Holcim schielt nach England
Der Schweizer Zementriese Holcim prüft ein Übernahmeangebot für das britische Baustoffunternehmen Aggregate Industries.
Der Übernahmepreis beträgt 4 Mrd. Franken. Der Zürcher Konzern würde die Übernahme würde aus liquiden Mitteln und neuen Kreditzusagen finanzieren.
Der Schweizer Zementkonzern Holcim bereitet ein Kaufangebot für die britische Aggregate Industries vor. Ob es zu einer verbindlichen Offerte an den britischen Baustoffkonzern kommt, will Holcim nach einer vertieften Prüfung entscheiden.
Der Verwaltungsrat habe die Absicht, den Aktionären von Aggregate Industries pro Aktie 138 Pence (gut 3 Franken) anzubieten, teilte Holcim am Mittwoch mit. Zusätzlich würde bei einer verbindlichen Offerte eine Interimsdividende von 2 Pence (4,5 Rappen) pro Aktie entrichtet.
Der weltweit zweitgrösste Zementkonzern würde die Akquisition mit bestehenden liquiden Mitteln und neu zugesicherten Kreditlinien finanzieren. Holcim mit Sitz in Jona SG betonte allerdings, dass derzeit keine Sicherheit über den Ausgang der Diskussionen bestehe.
Aggregate wies für 2003 einen Umsatz von 1,46 Mrd. Pfund (rund 3,3 Mrd. Franken) und einen Gewinn vor Steuern von 140 Mio. Pfund (etwa 310 Mio. Franken) aus.
Die Aggregate-Aktie schloss am Dienstag an der Londoner Börse bei 114 Pence. Das geplante Übernahmeangebot sei Gegenstand von Diskussionen, deren Ausgang noch nicht sicher sei, schränkte Holcim seine Pläne ein.
Holcim-Sprecher Roland Walker sagte gegenüber swissinfo, dass es keine Erklärungen zur angestrebten Übernahme gebe, solange diese nicht unter Dach und Fach sei.
Aggregate-Verwaltungsrat dafür
«Der Verwaltungsrat von Aggregate Industries würde eine Offerte von Holcim begrüssen», heisst es wörtlich einer Verlautbarung.
Die Höhe der Offerte sei unter anderem vom Ergebnis einer vertieften Buchprüfung (Due Diligence) abhängig, so Holcim weiter. Falls ein verbindliches Angebot zu Stande komme, zahle Holcim die Interimsdividende von zwei Pence je Aktie.
Holcim-Aktie fällt
«Dieses Angebot kommt für uns überraschend,» hiess es bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Bisher habe Holcim vor allem auf eine gezielte Expansion in Wachstumsmärkten gesetzt. «Mit Aggregate würde sich Holcim zusätzlich auch produktmässig diversifizieren,» so ZKB-Analyst Martin Hüsler.
Die Anleger reagierten unterschiedlich. In London kletterte der Aggregate-Kurs um rund 25 Prozent auf 143 Pence – die Investoren hoffen offenbar auf eine Erhöhung des Angebots. In Zürich verlor die Holcim-Aktie bis zu 3,3 Prozent und schloss 2,6 Prozent unter dem Vorabend bei 69,35 Franken.
Nach neun Monaten im Plus
Der Zementkonzern hat den Reingewinn in den ersten neun Monaten 2004 im Vergleich zur Vorjahresperiode um einen Drittel gesteigert und wies für die ersten drei Quartale einen Reingewinn von 691 Mio. Franken aus.
Das waren 33,4% mehr als in der Vorjahresperiode und übertraf die Erwartungen der Finanzanalysten. Der Umsatz nahm um 6,6% auf gut 10 Mrd. Franken. Das Jahresergebnis 2004 wird im März erwartet.
swissinfo und Agenturen
Holcim ist die Nummer zwei im weltweiten Zementgeschäft (nach Lafarge aus Frankreich).
2003 stieg der Reingewinn von Holcim um 35,6% auf 686 Mio. Franken bei einem Umsatz von über 12 Mrd. Franken.
Holcim ist in über 70 Ländern tätig und beschäftigt rund 48’000 Personen.
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