Franken drückt Tourismus
Nach dem 11. September blieben viele amerikanische Gäste weg. Zudem macht der starke Franken der Tourismus- und auch der Exportindustrie zu schaffen.
Während im vergangenen Jahr die Zahl der inländischen Gäste zunahm, wurden weniger Übernachtungen von Ausländern gebucht. Laut Mitteilung des Bundesamtes für Statistik (BFS) vom Montag wurden 2001 total 33,48 Mio. Logiernächte gebucht, das heisst 450’000 oder 1,3% weniger als im Vorjahr. Dies sind zwar 6,4% weniger als im Rekordjahr 1990, aber noch immer 4,3% mehr als 1999, und 2,8% mehr als im Mittel der letzten zehn Jahre.
Mehr Schweizer
Inländische Gäste buchten 14,23 Mio. Übernachtungen, was einer Zunahme um 210’000 oder 1,5% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Nachfrage aus dem Ausland aber verringerte sich um 660’000 oder 3,3% auf 19,25 Millionen.
Weniger Amerikaner
Besonders ausgeprägt war der Rückgang mit 8,1% bei den aussereuropäischen Gästen, während er bei der europäischen Kundschaft mit 1,6% moderat ausfiel. Den deutlichsten Einbruch – um 300’000 Logiernächte oder 14% – verzeichneten die Schweizer Hotels bei den Gästen aus den USA.
Neben dem Einbruch nach dem 11. September macht das BFS auch die Schwäche der Weltwirtschaft und die Stärke des Schweizer Frankens für den Rückgang verantwortlich.
Firmen wandern aus
Hotels machen fast zwei Drittel ihres Umsatzes mit Gästen aus dem Ausland, sind also starke Exporteure. Nur sind sie gegenüber Produktionsbetrieben standortgebunden und können nicht verlagern. Seit einiger Zeit leidet die gesamte Exportwirtschaft unter der Frankenstärke.
Einige Firmen erwägen deshalb Verlagerungen von Produktionsbereichen ins Ausland. Die Genfer Firma Sécheron ist das jüngste Beispiel für diesen Trend. Die auf die Herstellung von elektronischen Komponenten für den Eisenbahn-Bau spezialisierte Unternehmung schliesst in Genf die Abteilung für die Montage von Unterstationen und verlegt sie nach Tschechien.
«Die Unternehmen suchen nach günstigen Produktionsstandorten, um ihre Produktivität zu erhöhen», erklärt Dominique Rochat von economiesuisse, dem Dachverband der Schweizer Wirtschaft. Vor allem in Krisenzeiten verstärke sich die Tendenz zur Abwanderung, fügt Yves Flückiger, Wirtschaftsprofessor der Universität in Genf, hinzu.
Keine Abwanderungswelle
Eine grössere Abwanderungswelle sei nicht zu befürchten, relativiert Rochat. Von den Verlagerungen ins Ausland seien primär die Produktionsstätten betroffen. Die in der Spitzentechnologie tätigen Bereiche blieben hingegen verschont.
Der Genfer Analyst François Savary sieht in der Stärke des Schweizer Frankens zum Euro den Grund für die Probleme der einheimischen Exportindustrie. «Wegen dem ungünstigen Wechselkurs sind Schweizer Unternehmen mit ihren Exporten zu teuer», sagt Savary.
Keine Hilfe von SNB
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) könnte über ihre Geldpolitik Abhilfe schaffen und den Franken zum Euro abwerten, wie Savary sagt. Dazu müsste die SNB die Frankenzinsen senken.
Allerdings hat SNB-Präsident Jean-Pierre Roth kürzlich erklärt, dass der Wechselkurs zwar eine wichtige Rolle im Konzept der SNB spiele. Er sei aber nur eine Komponente. Solange sich die Weltwirtschaft nicht erhole, sei auch keine Aufhellung bei den Schweizer Ausfuhren zu erwarten, sagte Roth weiter.
Zinsschritt offen
SNB-Vizepräsident Bruno Gehrig sagte inzwischen gegenüber der «Aargauer Zeitung», dass die Richtung einer Veränderung des Zinsbandes offen sei. Es sei gut möglich, dass die Zinsen noch einmal gesenkt werden, um dem Franken-Wechselkurs etwas zu helfen.
swissinfo und Agenturen
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