Deutliche Lohnunterschiede
Ungeachtet ihrer Qualifikation verdienen Frauen 21,3% weniger als Männer. Auch Ausländer verdienen bis zu 15% weniger als Schweizer.
Die Lohndifferenzen gehen aus der alle zwei Jahre durchgeführten Lohnstruktur-Erhebung 2000 des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Der Brutto-Monatslohn betrug danach im Mittel 5’220 Franken.
Hartnäckige Ungleichheiten
Die Differenzen zwischen Frauen und Männern würden sich hartnäckig halten, schreibt das Bundesamt. Im letzten Jahr verdienten die Frauen im privaten und öffentlichen Sektor 21,3% weniger als ihre männlichen Kollegen. 1998 waren es 21,5% gewesen.
Die Unterschiede wurden ungeachtet des Anforderungs-Niveaus festgestellt. So betrug der Brutto-Monatslohn der Frauen in Stellungen mit höchstem Qualifikations-Niveau 8’288 Franken, während die Männer 10’303 Franken erhielten. Auf der tiefsten Anforderungsstufe verdienten die Frauen im Schnitt 3’700 Franken, die Männer hingegen 4’522 Franken.
Auch die meisten Ausländerinnen und Ausländer sind schlechter bezahlt als ihre Schweizer Arbeitskollegen. Sie haben bis zu 15% weniger in der Lohntüte. Einzig ein Teil der hochqualifizierten ausländischen Arbeitskräfte ist bessergestellt.
Grosse Branchen-Unterschiede
Die Lohn-Niveaus klaffen auch je nach Branche stark auseinander. Zwischen den Hoch- und den Tieflohnbranchen hat das BFS Unterschiede von bis zu 3’000 Franken brutto pro Monat festgestellt.
Deutlich über dem schweizerischen Mittelwert von 5’220 Franken lagen zum Beispiel die Maschinenindustrie (5’750 Franken), die Versicherungen (6’504 Franken), die chemische Industrie (6’842 Franken) sowie die Banken (7’190 Franken).
In der Mehrheit der Branchen bewegte sich der monatliche Bruttolohn zwischen 4’500 und 5’500 Franken, so im Gesundheitswesen (5’076 Franken) und im Baugewerbe (5’108 Franken).
Löhne deutlich unter dem schweizerischen Durchschnitt wurden hingegen u.a. im Detailhandel (4’009 Franken) und im Gastgewerbe (3’519 Franken) ausbezahlt.
Real ein Nullwachstum
Gegenüber der letzten Erhebung 1998 stieg das Lohnniveau um 2,3% oder 116 Franken. Wird allerdings die Teuerung berücksichtigt, ergab sich ein Nullwachstum, wie der stellvertretende BFS-Dirktor Felix Herzig sagte. Für das laufende Jahr wird mit einem Plus von nominal 2,5% gerechnet.
Grosser Nachholbedarf
André Daguet, Vizepräsident der Gewerkschaft SMUV, sagte an einer Podiumsdiskussion nach der Medienkonferenz, dass hier ein grosser Nachholbedarf bestehe. Mehr als zwei Drittel der Frauen verdienten netto maximal 4’000 Franken pro Monat. Die Frauenförderung sei nach wie vor ungenügend.
Daniel Hefti, Vizedirektor des Schweizerischen Arbeitgeberverbands entgegnete, dass sich in den letzten zehn Jahren «eine enorme Dynamik» entwickelt habe. Mit der demographisch bedingten Verknappung bei den Arbeitskräften sei eine weitere Besserung zu erwarten. Es liege im Interesse der Arbeitgeber, Frauen besser zu entlöhnen und zu fördern.
swissinfo und Agenturen
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