Erleichterung herrscht
Parteien, Flughafenbetreiber, die Crossair sowie die meisten Gewerkschaften begrüssen die Bundeshilfe zum Aufbau einer neuen Airline. Die SVP bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung.
Der Crossair-Verwaltungsrat nehme mit Genugtuung zur Kenntnis, dass der Bundesrat, die Banken und die Wirtschaft voll hinter dem Entscheid stünden, teilte die Crossair am Montagabend mit.
Dadurch sei es nun möglich, vielen Menschen wieder eine Zukunft zu geben und mit vereinten Kräften ein neues Kapitel der schweizerischen Luftfahrt-Geschichte zu schreiben.
Gute Lösung für Swissair-Gläubiger
Auch der SAirGroup-Sachverwalter Karl Wüthrich spricht von einer guten Lösung. Die Interessen der Swissair-Gläubiger würden gewahrt, sagte er. Vor allem die Interessen der Beschäftigen als Gläubiger seien gesichert, die Kosten für Sozialpläne würden minimiert.
Wenn der Wert der flugnahen Betriebe wie Swissport, SR-Technics oder Gate Gourmet erhalten bleibe, habe das auch wieder positive Auswirkungen auf die Swissair-Gläubiger. Der Übergang in die neue Crossair werde aber eine sehr anspruchsvolle Angelegenheit.
Flughafen-Betreiber begrüssen Bundeshlife
Der Chef der Flughafen Zürich AG, Josef Felder, sieht dank der Bundesbeteiligung an der neuen Fluggesellschaft den Hub Zürich-Kloten gerettet. Es seien eine nationale Airline, aber auch tausende von Arbeitsplätzen gerettet worden.
Die Verantwortlichen des Internationalen Flughafens Genf (AIG) begrüssen den Entscheid des Bundesrates und der Wirtschaft, eine neue Fluggesellschaft abheben zu lassen. «Wir hoffen, aber, dass wir von der neuen Airline nicht vergessen werden», sagte AIG-Sprecher Philippe Roy.
Die SP zeigte sich zufrieden mit dem Bundesrats-Entscheid. Die wichtigsten Ziele zur Rettung der nationalen Fluggesellschaft seien erfüllt worden, sagte SP-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat.
Dazu gehöre neben der Erhaltung einer grossen Zahl von Arbeitsplätzen auch eine ausreichende Zahl von Langstrecken-Flügen. Mit insgesamt 38 Prozent des Aktienkapitals habe die öffentliche Hand nun auch einen bestimmenden Einfluss auf die neue Fluggesellschaft.
Wirtschaftskreise erfreut
Die FDP ist erfreut über die gefundene Lösung für den Erhalt einer nationalen Fluggesellschaft. Die Beteiligung der öffentlichen Hand von mehr als einem Drittel sei aber am oberen Limit des Vertretbaren, sagte FDP-Sprecherin Barbara Perriard.
Obwohl der Erfolg der neuen Fluggesellschaft nicht gesichert sei, vertraue die FDP darauf, dass das Eigenkapital eine solide Basis für den Aufbau einer neuen Airline biete.
Der Wirtschaftsdachverband economiesuisse teilte mit, die Beschlüsse seien ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort und zum Zukunftswillen der Schweiz.
Die SVP lehnt den Entscheid des Bundesrats kategorisch ab. Es dürfe nicht sein, dass Steuergelder missbraucht würden, um eine marode Privatunternehmung zu sanieren, teilte die Partei am Montag mit.
Bei dem nahenden Konkurs der Swissair handle es sich um den Konkurs einer privaten Gesellschaft und nicht um eine nationale Katastrophe. Nachdem der «FDP-Filz die blühende Swissair» mit Fehlentscheiden zu Fall gebracht habe, führe er mit dem heutigen Entscheid auch noch die Crossair auf den falschen Weg. Die SVP begrüsse hingegen die Fortführung der Sonderprüfung.
Gewerkschaften: zufrieden bis kritisch
Die Gewerkschaft VPOD ist über die Finanzierung der neuen Fluggesellschaft erfreut. VPOD-Vertreter Daniel Vischer zeigte sich zufrieden über den finanziellen Impuls, räumte jedoch ein, dass dies alleine nicht ausreiche. Nun gehe es darum, die beiden bisherigen Fluggesellschaften zusammenzuschweissen und mit den flugnahen Betrieben klare Kooperations-Verträge abzuschliessen.
Auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) hat den Beschluss des Bundesrates begrüsst. Ohne die entscheidende finanzielle und politische Intervention des Bundes wären die von massgeblichen «Topshots» der Schweizer Finanz- und Wirtschaftswelt verursachten sozialen und volkswirtschaftlichen Schäden unerträglich, teilte der SGB am Montag mit.
Der Christlichnationale Gewerkschaftsbund (CNG) hingegen erachtet es als unverantwortlich, dass soviel Steuergelder für ein Unternehmen eingesetzt werden, «das mit so grossem Risiko behaftet ist». Niemand könne heute die Erfolgschancen des Projekts abschätzen. In Bezug auf den drohenden Verlust der Arbeitsplätze werde das Probelm nur verschoben und nicht gelöst.
Der Verband des Swissair-Kabinenpersonals hat den Entscheid für die 26/26 Lösung und eine interkontinentale Fluggesellschaft grundsätzlich begrüsst. Er räumte allerdings ein, dass vieles noch unklar sei und intensive Verhandlungen bevorständen. Erleichtert ist auch die Gewerkschaft Aeropers. Nicht zu vergessen sei allerdings der gewaltige Abbauprozess von einem Drittel des Swissair-Personals, hiess es.
Überrascht über den hohen Anteil des Bundes am Aufbau der «neuen Crossair» äusserte sich Richard Dunkel, Präsident der Gewerkschaft PUSH (Personal Union Swissair Holding). Er sei jedoch über die gefundene Lösung erleichtert, es sie die einzig vertretbare, sagt er.
swissinfo und Agenturen
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