FDP, CVP und SP einig:Bundes-Beteiligung für Crossair
Die drei Bundesratsparteien FDP, CVP und SP sprachen sich am Freitag für eine nationale Airline aus und wollen, dass sich der Bund daran beteiligt. Bundesrat Villiger blitzte auf der Suche nach Investoren bei Unternehmen ab.
Die vier Bundesratsparteien FDP, CVP, SP und SVP trafen sich am Freitag-Nachmittag zu einem ausserordentlichen Treffen zur Swissair-Krise. Die Sitzung dauerte über drei Stunden.
Dabei sprachen sich Freisinnige, Christ- und Sozialdemokaten für eine nationale Fluglinie aus. Diese müsse ein substanzielles Angebot an interkontinentalen Verbindungen gewährleisten, hielt SP-Präsidentin Christiane Brunner im Namen der drei Parteien fest.
Bundes-Minderheits-Beteiligung
Neben diesem grundsätzlichen Ausspruch zu einem sogenannten Flag Carrier, stimmten FDP, CVP und SP einer subsidiären Minderheits-Beteiligung des Bundes an der neuen Airline zu.
Voraussetzung sei, so Brunner, dass der grösste Teil der Finanzierung von den Banken, der Wirtschaft und den Standortkantonen geleistet werde. Weiter wird ein überzeugender Business-Plan erwartet.
Rettungsversuche ohne die SVP
Nicht in dieses Szenario einbinden wollte sich die SVP. Für SVP-Parteipräsident Ueli Maurer ist eine nationale Fluglinie unnötig. Nach der Sitzung erklärte er gegenüber SF DRS, dass die Entscheidungsgrundlage zu dürftig für einen Entscheid sei und dem Bund kein Engagement in unbestimmter Milliardenhöhe zugemutet werden könne.
Dem hielt SP-Präsidentin Brunner entgegen, eine allfällige Rezession wegen der Swissair-Krise würde dem Bund mehr Folgekosten aufbürden, als es koste, die neue Airline mitzugestalten. Den drei Parteien FDP, CVP und SP gehe es um die Sicherung des Wirtschaftsstandortes Schweiz und um die Vermeidung von Arbeitslosigkeit.
Villiger blitzt ab
Auch Finanz-Minister Kaspar Villiger war aktiv: Persönlich klärte er bei grossen Schweizer Firmen die Bereitschaft für eine Beteiligung an der geplanten neuen nationalen Fluggesellschaft Crossair ab, wie es aus Unternehmens-Kreisen hiess. Erste Reaktionen seien aber kühl gewesen. Die meisten Firmen wollen den Businessplan abwarten. Aus diesem Grund hält sich beispielsweise auch die Zürcher Kantonalbank, die drittgrösste Schweizer Bank, vorerst noch zurück.
Der Zementkonzern Holcim zeigte sich am Freitag bereit, Crossair-Aktien zu kaufen, wenn mehrere andere Firmen mitmachten. Walter Haefner, der Gründer und Besitzer der Autoimporteurin Amag, hat bereits eine konkrete Summe in Aussicht gestellt: Die Firma teilte mit, sie werde sich mit 200 Millionen Franken an der Erhaltung einer nationalen Fluggesellschaft beteiligen.
Auch das angebliche Milliarden-Angebot der US-Investment-Gesellschaft Texas Pacific Group konkretisierte sich nicht weiter.
Kredit vom Sachwalter gesperrt
Karl Wüthrich, der provisorische Sachwalter der Swissair, blockierte am Freitag endgültig den 250-Millionen-Kredit der Banken in der jetzigen Form. Als Grund für die Ablehnung nannte er mögliche Benachteiligungen für die Mitarbeiter oder die Pensionskassen.
Nun müssten neue Lösungen gesucht werden, so Wüthrich. Er schlägt direkte Kredite an einzelne Swissair-Töchter vor. Die UBS liess verlauten, sie wolle sich für eine solche Lösung einsetzen.
Der Sachwalter zeigte sich nach einer Woche Aktienstudium zuversichtlich, dass die Swissair liquide bleibt: «Die finanziellen Mittel dürften bis 28. Oktober reichen.» Der 28. Oktober ist der Termin für die Überführung der Swissair-Teile in die Crossair.
Verkauf von Töchtern
Wüthrich will weiter den Verkauf von Swissair-Gesellschaften, die nicht in der Nachlassstundung sind, vorantreiben. Bei Restorama, Railgourmet und Gourmetnova stehe ein Verkauf in den nächsten drei Wochen an. Mehrere Interessenten hätten geboten, und es sei ein anständiger Preis vereinbart worden, sagte Wüthrich.
Businessplan in Vorbereitung
Unterdessen laufen die Arbeiten am Businessplan für die neue Fluggesellschaft auf Hochtouren. Bei der Integration von Teilen der Swissair wird nach wie vor am Ziel einer Übernahme von 26 Lang- und 26 Kurzstrecken-Flugzeugen festgehalten. Laut Crossair-Sprecher Manfred Winkler werden aber auch andere Varianten geprüft.
Pauschal-Tickets als Flop
Kaum Anklang fand die Aktion der Swissair, Tickets zu günstigen Pauschalpreisen zu verkaufen, um die Flugzeuge zu füllen. So kostete ein beliebiges Europa-Ticket der Economy-Klasse 300 Franken, eine Überseeflug war für 800 Franken Bargeld zu haben.
swissinfo und Agenturen
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