Elftes Gotthard-Opfer entdeckt
In einem Lastwagen sind Knochen eines elften Unfallopfers entdeckt worden. Der Schwerverkehr auf den Ausweichrouten soll "dosiert" und nicht kontingentiert werden.
Auf die Knochen sind Experten für die Luft- und Staubuntersuchung gestossen. Es handelt sich offenbar aber nicht um den türkischen Fahrer des Unfall-Lastwagens.
Das nun gefundene Opfer könnte ein Paraguayaner sein, der bei einem italienischen Transportunternehmen angestellt war. Die Zahl der Vermissten reduzierte sich bis am Mittwochabend auf neun, darunter je zwei Schweizer, zwei Italiener sowie ein Deutscher.
Schwerverkehr dosieren
Der Schwerverkehr auf den Ausweichrouten San Bernardino sowie Grosser St. Bernhard und Simplon soll laut Bundespräsident Moritz Leuenberger «dosiert» und nicht kontingentiert werden.
Die Dosierung des Schwerverkehr ist nach dem Muster des Mont-Blanc-Tunnels vorstellbar, führte der Verkehrsminister vor den Bundeshausmedien aus. Dort plant man, zwischen den Lastwagen einen Mindestabstand von 150 Metern vorzuschreiben.
In der Schweiz, besonders am San Bernardino, sei dies auch machbar. Eine Kontingentierung komme aus rechtlichen und praktischen Gründen nicht in Frage, wiederholte Leuenberger.
Keine Senkung der LSVA
Eine Senkung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) lehnte der Bundesrat als völlig systemfremd ab. Dies hätte ein heilloses Durcheinander zur Folge.
Am Dienstag waren Forderungen für eine Senkung erhoben worden, damit der Umweg über den San Bernardino für die Camionneure gleich teuer wird wie die Gotthard-Route.
Leuenberger forderte zur Nutzung des Bahnangebotes auf. Die Verlademöglichkeiten durch den Gotthard würden derzeit wenig genutzt. Er vermutete aber, dass sich dies bei einsetzendem Schneefall ändert.
Transit-Verkehr halbiert
Die Schweiz wird nach dem Brand im Gotthard-Tunnel von den ausländischen Lastwagen gemieden. Etwa die Hälfte des Verkehrs weicht über Frankreich oder die Brenner-Route aus.
An den grössten Zollstellen hat sich der Transitverkehr halbiert. Anstatt der üblichen 1’000 bis 1’200 Transit-Lastwagen, die täglich die Zollstelle in Basel/Weil passieren, sind es gegenwärtig in beiden Richtungen nur 500 bis 700.
Laut Hugo Geiger, Vizedirektor der Eidgenössischen Oberzolldirektion, hat der Transitverkehr auf den Hauptachsen stark abgenommen. Es habe eine gewisse Verlagerung auf andere Strassen stattgefunden. Das Bundesamt für Strassen (Astra) will Ende Woche detaillierte Zahlen zum Verkaufsaufkommen auf den Ausweichrouten bekannt geben.
Erneut Lastwagenbrand am San Bernardino
Auch am Mittwoch kam es auf der San Bernardino-Route zu Verkehrs-Behinderungen. Ein Lastwagenbrand bei Lostallo führte zu einer vorübergehenden Sperrung der A13. Erst am Donnerstagmorgen wurde die A13 wieder für den Durchgangs-Verkehr freigegeben.
Ein von San Bernardino in Richtung Bellinzona fahrenden Sattelschlepper war nach einer Reifenpanne in Brand geraten. Das Feuer dehnte sich auf die Ladung aus. Menschen wurden nach Angaben der Bündner Kantonspolizei keine verletzt.
Der Sattelschlepper war mit Autobatterien beladen. Bei dem Brand floss stark ätzende Schwefelsäure auf die Fahrbahn. Die A13 wurde darauf aus Sicherheits-Gründen unverzüglich gesperrt.
swissinfo und Agenturen
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