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Demission des Crossair-Verwaltungsrates

Moritz Suter geht. swissinfo.ch

Der Verwaltungsrat der Crossair hat an der ausserordentlichen GV in corpore demissioniert - und damit auch Moritz Suter. Er verzichtet auch auf das Ehren-Präsidium der neuen Schweizer Airline. swissinfo und SF DRS übertragen die GV LIVE.

Basel, St. Jakobshalle – Ort der ausserordentlichen Generalversammlung der Crossair. «Eine Kinderei ist das, was da abgeht. Es ist unbegreiflich, dass die den Suter nicht mehr wollen. Der Mann ist doch echt kompetent», entsetzt sich vor Beginn der Versammlung ein Crossair-Kleinaktionär aus Muttenz. Und seine Frau doppelt nach: «Moritz Suter hat die Crossair zu dem gemacht, was sie heute ist. Die Zürcher machen unser Vertrauen kaputt. Viele Basler werden ihre Aktien abstossen, wenn Suter nicht mehr dabei ist.»

Die GV bildet das Startsignal zum Neubeginn der Schweizer Luftfahrt, den der Bund nach dem Swissair-Debakel durch sein Milliarden-Engagement ermöglicht hat. Das Kapital der Crossair soll von 328,5 Mio. Franken auf maximal 2790,5 Mio. Franken erhöht werden. Daneben steht von den 11 Punkten der Traktandenliste vor allem eines im Vordergrund: die Wahl des neuen Verwaltungsrates. Wird der derzeitige Crossair-Verwaltungsratspräsident Moritz Suter auch im neuen Verwaltungsrat Einsitz nehmen? Der Steuerungsausschuss unter Rainer E. Gut hat in seinem Vorschlag für den 11-köpfigen neuen Verwaltungsrat Moritz Suter nicht vorgesehen.

Der Grund: Crossair-Gründer habe zwar unbestrittene Qualitäten. Er gelte jedoch als Patron alter Schule, der keine Gelegenheit ausgelassen habe, um der stolzen Swissair eins auszuwischen. Suters provokative Ader laufe der Bemühung entgegen, die zwei unterschiedlichen Kulturen Swissair und Crossair zusammenzuführen. Moritz Suter hat bisher auf seinem Amt bestanden und will sich auch nicht mit dem Amt eines Ehrenpräsidenten abfinden.

4490 Aktionäre haben sich zur GV angemeldet. Ab 12.00 Uhr begannen sie die riesige Halle zu bevölkern. Viele Aktionäre und auch zahlreiche Helfer tragen ein rot blinkendes Herz auf der Brust. «Dieses Herz schlägt für Moritz Suter», erklärt eine Crossair-Angestellte, die heute als Einweiserin aushilft. Und was geschieht mit dem Herz, wenn Suter abdankt? «Darüber habe ich noch nicht nachgedacht.»

Melancholische Melodien durchziehen den Saal – ein Armeespiel wechselt sich mit einer Sängerin mit Klavierbegleitung ab. Ein älterer Aktionär aus Zürich erklärt, man könne nicht wissen, was da komme. Dann aber spricht aus ihm der erfahrene Besucher von Aktionärsversammlungen: «Ich kenne derartige Vorgänge vom Brauerei-Gewerbe her. Am Ende wird es auch bei der Luftfahrt so sein, dass das geballte Kapital unsere Emotionen hinwegfegt.» Im Klartext: Die beiden Grossbanken UBS und CSG werden die Kleinaktionäre überstimmen – mit einem Entscheid gegen Suter.

Den Securitaswächter im Gang auf der rechten Seite schert sich wenig um das Verhältnis zwischen Emotion und Kapital. «Ich erwarte keine Tumulte. Das ist eine Veranstaltung, wie viele andere auch.»

Ein beträchtlicher Teil der Basler Öffentlichkeit und mehr als zwei Drittel der Crossair-Belegschaft erklärten sich mit Suter solidarisch. Seine Erfahrung und sein Netzwerk seien für die Schweizer Luftfahrt der Zukunft unentbehrlich. Der achtzigjährige Basler Galerist Ernst Beyeler brachte für die Sache Suters in Windeseile über 50’000 Unterschriften zusammen.

Der Steuerungsausschuss um Gut argumentiert, dass der alte Verwaltungsrat am 22. Oktober erklärt hat, «auf die bevorstehende ausserordentliche Generalversammlung hin in corpore seine Mandate zur Verfügung zu stellen, um die Neuwahlen des Verwaltungsrates zu erleichtern». Bisher hatte jedoch keiner der bisherigen Verwaltungsräte diese Erklärung wahrgemacht.

Felix Münger, Basel

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