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Daten aus Blackboxes sind brauchbar

Rettungskräfte vor dem Wrack der am 24. November abgestürzten Crossair-Maschine. Keystone Archive

Die Blackboxes des abgestürzten Crossair-Jumbolino liefern zwar lesbare Daten, die Absturz-Ursache liegt aber weiterhin im Dunkeln.

Die Daten sollen laut Jean Overney, dem Chef des Büros für Flugunfalluntersuchung (BFU), noch in der Nacht auf Donnerstag aus dem Speziallabor in Paris in die Schweiz zurückgebracht werden. Sie müssen auf einander abgestimmt und weiter ausgewertet werden.

Wie Overney ausführte, haben Pilot und Co-Pilot für ihre Unterhaltungen Kopfhörer und Mikrofon benutzt: Die Gesprächs-Aufzeichnungen seien von guter Qualität. Immerhin konnte jetzt geklärt werden, welcher Pilot den Anflug auf Piste 28 des Flughafens Zürich-Kloten ausgeführt hatte, erklärte Overney. Namen nannte er nicht.

Brauchbare Auskünfte hätten auch die überlebenden Crewmitglieder gemacht, sagte BFU-Mitarbeiter Daniel Knecht. Auch überlebende Passagiere seien bereits befragt worden. Eine Medienorientierung zum Stand der Untersuchungen wurde auf Freitag, 08.00 Uhr, angesetzt.

Keine Probleme mit den Jumbolinos

Die Crossair unterzog unterdessen alle ihre Jumbolinos umfassenden Tests. Dabei seien keine Ungereimtheiten oder Probleme aufgetaucht, teilte die Airline mit. Einem Systemtest unterzogen wurden unter anderem Höhenmesser und Radio-Höhenmesser sowie das Flugleitungs- und das Navigationssystem.

Die Unglücks-Maschine gehörte zu denjenigen Jumbolinos, die noch nicht mit dem modernsten Hindernis-Warn-System ausgerüstet sind. Bis im nächsten Frühling ist laut Crossair-Sprecher Andreas Schwander bei allen Maschinen der Gesellschaft das System an Bord.

Am Mittwoch-Nachmittag hatte die Crossair Schreck-Sekunden zu überstehen: Eine ihrer neuen Embraer RJ 145, die mit 18 Passagieren und drei Crew-Mitgliedern aus dem polnischen Krakau nach Zürich flog, meldete im Landeanflug Rauch an Bord.

Die Maschine konnte normal landen. Die Passagiere wurden nach dem Schrecken betreut.

Drehfunkfeuer funktioniert bestens

Gemäss BFU-Chef Overney haben die Vermessungen der Piste 28 keinerlei Unregelmässigkeiten ergeben. Das Drehfunkfeuer funktioniere nach Angaben der französischen Zivilluftfahrt-Behörde, welche die Tests als neutrale Instanz durchführte, einwandfrei. Den Entscheid über eine Wiederröffnung der Piste 28 trifft das zuständige Departement, das UVEK.

Wie der BFU-Chef weiter sagte, verzögert sich der Bericht über den ersten Absturz einer Crossair-Maschine bei Nassenwil (ZH) vom 10. Januar bis im Frühjahr 2002. Die BFU-Leute schafften die Fertigstellung zum geplanten Termin Ende 2001 wegen der neuen Untersuchung nicht.

Swissair-Piloten verteidigen VOR-Anflugverfahren

Die Vereinigung des Swissair-Cockpitpersonals (Aeropers) verteidigte das nach dem Absturz als weniger sicher kritisierte VOR-Anflugverfahren. Dieses Standard-Verfahren mit dem «Non-Precision Approach» komme nicht nur auf der Piste 28 in Kloten, sondern beispielsweise auch auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen zur Anwendung.

Den Ostanflug auf den Flughafen Kloten generell für heikel hält die Bürgerinitiative «Fluglärmsolidarität» – und zwar auch mit einem Instrumenten-Landesystem (ILS). Eine sicherere Alternative sei der Anflug aus dem Süden. Der Ostanflug führe über ungünstiges Gelände mit Hügelzügen und Taleinschnitten.

Fahnen auf Halbmast

Als Ausdruck der Anteilnahme am Unglück der Betroffenen hat der Bundesrat beschlossen, am Donnerstag auf sämtlichen Gebäuden des Bundes in der Schweiz die Fahnen auf Halbmast setzen zu lassen. Vize-Bundespräsident Kaspar Villiger vertritt im übrigen die Landesregierung bei der Trauerfeier am Nachmittag im Basler Münster.

Millionenklage droht

Der New Yorker Spezialist für Sammelklagen Ed Fagan will eine Millionenklage vorbereiten. Er sagte der Schweizer Tageszeitung «Blick» am Mittwoch, wenn die Schuldfrage geklärt sei, könne man klagen.

Nach Ansicht von Fagans Europa-Vertreter könnte der Schadensersatz für Opfer und Überlebende bei 25’000 US-Dollar für jede von «90 Sekunden Horror» liegen. Bei 33 Menschen, die an Bord der Unglücksmaschine waren, macht dies insgesamt 74,3 Mio. US-Dollar aus.

swissinfo und Agenturen

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