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Gotthard: Das Vortasten zur Unfallstelle hat begonnen

Mehrere hundert Meter der Tunneldecke drohen noch einzustürzen. Keystone Archive

Der Tessiner Feuerwehr ist es in der Nacht auf Freitag gelungen, das Feuer im Gotthardtunnel weitgehend zu löschen. Bevor weitere Todesopfer geborgen werden können, muss nun die Tunneldecke stabilisiert und gesichert werden.

Auf einer Strecke von rund 250 Metern besteht akute Einsturzgefahr. Am Freitagmorgen sind Feuerwehrleute in den Tunnel eingedrungen und versuchen, die Tunneldecke abzustützen und zu sichern.

Feuerwehr-Einsatzleiter Bruno Winkler rechnet damit, dass diese Sicherungs-Massnahmen mehrere Stunden dauern werden. Im Verlaufe des Nachmittags respektive des frühen Abends sollten die Rettungskräfte den Tunnel gefahrlos betreten können, hofft er.

Wie viele Tote verbergen sich unter den Trümmern?

Der nächste Schritt besteht anschliessend in der Bergung der Toten. Im Tunnel befinden sich rund 100 Autos und 15 Lastwagen. Unklar ist noch, wie viele Fahrzeuge und Personen unter den Trümmern der heruntergefallenen Tunnelbekleidung liegen.

Die Behörden rechnen damit, dass die Zahl von derzeit offiziell elf Todesopfern nach oben korrigiert werden muss. Auf eine Prognose will sich jedoch niemand einlassen. Wie am Donnerstag bekannt gegeben wurde, befinden sich auf einer Vermisstenliste 128 Namen. Dass jedoch all diese Personen im Tunnel ums Leben kamen, gilt als unwahrscheinlich.

Verkehrsprobleme

Schon am ersten Tag nach der Sperrung des Gotthard-Tunnels zeigten sich die Probleme, die sich aus der Schliessung dieser Nord-Süd-Achse für den Transit-Schwerverkehr durch die Schweiz ergeben.

Nachdem sich am Donnerstagmorgen auch auf der San-Bernardino- Achse ein schwerer Unfall ereignet hatte, war das Tessin für den Schwerverkehr nur noch schwer erreichbar. Der Kanton habe beim Bund inoffiziell um Unterstützung angefragt, sagte der Tessiner Baudirektor Marco Borradori.

Die Bahnen SBB und BLS erhöhten bereits ihre Kapazitäten am Gotthard und am Lötschberg, um einen Teil des alpenquerenden Verkehrs aufzufangen. Die SBB führten erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder einen Autoverlad durch den Gotthard-Eisenbahntunnel durch.

Im Eiltempo sanieren sie zudem innert 10 Tagen die derzeit nur einspurig befahrbaren 4 Kilometer im 15 Kilometer langen Bahntunnel. So können 28 statt 10 bis 12 Züge pro Stunde geführt werden. Die Lötschberg-Bahn verdoppelte das Verlade-Angebot.

Zu viel Schwerverkehr

«Die Gotthard-Achse kann das Schwerverkehrsaufkommen nicht mehr ertragen», sagte Borradori weiter. Es müsse eine Lösung gefunden werden. Er denke dabei auch an eine Limitierung des Lastwagen-Verkehrs. Bei der Verkehrspolizei wurde der Ruf nach einer Kontingentierung des Schwerverkehrs laut.

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