Ernstfall-Übung: Radioaktive Verstrahlung
Der Bund hat den Ernstfall einer landesweiten radioaktiven Verstrahlung geübt. Bundesrat Schmid zeigte sich zufrieden über die Krisenorganisation.
Die Information der Bevölkerung bei einer radioaktiven Verstrahlung stand im Zentrum einer Notfallübung der Nationalen Alarmzentrale (NAZ) und des Verteidigungsministeriums (VBS). Es ging darum, das handwerkliche Können im Krisenmanagement zu verbessern.
Szenario: Atomwaffen-Explosion in Frankreich
Das Szenario basierte auf den Auswirkungen einer Kernwaffen-Explosion in der Umgebung von Grenoble (F) bei einer Südwestwind-Lage. Die Annahme war, dass weite Teile der Schweiz massiv radioaktiv verstrahlt wurden.
Bei einer solchen Katastrophe übernimmt der Bund laut dem neuem Leitbild Bevölkerungsschutz die Führung. An der Übung nahmen Verteidigungsminister Samuel Schmid und Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz teil.
In den geschützten Räumlichkeiten des Bundeshauses und der NAZ in Zürich wurden namentlich der Leitende Ausschuss Radioaktivität (LAR) und der Stab Bundesrat Informationszentrale sowie Teile der Abteilung Presse und Funkspruch (APF) beübt.
Erste Übung
Der nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl von 1986 eingesetzte Stab Bundesrat Informations-Zentrale wurde erstmals trainiert. Er wird von Vizekanzler Achille Casanova geleitet und hat die Bevölkerung über die Gefährdungslage zu informieren und Verhaltensregeln zu kommunizieren.
Wie Casanova vor den Medien erklärte, hat sich die Informationszentrale in der Übung bewährt. Die Informationsarbeit bei einer solchen Notlage sei enorm schwierig. Nach dem Test sei er aber beruhigt, dass er über das Instrumentarium verfüge, falls er eine derartige Krise informationsmässig real zu meistern hätte.
Auf Nuklear-Terrorismus gefasst
Nach Aussagen des Vorsitzenden des LAR, VBS-Generalsekretär Juan Gut, wurde das Szenario «Artus 5» nicht aus aktuellem Anlass – den Drohungen Osama bin Ladens, Atomwaffen einsetzen zu wollen – erarbeitet. Es sei darum gegangen, das laut NAZ stark vernachlässigte Know-How bei Nuklear-Ereignissen wiederherzustellen.
Das NAZ in Zürich ist die Fachstelle des Bundes für ausserordentliche Ereignisse. Dazu gehört vorab die Gefährdung durch erhöhte Radioaktivität, neuerdings auch der Nuklear-Terrorismus. Das NAZ befasst sich aber auch mit B- und C- Waffen, Chemieunfällen und den Folgen von Staudammbrüchen.
swissinfo und Agenturen
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