Empfehlungen für «nachhaltigen Freizeitverkehr»
Nachhaltiger Freizeitverkehr ist möglich. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds. Sie schlägt unter anderem die Besteuerung des Flugbenzins und die Attraktivitäts- Steigerung des öffentlichen Verkehrs vor.
Schweizerinnen und Schweizer legen in der Freizeit pro Jahr rund 80 Mrd. Personenkilometer zurück, davon je die Hälfte in der Schweiz und im Ausland.
Dies zeigt die Nationalfonds-Studie über nachhaltigen Freizeitverkehr, die an einer Tagung an der ETH Zürich am Mittwoch (16.08.) präsentiert worden ist. Gemäss der Studie wurde das Ausmass des Freizeitverkehrs bisher massiv unterschätzt.
Die Schweizer Bevölkerung absolviert allein im Inland rund 40 Mrd. Personenkilometer in der Freizeit. Werden die von Ausländerinnen und Ausländern zurückgelegten Strecken dazugerechnet, ergibt sich für den Freizeitverkehr in der Schweiz ein Volumen von 65 Mrd. Kilometer. Dies bedeutet, dass 60 Prozent aller Kilometer in der Schweiz aus dem Freizeitverkehr stammen.
Auto im Freizeitverkehr dominant
Für die Schweizerinnen und Schweizer ist im Inland das Auto das bevorzugte Verkehrsmittel, dagegen werden im Ausland die meisten Kilometer im Flugzeug zurückgelegt. Von den in der Schweiz absolvierten Kilometern machen Verwandten- und Bekanntenbesuche den grössten Anteil aus (zirka ein Drittel), und auf Sportveranstaltungen entfallen etwa 30 Prozent.
Weitere Zunahme des Freizeitverkehrs
Die Studie weist darauf hin, dass der Freizeitverkehr in den nächsten Jahren weiter anwachsen wird. Deswegen werde es schwierig, eine Reduktion des fossilen Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen zu erreichen, wozu sich auch die Schweiz international verpflichtet hat.
Die Nationalfonds-Studie schlägt denn auch Massnahmen für eine nachhaltigen Freizeitverkehr vor.
Höhere Treibstoffpreise
Beim Flugverkehr, der besonders hohe Wachstumsraten verzeichnet, müssten laut Studie internationale Vereinbarungen sicherstellen, dass auch das Flugbenzin nicht länger von der Besteuerung ausgenommen wird.
Zu den weiteren Vorschlägen gehören eine Verschärfung der Lärm- und Schadstoffgrenzwerte und die Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Schiene.
Gemäss Studie sollen beim motorisierten Individualverkehr die Bemühungen um energieeffizientere Fahrzeuge verstärkt werden. Dazu müsste zum Beispiel der heutige Flottenverbrauch von 8,5 Litern auf 100 Kilometer pro Auto auf etwa 5 Liter reduziert werden.
Zudem sei es sinnvoll, im Rahmen des geltenden CO2-Gesetzes die Benzinpreise in naher Zukunft um etwa 50 Rappen pro Liter zu erhöhen.
Öffentlicher Verkehr billiger und bequemer
Schliesslich soll auch die Attraktivität der öffentlichen Verkehrsmittel gesteigert werden. Beispielsweise müssten national und international direktere, raschere und komfortablere Zugsverbindungen geschaffen werden. Für die Agglomerationen wird der Ausbau der Nachtbusangebote vorgeschlagen.
Der öffentliche Verkehr müsse in Zukunft auch billiger und bequemer werden, fordert die Studie weiter. Ein dringendes Gebot sei zum Beispiel die Einführung eines von Tür-zu-Tür funktionierenden Gepäckeservices. Ausserdem müssten die Angebote im Freizeitverkehr besser vermarktet werden.
Das Fazit der Studie: Wenn öffentliche Verkehrsmittel vermehrt benutzt werden, wird der Freizeitverkehr nachhaltiger.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch