Grösste Entlassungswelle der Schweizer Geschichte
Die Gewerkschaften befürchten bei der Swissair einen weit schlimmeren Stellenabbau als bislang angenommen. Allein für die Schweiz rechnen sie mit dem Verlust von bis zu 17'000 Stellen. Die Gewerkschaften fordern einen sofortigen Krisengipfel.
Aufgrund von Angaben aus den Swissair-Betrieben rechnen die Gewerkschaften und Personalverbände damit, dass 75% der Schweizer Stellen im Swissair-Konzern verloren gehen. Bislang war für die Schweiz von einem Abbau von rund 4’000 Stellen ausgegangen worden.
Gewerkschaft: Phönix-Plan ist unrealistisch
Das bisher vom Management, den Banken und dem Bundesrat vertretene Phönix-Szenario, wonach die Crossair 26 Kurz- und 26 Langstrecken-Flugzeuge von der Swissair übernehme, sei völlig unrealistisch, erklärte Daniel Vischer, der Präsident der Gewerkschaft VPOD Luftverkehr, am Donnerstag an einer Medien-Konferenz.
Abbau von bis 17’000 Arbeitsplätzen
Die Gewerkschaften gehen nur noch von einer Übernahme von höchstens 10 Swissair-Flugzeugen aus und erachten es sogar als möglich, dass die Crossair überhaupt keine Swissair-Flugzeuge übernimmt. Damit gingen 14’000 bis 17’000 Stellen verloren.
Auch der Volkswirtschafts-Direktor des Kantons Zürich, Ruedi Jeker, erklärte am Donnerstag, dass die Einschätzungen von Anfang Oktober überholt seien. Jeker ist in seiner Prognose allerdings etwas weniger pessimistisch als die Gewerkschaften: Er geht von mindestens 10’000 Arbeitslosen aus.
Krisengipfel gefordert
Die Gewerkschaften verlangen einen sofortigen Krisengipfel mit dem Management, den Banken, sowie mit Bund und Kantonen. Sie fordern insbesondere einen Sozialplan von rund 3 Mrd. Franken.
Die Credit Suisse Group (CSG) lässt vorerst eine allfällige Beteiligung an einem Sozialplan für entlassene Swissair-Angestellte offen. Solange kein Business-Plan mit klar abschätzbaren Folgen für die Belegschaft vorliege, wolle man sich nicht an Spekulationen über einen Sozialplan beteiligen, sagte CSG-Sprecherin Karin Rhomberg.
Spätestens bis Monatsende wird der Grossteil der Kündigungen jene Swissair-Angestellten treffen, die rund um die Airline und den Flughafen arbeiten. Es wurde ein Arbeitsmarkt-Zentrum (MZ) eingerichtet, um die Entlassenen bei der Stellensuche zu beraten.
Schutz der geprellten Passagiere
Die Rechte und der Schutz für Passagiere müssten verbessert werden. Dies fordert die Stiftung für Konsumenten-Schutz (SKS). Reise- und Flugpassagiere dürften nicht einfach ihrem Schicksal überlassen werden, wenn Flug-Gesellschaften oder Reise-Veranstalter pleite seien. Wer in der Schweiz ein Flugticket verkaufe, solle sicherstellen müssen, dass bezahlte Beträge rückerstattet würden und die Rückreise auf jeden Fall garantiert sei.
Gläubigerschutz in den USA und Kanada
Die Swissair hat am Donnerstag ihren reduzierten Betrieb nach dem neuen Flugplan aufgenommen, der noch bis zum 27. Oktober gilt. Wie Swissair-Sprecher Jean-Claude Donzel bestätigte, hat die Swissair unterdessen auch in den USA und Kanada Gläubigerschutz erhalten.
Der Gläubigerschutz richte sich nach dem so genannten Chapter 11 des amerikanischen Konkursrechts. Damit sei sicher gestellt, dass die Swissair für die laufenden Geschäfte weiter beliefert werde.
swissinfo und Agenturen
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