Einigung
Der neue GAV für die Fluggesellschaft Swiss soll bis Ende Ende 2005 gültig sein. Darauf haben sich die Crossair und der Swissair-Pilotenverband Aeropers geeinigt.
Dies teilten beide Seiten am Donnerstag vor den Medien am Flughafen Zürich mit. Der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) sei «weitgehend» in gemeinsamen Gesprächen von Crossair, Aeropers und dem Crossair-Pilotenverband CCP erarbeitet worden. Vor der letzten Verhandlungsphase habe sich der CCP von den Gesprächen zurückgezogen, hiess es weiter.
Zentrales Element des neuen GAV sei ein gemeinsames Salärsystem und Karrieremodell. Eine einheitliche Ferien- und Pensionskassen-Regelung für sämtliche Swiss-Piloten werde so schnell wie möglich eingeführt, hiess es am Donnerstag, nachdem die Einzelheiten schon am Vortag in einem Brief von Crossair-Chef André Dosé an den CCP durchgesickert waren.
Erhebliche Verbesserungen
Die Crossair wolle ihren eigenen Piloten dieselben Vorschläge machen und hoffe, dass der CCP diese positiv beurteilen werde. Der neue GAV würde den Crossair-Piloten «erhebliche Verbesserungen» gegenüber heute bieten, hiess es weiter.
Die Crossair-Piloten würden künftig mehr verdienen, und die Ferienregelung werde «stufenweise nach oben angepasst», gab Crossair-Personalchef Kurt Renggli bekannt. Auch die Pensionskassen-Leistungen seien besser als unter dem geltenden GAV. Zudem könnten die Piloten bis zum Langstreckenpiloten aufsteigen.
Der CCP war am Sonntag aus den Gesprächen ausgestiegen, weil er das vorgesehene Lohnsystem als unfair betrachtete. Es bevorteile die Piloten der ehemaligen Swissair auf Kosten der Crossair-Piloten, hatte der CCP kritisiert.
Kein Kommentar vom CCP
Die nun vorgelegten Eckwerte könne der CCP nicht kommentieren. Denn «die Crossair hat uns nicht einmal das zugestellt, was sie illegalerweise mit Aeropers ausgehandelt hat», sagte CCP-Verbandspräsident Thomas Häderli.
Aeropers sei kein Verhandlungspartner für die Crossair, Verhandlungspartner sei vielmehr der CCP. Vor rund zwei Wochen habe der CCP deshalb die Fluggesellschaft beim Schiedsgericht in Basel wegen Vertragsbruchs verklagt.
Weniger Lohn für Swissair-Piloten
Für die Swissair-Piloten bedeuten die gemäss dem Business-Plan Phoenix Plus ausgehandelten GAV-Eckwerte Einbussen. Sie müssten 35% weniger Lohn in Kauf nehmen. Ausserdem würden auch die Spesen gekürzt.
«Diese Massnahmen schmerzen uns», sagte Aeropers-Geschäftsführer Christoph Ulrich. Aber auch die Swissair-Piloten wollten einen Beitrag leisten, dass Swiss einen möglichst optimalen Start habe und international konkurrenzfähig sei.
Swiss will grosser Luftfahrtallianz beitreten
Noch vor dem offiziellen Abheben der neuen Schweizer Fluggesellschaft am 31. März wird Swiss einer der drei grossen Luftfahrt-Allianzen beigetreten sein. Dies versicherte Crossair-Chef André Dosé am Donnerstag vor dem Cercle lausannois de la presse.
«Wir befinden uns in intensiven Verhandlungen mit zwei der drei grossen Luftfahrtallianzen. Ich werde mich am kommenden Wochenende um den Feinschliff kümmern. Ich bin überzeugt, dass wir noch vor dem 1. April ein entsprechendes Abkommen unterzeichnen werden», sagte Dosé.
Eine solche Partnerschaft würde die Swiss in mehreren Ländern zur Nummer Zwei oder Drei aufrücken lassen, fügte er hinzu. Es gehe auch darum, einen privilegierten US-Partner zu finden. «Wir müssen unsere Kunden auf ein gut ausgebautes US-Netz bringen und im Gegenzug in Europa auf US-Gäste zählen können», sagte der Crossair-Chef weiter.
Swiss ist ein «neues Produkt»
17 Tage vor dem Abheben der neuen Fluggesellschaft drückte Dosé seine Überzeugung aus, dass das gesamte Aktienkapital von 2,73 Mrd. Franken einbezahlt worden ist. «Die Swiss ist in der Rekordzeit von nur gerade vier Monaten ins Leben gerufen worden, und dies in einem ausgesprochen schwierigen Bereich. Die Swiss wird mit Bestimmtheit planmässig abheben, auch wenn noch einige Einzelheiten geregelt werden müssen», sagte Dosé.
Der 45-jährige Crossair-Chef, der seine Karriere bei der Swissair begonnen hatte, glaubt fest an ein langes Leben der Swiss: «Einige Experten behaupten, dass es in Europa in absehbarer Zeit nur mehr drei globale Fluggesellschaften geben wird. Ich bin nicht dieser Meinung. Die Zukunft wird starken Allianzen und Gesellschaften wie der Swiss gehören», versicherte er vor den Journalisten des Cercle lausannois de la presse.
Finanzielles Gleichgewicht
Die Swiss geht nach den Worten Dosés davon aus, vom Start weg in der Schweiz auf einen Marktanteil von 40% zu kommen. In Europa sollen es 6,6% und weltweit 2,1% sein. Die neue Fluggesellschaft rechnet mit jährlich 14,8 Mio. Passagieren. Mit geschätzten Einnahmen von 4,65 Mrd. Franken werde bereits die Rechnung 2003 ausgeglichen sein.
swissinfo und Agenturen
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