten schon früher ein bescheidenes Mitziehen bei der Kapitalerhöhung der Crossair in Aussicht gestellt.
Neuer Name nach nächstem Treffen?
Ein weiteres Treffen zwischen der dreiköpfigen Bundesratsdelegation und den Wirtschaftsführern ist über das kommende Wochenende geplant. Neben der Finanzierung sind auch noch Rechtsfragen sowie der Name der neuen Airline zu klären.
Piloten verzichten auf Lohn
Ein positives Signal kam ferner von den Swissair-Piloten, die in der umstrittenen Lohnfrage ein substanzielles Entgegenkommen zusicherten.
Petition für eine neue Swissair
Angestellte der Swissair haben am Donnerstag beim Bundesrat eine Petition zur Rettung ihrer Fluggesellschaft eingereicht. Über 30’000 Mitarbeitende haben die vor zwei Wochen lancierte Eingabe unterschrieben. Sie verlangen darin finanzielle Unterstützung der neuen Airline durch den Bund.
swissinfo und Agenturen
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